1. FC Köln – SC Freiburg 4:0

Der 1. FC Köln präsentiert sich beim 4:0-Sieg gegen den SC Freiburg eiskalt. Zwei individuelle Fehler der inspirationslos spielenden Freiburger bringen die Geißböcke auf die Siegerstraße.

Freiburgs Trainer Marcus Sorg hat keine besinnliche Vorweihnachtszeit: Trotz teilweise guter Leistungen steht sein Team unter akutem Druck im Abstiegskampf. So gab er vor dem Spiel die Devise aus, mindestens drei Punkte sollen aus den letzten zwei Partien vor der Winterpause her. Um dies möglichst schon in Köln zu verwirklichen, setzte er auf eine 4-1-4-1 Formation, die flexibel angepasst wurde. Zu Beginn des Spiels wollte Freiburg jedoch kein Risiko eingehen, in die schnellen Konter der Kölner zu laufen, und verzichtete deshalb auf ein aggressives Angriffspressing. Kein Wunder, dass die Freiburger Angst vor schnellen Gegenstößen hatten, immerhin ist Köln neben Schalke das Team mit den meisten Treffern nach Kontern.

Erster Fehler, erstes Tor

Das Spiel fing daher auch eher gemütlich an. Die Kölner waren ebenfalls nicht gewillt, risikoreich nach zu spielen. Ein schneller Spielaufbau wurde durch die enge Ordnung der Freiburger in der Mittelfeldzentrale unterbunden. Dies traf Kölns Angriffsbemühungen, da auch Clemens und Peszko immer wieder in die Mitte zogen. Bei ihren wenigen Angriffen über die Flanken war es Podolski, der sich dort anbot oder den Gegner unter Druck setzte. So hatte er die größte Chance, als er aus rund 30 Metern die Latte des Tores traf, welches Baumann zuvor für eine Klärungsaktion verließ (2.).

Nach einer abtastenden Anfangsphase war es der erste Freiburger Fehler, der die Führung für die Hausherren bedeutete: Eine versprungene Annahme Rosenthals nutzte Riether zum schnellen Gegenstoß. Sein geistesgegenwärtiger Antritt und sein intelligenter Pass nach Rechtsaußen zu Podolski leiteten den Treffer durch Clemens ein (20.). Hier zeigte sich die neue Stärke, die der FC unter Solbakken gewonnen hat: Nur einmal in 20 Minuten waren die Breisgauer zu offensiv aufgerückt, und prompt nutzten Podolski und Co. dies aus.

Im Zuge dieses Rückstandes wurde Freiburg aggressiver. Makiadi, Rosenthal und Putsila rückten nun weiter auf, so dass in vielen Situationen ein 4-2-3-1 entstand. Dadurch dass die Außenstürmer oft und gerne in die Mitte zogen, liefen die meisten ihrer Angriffe durch die Zentrale. Diese schloss Köln allerdings geschickt, in dem Jajalo sich in die eigene Hälfte zurückfallen ließ. Sobald Lanig oder Riether sich aus der eigenen Raumdeckung lösten, rückte Jajalo mit ein. Köln hatte mit ihrer Verteidigungsstrategie, die auf die Sicherung des Raumes und das Schließen der Passwege ausgelegt ist, die Zentrale fest im Griff, gute Angriffe durch diese Zone gab es nur wenige von den Breisgauern.

Räume auf Außen nicht optimal genutzt

Obwohl die Kölner diszipliniert verteidigten, war überraschend zu sehen, wie tief sie standen. Solbakkens Philosophie zum Saisonbeginn beinhielt eigentlich, dass die Mannschaft hoch aufrücken und so den Raum für den Gegner verengen sollte. In dieser Partie ließen sie sich mit ihrer Ordnung jedoch sehr schnell fallen, oft standen sie nur fünf bis zehn Meter vor dem eigenen Strafraum.

Dies bot den Freiburgern die Möglichkeit, auf den nicht ganz so stark bewachten Außen an die Grundlinie zu ziehen. Während sie noch in der ersten Halbzeit zu oft mit dem Kopf durch die Wand, sprich durch die Mitte, wollten, wurde ihr Spiel nach der Pause variabler. Nun schalteten sich Schmid und speziell Bastians unentwegt in das Offensivspiel ein. Mit zusammengenommen elf Flanken brachten die beiden viele hohe Bälle in den gegnerischen Strafraum. Manches Mal wäre aber mehr Unterstützung durch die Mittelfeldspieler für die Beiden wünschenswert gewesen. Stattdessen ließ sich Cisse oft auf die Außen fallen. Der Stürmerstar brachte dadurch zwar einige gefährliche Flanken in den Sechzehner (so auch in der 55. Minute, als Bastians die wohl größte Möglichkeit vergab), allerdings fehlte er als kopfballstarker Abnehmer vor dem Tor.

