Real Madrid – Granada 5:1

Eigentlich ein Spiel, über welches man sich im Vorhinein nicht zu viel Kopfzerbrechen bereiten müsste. Real Madrid ist Tabellenführer und gilt neben Barcelona als die aktuell stärkste Mannschaft Europas, Granada hingegen ist ein kleiner Verein, aktuell sogar leicht überraschend im Mittefeld angesiedelt. Die Startruppe Mourinhos hätte zuhause eigentlich keine Probleme haben dürfen mit diesem Gegner, doch der Underdog ließ sich nicht lumpen und erkämpfte sich einige Chancen. Zwar war das hohe Ergebnis für Real verdient, fiel aber in Bezug auf die Tore Granadas zu gering aus.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Die Aufstellungen zu Beginn des Spiels

Die Auswärtsmannschaft begann mit einem sehr symmetrischen System, einem 4-5-1, in welchem der Mittelstürmer den zentralen Anspielpunkt der Offensive darstellte. Auf den Außenbahnen agierten ziemlich klassische Flügelstürmer, welche bis zur Grundlinie oder ans Sechzehnereck marschierten, von wo sie aus den mitlaufenden Spielmacher Martins oder eben Mittelstürmer Ighalo einsetzen sollten. Einige gefährliche Chancen gab es, besonders in der ersten Halbzeit wurden Hochkaräter vergeben. Die Defensive wurde ebenso von den Außenspielern gesichert, die sehr viel Laufarbeit verrichteten, um die eigenen Außenverteidiger unterstützen zu können. Eine ähnliche Hilfe erhielten die Innenverteidiger durch das stark defensiv orientierte Mittelfeldzentrum, welches aus Yebda und Rico bestand. Die beiden hielten sich offensiv eher zurück und sicherten den Raum vor dem eigenen Sechzehner, doch gegen Real Madrids schnelle Vorstöße und individuelle Klasse war dies langfristig eine Mammutaufgabe.

Bei den Tabellenführern aus Madrid konnte man ihr klassisches System erkennen, welches ein 4-3-3 ist. Özil fungierte hier wieder als moderne Version der Nummer Zehn, wich oft auf die Flügel aus, aber kümmerte sich hauptsächlich um das Einleiten von Angriffen im letzten Drittel. Besonders sehenswert seine Kombination mit Cristiano Ronaldo im gegnerischen Strafraum, welche Benzema nach einer schönen Hacken-Vorlage Özils vollendete. Benzema und Higuain liefen im Sturm neben Cristiano Ronaldo auf. Der Franzose hätte nominell auf dem rechten Flügel spielen sollen, zumeist rückte er jedoch ins Zentrum ein, Higuain wich einige Male auf den Flügel aus und mit dem ohnehin inversen Winger Ronaldo auf links entwickelte sich ein fluides System. Den Raum hinter diesen hauptsächlich offensiv orientierten Quartett sicherte eine Doppelsechs die Abwehr und kümmerte sich um die Organisation des Pressings, welches nicht immer funktionierte, und die defensive Struktur. Khedira übernahm den vertikalen Part der Doppelsechs, Xabi Alonso als tiefliegender Spielmacher den horizontalen, wobei die Grenzen in den defensiven Verantwortungsbereichen fließend waren. Sergio Ramos und Varane bildeten den mittigen Teil der Viererkette, während das Außenverteidigerpärchen aus Lassana Diarra und Marcelo bestand, die sich beide offensiv stark miteinschalteten.

Die Außenpositionen – Granadas Chance

Einige Chancen konnte sich der Außenseiter im Bernabeu über die Außen erspielen. Dadurch, dass beide Außenverteidiger sowie die Außenstürmer sehr hoch und oftmals sehr zentral agierten, konterte Granada mit sehr breit spielenden Außen. Diese postierten sich einige Male ungemein hoch und nutzten den Raum vor ihnen, um in die Schnittstellen des gegnerischen Defensivverbundes zu kommen.

