Manchester City – Arsenal 1:0

Mit Arsenal und Manchester City trafen wohl zwei der drei besten Premier-League-Mannschaften der letzten Wochen aufeinander. Arsenal hatte bereits seit längerer Zeit wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden, sieben Siege und ein Unentschieden aus den letzten acht Ligaspielen sprachen Bände. Manchester City hingegen hatte zwar seine erste Niederlage einstecken müssen, lag aber noch auf Platz eins in der Tabelle mit 38 Punkten und 49 Toren – eine beeindruckende Statistik. Deswegen war man zwar Favorit im eigenen Stadion gegen die Mannschaft aus London, doch es war jedem bewusst, dass hier keine einfache Aufgabe wartete.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen zu Beginn

Die Gäste traten mit ihrem klassischen 4-3-3-System an, in welchem Mertesacker und Koscielny die Viererkette bildeten, während auf den Außenbahnen ebenso zwei nominelle Innenverteidiger auftraten. Mit Mertesacker und Koscielny im Zentrum hatte man unterschiedliche Spielertypen, der eine war der dynamische Koscielny, der bereits Leo Messi aus dem Spiel genommen hatte und sich nun vorrangig um Agüero kümmern, während der bullige Mertesacker die Lufthoheit behaupten und gegen den robusten Balotelli agieren sollte. Einerseits aus Verletzungsgründen, andererseits durchaus auch wegen des Gegners traten auf den Außenverteidigerpositionen Djorou rechts und Vermaelen links an. Da man aufgrund der fluiden Viererreihe der Citizens ohnehin nur sehr vorsichtig agierenden Außenverteidigern auftreten kann, welches sich sporadisch mit nach vorne einschalten, war diese Wahl eine gute. Durch diese zweikampfstarken Spieler auf den Außen konnte man desweiteren immer flexibel auf die Diagonalläufe ins Zentrum von Nasri und Silva reagieren, enger zusammenrücken oder die gegnerischen Außenverteidiger abfangen.  Vor diese stark defensivgeprägten Viererkette traten drei Mittelfeldspieler in einer klassischen Aufgabenverteilung an. Ramsey kümmerte sich als höchster der drei Akteure um die Spielgestaltung im letzten Drittel, Arteta tat dasselbe etwas tiefer, während Song der destruktive Sechser und einfache Ballverteiler vor der Abwehr war. Dennoch ist natürlich nicht zu verkennen, dass alle drei Spieler mehr sind als nur Spezialisten für ihre jeweiligen Rollen, Ramsey kann sehr wohl auch auf der nominellen Acht spielen, Arteta wäre sowohl auf den Flügeln als auch hinter der Spitze nur wenig schwächer. Ein weiterer Punkt dieser drei Spieler ist ihre Defensivarbeit, sie übernahmen das Verschieben als Block sowie als einzelne sowohl horizontal, um die Löcher zu schließen, als auch vertikal, um Druck auszuüben.  Vor ihnen im Sturm traten Walcott als klassischer Winger auf der rechten Außenbahn, Gervinho als komplettem Flügelstürmer links und Van Persie im Sturmzentrum an. Der Niederländer zeigt sich in Topform, mit zwanzig Scorerpunkten in fünfzehn Ligaspielen ist er Arsenals Lebensversicherung, an seine Mischung aus körperlicher und technischer Stärke kommt zurzeit kaum ein Spieler auf diesem Planeten an.

Van Persies Gegenstück bei Manchester City zu finden, ist keine schwere Aufgabe, es stechen einem sofort Balotelli und Dzeko ins Auge, wobei letzterer abermals auf der Bank Platz nehmen musste. Balotelli ist ebenso ein kompletter Stürmer, der im Sturmzentrum sehr torgefährlich ist, aber auch über die Außenbahnen kommen kann. Mit Agüero und Balotelli hat sich ein sehr flexibles Sturmduo gefunden, letzterer weicht öfters auf die Flügel aus, während Agüero zwischen einem zentralen Mittelfeldspieler, einer hängenden Spitze und gar einem klassischen Mittelstürmer pendelt. Mit Nasri und Silva spielen zwei unterschiedliche Typen von Spielgestaltern im zweiten Drittel, nominell auf dem Flügel, doch sie variieren stark. Ob vor der Abwehr, hintern den Stürmern, zentral oder auf dem Flügel – beide sind überall zu finden, wobei Silva natürlich der präsentere ist. Abgesichert werden diese enormen Freiheiten von der körperlich sehr starken Doppelsechs, bestehend aus Gareth Barry und Yaya Toure. Beide Spieler gewinnen viele Zweikämpfe und verrichten viel Laufarbeit, ohne Clichy und mit einem vorsichtiger agierenden Micah Richards hatten sie einige Male viel Raum auf den Flügeln in ihrem Verantwortungsbereich, was ihre Offensivausflügel etwas einschränkte. Kompany und Kolo Toure sicherten das Zentrum zwar dennoch sehr gut, aber gegen Arsenals individuelle Klasse musste das System auf etwas defensivere Außenverteidiger umgestellt werden.