Das Freiburger Spiel krankte auch an der unauffälligen Leistung ihres Mittelfeldstrategen Schusters. Der Akteur mit den insgesamt meisten Ballkontakten aller Bundesligaspieler war auch an diesem Tag wieder Ausgangspunkt zahlreicher Angriffe. Allerdings agierte er in vielen Situationen ungewohnt uninspiriert. An guten Tagen ist man von ihm raumöffnende Diagonal- und Vertikalpässe gewohnt, heute gab es diese von ihm selten bis gar nicht zu sehen. Daran waren auch seine Vorderleute mitbeteiligt. Zeitweise standen sich die stets in die Mitte ziehenden Außenstürmer auf den Füßen, wirkliche Anspielstationen in der Tiefe oder weit vorne auf den Flügeln gab es nicht. Zu oft konnte Schuster keinen anderen Weg als den zu seinen Außenverteidigern wählen. So gab es beim Abstiegskandidaten keine unerwarteten oder überraschenden Angriffsaktionen, was das Leben für Kölns Verteidiger erleichterte.

Zweiter Fehler besiegelt die Niederlage

Gerade als Freiburg kurz vor der 60. Minute ein klares Ballbesitzplus hatte und besser über die Außen ins Spiel kam, gelang Köln der zweite Treffer. Erneut war es ein individueller Fehler eines Freiburgers, der einen schnellen Konter zur Folge hatte: Krmas Fehlpass in die Füße von Lanig startete einen schnellen Konter, an dessen Ende Podolski das 2:0 erzielte (61.). Dies war nicht der erste schnelle Angriff nach dem Führungstor, und doch war keiner der anderen Konter so gut zu Ende gespielt wie dieser.

Auffällig bei allen schnellen Gegenstößen waren die flexiblen Rollen von Peszko und Clemens. Diese zogen mal in die Mitte, mal auf die Außen, sorgten aber auf jeden Fall für die richtigen Raumgewinne zur richtigen Zeit. Sie erkannten stets, ob gerade die aufgerückten Außenverteidiger Raum hinterließen oder ob in der Mitte eine Lücke zu finden war. Auch großartig war die Leistung der beiden Sechser, Lanig und Riether, die mit ihren schnellen Pässen die Gegenstöße erst möglich machten. Zusammen mit dem unglaublich effektiven Podolski boten die Mittelfeldspieler Kölns ein stets gefährliches Angriffsspiel.

Gerade nach dem 0:2 ergaben sich so zahlreiche weitere Kontersituationen für die Hausherren. Die Freiburger wirkten leicht resigniert, was sich besonders an ihrer langsameren Rückwärtsbewegung zeigte. Köln konnte dadurch weitere Treffer kreieren: Der Ecke, die Clemens direkt zum 3:0 verwandelte (65.), ging genauso ein schneller Angriff voraus wie dem 4:0, bei dem Podolski ein Kuddelmuddel im gegnerischen Strafraum ausnutzte (73.). Am Ende brachten auch die Einwechslungen Sorgs nicht mehr, und so konnten die Kölner den Heimsieg nach Hause spielen.

Fazit

Der 1. FC Köln unter Solbakken ist und bleibt ein Phänomen. Das Team mit den mit Abstand wenigsten Torschüssen und –chancen triumphiert abermals zu Hause und hat sich mittlerweile weit von den Abstiegsrängen entfernt. Durch ihren schnellen, schnörkellosen Konterfußball, bei dem sie geschickt gleichzeitig Räume überladen und das Spiel in die Breite ziehen, kreieren sie hochkarätige Torchancen, die Goalgetter Podolski eiskalt ausnutzt. So ist die vergleichsweise geringe Anzahl an Möglichkeiten kein Problem für die Geißböcke – sie setzen auf Qualität statt Quantität vor dem gegnerischen Tor. Solange sie so effizient und defensiv stabil sind wie heute, geht dieser Plan gut auf.

Der SC Freiburg steckt hingegen in tiefsten Nöten. Als jetzt Tabellenletzter müssen sie nächste Woche bei Borussia Dortmund antreten, welche aufgrund der möglichen Herbstmeisterschaft hochmotiviert sein werden. Zu allem Überfluss kassierte Schuster die fünfte gelbe Karte und wird bei dieser harten Aufgabe fehlen. Auch wenn der kreativarme Auftritt in der Domstadt nicht ihre beste Saisonleistung war, fällt die Niederlage zu hoch aus. In den ersten 60 Minuten spielten sie defensiv solide. Nur zweimal machten sie individuelle Fehler, was die Kölner zu einer 2:0-Führung ausnutzten. Danach machten sie hinten auf und luden ihre Gegner zu zwei weiteren Treffern ein. In den nächsten Spielen sollten sie sich um eine flexiblere und kreativere Spielanlage bemühen. Doch noch ist nicht aller Tage Abend, und Sorgs Mannschaft hat trotz individueller Schwächen das taktische Potenzial, um die Klasse zu halten.

asinator 13. Dezember 2011 um 12:35

Mir fehlt in der Analyse der Hinweis, dass Köln bewußt die Passwege auf die Außen der Freiburger nicht verstellte. Das führte, wie im Text erwähnt, zu einigen Flanken, die allerdings durch die gut stehende Innenverteidigung in der Luft geklärt wurden.

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