Sehr interessant zu sehen ist, dass dies gegen eine Mannschaft so effektiv zu Einsatz kam, welche mit sehr hoher individueller Stärke gesegnet ist und sich generell taktisch modern aufstellt. Beispielsweise sind in der offensive inverse Flügelverteidiger wie eben Marcelo und teilweise auch Diarra extrem anfällig gegen „klassische“ Flügelstürmer. Einfache Diagonalpässe aus dem Zentrum in der Doppelsechs erwischen diese Schlüsselposition in der gegnerischen Abwehr auf dem falschen Fuß und innerhalb ihres Verantwortungsbereiches, das Umschalten wird für die eigene Mannschaft erleichtert, während man den Gegner vor ein großes Problem stellt. Entweder man muss sich tiefer postieren, um den Angriff zu neutralisieren, oder einer der Innenverteidiger wagt das Risiko und rückt aus seiner Position heraus. Die Kette wird aufgelöst, der horizontale defensive Mittelfeldspieler lässt sich nach hinten fallen, füllt diese Lücke in der Mitte und hofft darauf, dass der vertikale Sechser rechtzeitig zurückkehrt, um den Platz im Rücken der Abwehr zu sichern. Alles in allem gibt es große Probleme auf verschiedensten Ebenen, da der Gegner mehrere Optionen besitzt und zumeist eine der Chancen vom Gegner nicht im Vorhinein verhindert werden kann. Vier Schüsse auf das Tor in der ersten Halbzeit und zwei Chancen im Sechzehner im zweiten Spielabschnitt zeigten, wie effektiv der Außenseiter sich Chancen herausspielte, allerdings sprang daraus nur ein einziges Tor heraus.

Reals Innenverteidiger und Stürmer

Zwei sehr auffällige Dinge konnte man in Reals System erkennen. Einmal waren es die Stürmer, welche sich sehr beweglich und außerhalb ihrer Position zeigten, als zweites sah man die Innenverteidiger einige Male antizipativ nach vorne aufrücken, damit sie Bälle schneller abfangen und die hohe Sturmreihe durch eine kompaktere Defensive ausgleichen konnten. Sehr interessant wäre der Einsatz der drei Mittelstürmer-kompatiblen Offensiven, die sich alle drei sehr gekonnt in Position bringen können und dennoch auf den Außen ebenfalls für Gefahr durch Läufe ohne Ball oder Aktionen mit dem Ball sorgen können. Ihre technische Stärke und ihre Athletik erlaubt es ihnen allen, dass sie mehr als eine Position bekleiden können und sie stellen das perfekte Beispiel für eine erfolgreiche Abkehr vom klassischen Mittelstürmer wie auch vom typischen Flügelstürmer dar – vielleicht ein Schlüssel, um Barcelona knacken zu können?

Mit drei dynamischen und brandgefährlichen Mittelstürmern, welche man gemeinsam aufstellen kann, bietet man nicht nur Mesut Özil mehr Optionen, sondern den Stürmern deutlich mehr Freiheit gegen starke Gegenspieler. Durch Rochaden und Veränderungen der Zuordnungen für die Verteidiger des anderen Teams bringen sie automatisch Chaos in jede Defensivreihe, ohne die eigene Ordnung zu zerstören. Wenn das Timing ihrer Mitspieler dahinter beim Nachrücken sowie die defensive Disziplin dieses vielversprechenden Trios verbessert werden, dann könnte sich hier ein wahrhaft grandioser Angriff entwickeln.

Fazit

Das Ergebnis mag etwas schmeichelhaft sein, doch Real erspielte sich haufenweise Chancen und obwohl man das ein oder andere Tor mehr hätte bekommen können, war der Sieg auch in dieser Differenz verdient. Man ist Barcelona nun bereits fünf Punkte voraus und darf sich auf einen heißen Tanz um die Meisterkrone freuen.

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