Arsenals Viererkette – Auswirkung auf die eigenen Flügelstürmer

Durch die tiefe schematische Position der Außenverteidiger Arsenals ergab sich ein Problem für die Flügelstürmer Arsenals, da eine offensive Pärchenbildung im letzten Spielfelddrittel kaum möglich war. Überlaufen und ähnliche taktische Mittel wurden kaum praktiziert, Richards und Zabaleta konnten sich auf ihre defensiven Aufgaben gegen einen Gegenspieler konzentrieren und taten dies sehr gut, indem sie insbesondere Gervinho schlicht nach außen zu drängen versuchten.

Man versuchte den dribbelstarken Außenstürmer von seinen Mitspielern abzugrenzen, was gut klappte. Es gab kaum Schüsse über die Außen, doch bei erfolgreichen Dribblings – oder Sprints, im Falle Walcotts – musste der Ball ins Sturmzentrum oder in den Rücken der Abwehr gespielt werden, qualitative Chancen für die Außenstürmer waren Mangelware. Deswegen orientierte sich van Persie verstärkt nach links, er versuchte Gervinho zu unterstützten, da er sich vom spielstärkeren der beiden Flügel mehr Zuarbeit erwartete. Ramsey im Hintergrund hoffte auf Bälle in den Rücken der Abwehr, doch diese kamen unpräzise, wenn überhaupt. Es war wenig verwunderlich, dass deswegen Arshavin ins Spiel kam.

Arsenals Viererkette – Auswirkung auf die gegnerischen Flügelstürmer

Mit vier stark defensivorientierten Abwehrspielern in der Viererkette konnte man zumindest teilweise Manchester Citys Mittelfeld neutralisieren. Das Anrennen der Schnittstellen, tödliche Pässe und der Effekt von Silva und Nasris Positionswechsel wurde eingeschränkt, da die Viererkette bei Rochaden der beiden gegnerischen Flügelstürmer ins Zentrum schlichtweg näher aneinander rücken und so die Schnittstellen verringern konnte.

Balotellis Ausflüge auf die Außen warfen zwar ebenso wie die gegnerischen Außenverteidiger gewisse Fragen auf, doch die Viererkette blieb dann zumeist etwas breiter und die eigenen Flügelstürmer wie auch Mittelfeldspieler schlossen sich tiefer und stärker der Defensivarbeit an. Das Spiel war somit in mehrere Phasen geteilt, es ging hin und her, beide Teams agierten mit Pressing und obwohl die Spieler technisch im Kollektiv zu den besten im Lande gehören, unterliefen ihnen aufgrund der taktischen Ausrichtung viele spielerische Fehler.

Fazit – und das Mittelfeldduell

Viel Bewegung, viele Pässe, viele technische Fehler. Obwohl beide Seiten einige Chancen hatten, veränderte sich am Spielstand nach dem Treffer Silvas allerdings nur wenig. Einige grobe Fahrlässigkeiten, insbesondere im zweiten Drittel, sorgten dafür, dass das Kombinationsspiel beider Mannschaften hin und wieder unnötig stockte. Somit war es keinesfalls überraschend, dass Manchester City auch nach der Führung nicht gänzlich souverän agierte und kein weiteres Tor nachlegen konnte. In einem Spiel, welches mehr Tore verdient hätte, war ein weiterer Punkt von Bedeutung: der Sieg des 4-4-2/4-4-1-1-Mischsystems gegen Arsenals 4-3-3. Einige Male fiel es stark auf, dass City numerisch unterlegen war und deshalb einige Pässe abgefangen wurden, die gegen andere Teams mitverantwortlich für die notorische Chancenüberlegenheit der Citizens waren, aber man konnte das Spiel dennoch für sich entscheiden. Statistisch gesehen war dies aber ein Paradebeispiel, wo die Vorteile des 4-3-3 liegen – und dass man es mit etwas Glück, mit den besseren Individualisten und einer guten Feinadjustierung der Taktik bezwingen kann.

Puls 20. Dezember 2011 um 16:22

Gute Analyse mal wieder.
Hab das Spiel selbst gesehen und mich teilweise echt gewundert, wie viele Fehler gemacht wurden. Tatsächlich haben sich beide Mannschaften, besonders in der ersten Halbzeit, taktisch mehr oder minder neutralisiert und wussten nicht so recht, wie sie das System der jeweils anderen Mannschaft schlagen können. Nach dem frühen Tor in der zweiten Halbzeit von City musste Arsenal dann etwas mehr riskieren, was dem Spiel sehr gut tat und die taktischen Ausrichtungen und Strukturen ein wenig aufgelockert hat, es gab deutlich mehr Chancen für beide Mannschaften.
Wie du geschrieben hast, das Spiel hätte mehr Tore verdient gehabt, besonders in der zweiten Halbzeit war es ein klasse Spiel.

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