Adventskalender, Türchen 21: Christian Tiffert

Wer einen Lauterer Fan fragt, welcher Spieler bei den Roten Teufeln unverzichtbar sei, bekommt nicht selten „Christian Tiffert“ als Antwort. In der Tat ragt er aus dem eher durchschnittlichen besetzten Team heraus. Letzte Saison war er mit seinen 17 Vorlagen die tragende Säule im Abstiegskampf und gewann nebenbei noch die „Assist“-Krone der Bundesliga, mit großen Abstand vor all den Götzes und Müllers. Christian Tiffert ist in Lautern angekommen. 

Seine Karriere stand jedoch nicht immer unter einem guten Stern – noch vor drei Jahren schien wenig unwahrscheinlicher, als dass der in Sachsen-Anhalt geborene Tiffert jemals Assist-König der Bundesliga werden könnte. Seine Karriere wirkte wie ein Lehrstück mit dem Titel „großes Talent, tief gefallen“: In der Frühphase seiner Laufbahn galt er beim VfB Stuttgart als Nationalspieler in spe. Er durchlief alle Stationen der DFB-U-Mannschaften, auch auf dem höchsten Niveau, der U21, avancierte er zum Stammspieler (24 Partien). Im Verein schaffte er den Sprung vom Nachwuchs- in den Profibereich allerdings nicht sofort, oft kam er nur von der Bank auf das Feld. Erst nach und nach erarbeitete er sich Stammelfeinsätze, zu einer Stütze der VfB-Elf wurde er jedoch nie. Schnell unkten die Fans gegen den „Luftikus“ – zu langsam sei er für seine Rolle auf dem Flügel, zu inkonsequent seine Leistungen. Letztendlich war es Armin Veh, der ihn aussortierte. Für vergleichsweise günstige 1,3 Millionen Euro wechselte er 2006 nach Salzburg.

Auch in Österreich wurde er nicht glücklich. Trotz eines Stammplatzes und des Gewinns des Meistertitels wollte er zurück nach Deutschland und sich in der Bundesliga beweisen. Sein Transfer zum MSV Duisburg stand jedoch unter keinem guten Stern. Rudi Bommer wusste nicht so recht, was er mit dem eher wenig agilen Tiffert anfangen soll. So recht passte er nicht in die Planungen des Trainers, so dass er in der Abstiegssaison 2007/2008 keinen bleibenden Eindruck hinterlassen konnte. Erst als Neururer 2008 die Duisburger übernahm, wurde er zum Stammspieler. Er sah in Tiffert einen Mann für die Standardsituationen, ein zentraler Bestandteil der Neururer’schen Strategie. So wurde er unter dem neuen Coach zu einem wichtigen Stammspieler, auch in den darauf folgenden Jahren behielt er die Position in der Startelf – bei einem Zweitligisten, der seine besten Jahre hinter sich hatte, wohlgemerkt.

Der Transfer zum 1. FC Kaiserslautern kam daher recht überraschend. Die frisch aufgestiegenen Lauterer mussten bei Neuverpflichtungen kleine Brötchen backen. Kurz erkannte jedoch das Potenzial des ehemaligen Talentes und stellte ihn als zentralen Mittelfeldspieler auf. Auf dieser Position, auf der er bereits in den Vorjahren ab und an aushalf, kommen die Stärken von Tiffert besser zur Geltung als auf dem Flügel: Er ist technisch sehr beschlagen, besonders seine Flanken und Pässe sind punktgenau. Zudem ist er ein guter Zweikämpfer, der mit seiner physischen Stärke im Mittelfeld auch Bälle erobern kann. Im Lauterer Kontersystem wurde er zur zentralen Stelle im Spielaufbau, er konnte das Spiel schnell in die Spitze weiterleiten. Auch ging er oft auf die Außen, um von dort Flanken in die Mitte zu schlagen.

Tiffert fühlte sich sichtlich wohl in seiner neuen Rolle und wurde schnell zum Leistungsträger und Publikumsliebling. In dieser Saison konnte er zwar noch nicht ganz an die tolle Scorer-Statistik des Vorjahres anknüpfen, aber das hat auch externe Gründe. Im Sturm fehlt seit dem Abgang von Lakic ein Abnehmer für seine präzisen Flanken und Standards, und durch die zahlreichen Ausfälle muss er nun öfters mal im offensiven Mittelfeld oder auf dem Flügel ran. Dennoch ist er immer noch ein wichtiger Teil der Mannschaft. Auch sein Auftreten außerhalb des Platzes zeigt dieses neue Selbstbewusstsein: Als Kapitän stellt er sich den Fragen vor den Journalisten, nimmt die Mannschaft in Schutz oder fordert auch schon mal taktische Umstellungen. Tiffert ist mit auf und außerhalb des Platzes in den letzten Jahren gewachsen.

Sein Werdegang vom ewigen Talent zum Leistungsträger seines Teams könnte als Prototyp für viele Nachwuchsspieler dienen. Obwohl er mit zahlreichen Rückschlägen zu kämpfen hatte, gab Tiffert nie auf, lernte aus Fehlern und arbeitete sich seinen Weg zurück in die Bundesliga. Noch heute wird er in den Berichten der Zeitungen und TV-Sender gerne übersehen. Ihm sei das egal, betont er immer wieder. Er selber könne seine Leistungen am besten einschätzen. Fußball sei schließlich nicht alles, fügt er mittlerweile gerne hinzu. Eine gesunde Attitüde eines merklich gereiften Fußballers.

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