Adventskalender, Türchen 14: Claudio Marchisio

Unter Juventus-Fans mausert er sich schon langsam zu einem modernen Helden, für viele war er schon früher der defensiver spielende Erbe von Alessandro Del Piero. Für die etwas älteren Semester und so manchen eifrigen ehemaligen Fußballer als Journalisten bereits der neue Marco Tardelli, Juventus legendärer Mittelfeldspieler aus den glorreichen 80er-Jahren.

Die Rede ist von Claudio Marchisio, dessen Spitzname wohl auch deswegen der „kleine Prinz“ („il principino“) lautet und der als das Turiner Äquivalent zum Römer Daniele de Rossi gesehen wird. Hier in Deutschland ist Claudio Marchisio deutlich weniger Menschen bekannt und sogar in ganz Europa sind es oftmals nur die begeisterten Fußball- und Serie-A-Fans, die um die hohen Qualitäten des defensiven Mittelfeldspielers wissen. Doch dieses Jahr scheint der (mediale) Durchbruch zu kommen und man darf sagen: endlich.

Bereits als kleiner Junge war er im schwarz-weißen Trikot der alten Dame unterwegs, er ist wahrhaftig ein Produkt der Turiner Nachwuchsschule und passenderweise agierte er in jüngeren Jahren als „trequartista“ – der Position del Pieros, meist hinter den Spitzen oder als hängender Stürmer, doch eigentlich eine Art offensive Freirolle, welche in Italien bereits von Roberto Baggio und Francesco Totti gespielt wurde und so hoch angesehen ist, wie in Deutschland „der Zehner“.

Im Alter von 16 Jahren rückte er dann weiter nach hinten, spielte dann teilweise auf dem rechten Flügel oder aber im defensiven Zentrum, von wo er seine Athletik, Spielübersicht und seine Allroundfähigkeiten am besten einbringen kann. Der Abstieg Juves im Zuge von „Calciopoli“ war neben dem Trainer Didier Deschamps wohl ein Gottesgeschenk für den kleinen Prinzen, er erhielt in der Serie B seine Chance, debütierte im Jahr 2006 im Alter von 20 Jahren und wurde bald zu einem der vielversprechendsten jungen Spieler Italiens. Er avancierte zum Stammspieler und war maßgeblich mitverantwortlich für den sofortigen Wiederaufstieg in Italiens höchste Spielklasse, debütierte sogar in der U20-Nationalmannschaft und spielte in der nächsten Saison auch in der U21-Nationalmannschaft als Stammspieler – für die Serie A bei der alten Dame sollte es dennoch nicht reichen, trotz seiner Verdienste in der Vorsaison verlieh man das junge Eigengewächs für ein Jahr nach Empoli, zusammen mit dem (angeblich) noch talentierteren Giovinco. Man traute den beiden nicht zu, sich gegen die Neuzugänge (auf Marchisios Position kamen Almiron und Tiago) durchzusetzen. Giovinco hatte schließlich die bessere Saison, Stammspieler waren aber beide und konnten dennoch Empolis Abstieg nicht verändern, Namensvetter Claudio Ranieri holte sie dann zu Juventus zurück, wo Marchisio wieder gern gesehener Gast in der Stammelf war.

Es folgte eine gute Saison (2008/09), die mit ein paar kleineren Verletzungen und Interesse anderer Teams endete, doch er wurde für unverkäuflich erklärt und durfte sogar in der italienischen Nationalmannschaft debütieren. Anschließend folgte abermals eine gute Saison (2009/10), wenn auch keine überragende – Juventus endete sogar nur auf einem Platz zur EL-Qualifikation, zu wenig für einen Verein mit solcher Tradition und es waren einige Trainer, die in dieser Saison den Kopf dafür lassen mussten.

Nach einer schlechten WM übernahm Delneri die alte Dame und Marchisio spielte abermals eine gute Saison (2010/11), aber keine überragende. Es schien fast so, als würde Italiens Mittelfeldhoffnung stagnieren, er erinnerte fast an den Bayer Bastian Schweinsteiger: immer gut, immer konstant, aber nie durchgehend stark und wenn, dann wurde dies von einer schlechten Mannschaftsform oder eigenen Verletzungen kaschiert beziehungsweise unterbrochen. Diese Saison zeigt sich aber Marchisio stärker denn je, trotz Neueinkäufen wie dem ehemaligen Leverkusener Arturo Vidal und Andrea Pirlo: bereits sechs Tore erzielte er in zwölf Einsätzen in der Serie A. Pirlo übernimmt die Rolle des Taktgebers von der Sechs aus und entweder Marchisio alleine oder im Verbund mit Vidal auf der Doppelacht sorgen als omnipräsente box-to-box-midfielder für viel Aufregung im gegnerischen Strafraum, ohne die Defensivarbeit zu vergessen.

Der kleine Prinz wird langsam zum König und ist in aller Munde. Seine technische Stärke, seine Spielintelligenz und Fähigkeiten in beiden Bereichen, Offensive wie Defensive, welche er auch seiner hervorragenden Fitness zu verdanken hat, sorgen für einen der interessantesten Spieler der Saison – nicht nur in Italien, in ganz Europa. Marchisio ist einer der Senkrechtstarter und lebt den extrem hohen Erwartungen nun auf, seine Fähigkeiten könnten ihn bald zu einem Weltklassespieler auf seiner Position machen. Auch dank seiner neu gewonnenen Torgefährlichkeit:

Ian 15. Dezember 2011 um 14:19

Sehr gute Saison von ihm, generell hat Juve dieses Jahr ein super MF.

DM ist aber in der Tat nicht richtig, Pirlo ist der tiefste MF Marchisio und Vidal spielen eher ZM, die sich in den Angriff mit einschalten.

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Andy K 14. Dezember 2011 um 13:48

Freut mich, dass ihr euch mit Marchisio befasst habt. Er ist einer meiner Lieblingsspieler bei Juve und es wird Zeit, dass er die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient.

Allerdings störe ich mich an der Bezeichnung „defensiver Mittelfeldspieler“. So häufig, wie man ihn in der gegnerischen Hälfte findet und bei seinen Scorer-Qualitäten ist eher ein echter Allrounder im Mittelfeld.

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