Adventskalender, Türchen 4: Tomas Rincón

Am vierten Dezember wirft Spielverlagerung.de im Zuge seines Adventskalender-Specials einen Blick auf einen der unbesungenen Leistungsträger des Hamburger SV: Tomas Rincón.

Noch vor zwei Monaten wäre ein Artikel über Tomas Rincón als „unbesungener Held“ beim HSV höchstens müde belächelt worden. Die Leistungen, die den Venezolaner im Juli den Titel als „bester Spieler“ der diesjährigen Copa América brachten, konnte er im Vereinsdress nicht bestätigen. Die HSV-Fans spöttelten schon, dass es einen Zwillingsbruder von Rincón geben müsse, der diesen bei der Südamerikameisterschaft vertrat. Zwar kam Rincón unter Oenning regelmäßig zum Einsatz, doch konnte er nie so recht hervorstechen. Mal dümpelte er auf den Außenbahnen herum, in anderen Partien durfte er wieder auf der Doppelsechs ran und manchmal nahm er nur auf der Bank Platz – Kontinuität sieht anders aus. Auch musste er sich unter Oenning durch seine schematisch hohe Position in engen Mittelfeldduellen aufreiben, was nicht unbedingt die Stärke des wenig dynamischen Südamerikaners ist.

Es bedurfte eines Trainerwechsels, um seine Stärken besser zur Geltung zu bringen. Der neue Trainer Thorsten Fink änderte die Taktik und sah Rincón als einen wesentlichen Pfeiler seiner neuen Ausrichtung. Um im Mittelfeld mehr Anspielstationen zu haben, stoßen die offensiv ausgerichteten Außenverteidiger oft nach vorne. Um sich hinten nicht zu entblößen, rückt Rincón in diesen Situationen zwischen die Innenverteidiger, wodurch aus der Vierer- eine Dreierkette wird.

In dieser schematisch tieferen Rolle kann er sein starkes Passspiel besser ausspielen und seine Schwächen unter gegnerischem Druck kaschieren. In seiner Rolle als „moderner Libero“ wurde er zum tiefliegenden Spielgestalter der Hamburger. Dadurch, dass er nun die Bälle aus der eigenen Hälfte verteilt, ist er abgeschirmt von den Attacken der gegnerischen Sechser. Hier hat er die Zeit am Ball, die er benötigt, um seine starken Diagonalbälle auf die Außen oder Vertikalpässe in die Spitze zu spielen. Dies machte ihn schon bei der Copa América so stark. Beim HSV kann er nun mit seinen strategischen Fähigkeiten glänzen. Sein gutes Gespür, wann er das Spiel schnell machen und wann er es beruhigen sollte, haben dafür gesorgt, dass der HSV in den letzten Partien dominanter auftrat als am Saisonanfang. Auch in der Defensive agiert er stärker, da er den direkten Zweikampf weniger gut beherrscht als das Zustellen der Passwege.

In der Bundesliga wurde Rincón so zum wesentlichen Pfeiler im Spielaufbau der Hamburger. Bei drei von fünf Einsätzen unter Fink war er der HSV-Spieler mit den meisten Ballkontakten, mit 76,4 Ballberührungen pro Spiel ist er in dieser Statistik auf dem Weg in die Top 10 Liste aller Bundesligaspieler. Zudem verbesserte sich seine Passgenauigkeit auf 86,74%, ein sehr guter Wert. In den letzten Spielen war zudem zu erkennen, dass er sich in dieser Rolle mit Kacar abwechselt, was das Aufbauspiel der Hamburger noch ein Stück unberechenbarer macht. Zudem kann Rincon sich partiell mit Vorstößen einschreiten, gerade im Nationaldress hatte er bereits mehrere Male um den gegnerischen Strafraum mit seinen Qualitäten für Gefahr sorgen können.

Auch wenn Rincón noch immer an seiner mangelnden Spritzigkeit und seiner Handlungsschnelligkeit arbeiten muss, werden diese Schwächen in seiner neuen Position gut kaschiert. Im Gegensatz zu seinem Spiel als Teil einer klassischen Doppelsechs hat Rincón sich stark verbessert. Sein neu gewonnenes Selbstvertrauen ist ein gutes Beispiel dafür, was ein Trainer- und Strategiewechsel alles ausmachen kann. So ist der Venezolaner zum stillen Leistungsträger beim Bundesliga-Dino geworden. Die spektakulären Dribblings und Tricks mögen andere vollführen, doch für das Grundgerüst des HSV ist Rincón mittlerweile unverzichtbar geworden.

nat 4. Dezember 2011 um 18:34

Ja genau, macht mal das HSV-Nürnberg Spiel bitte! 😉

Hab nur kurz in der ersten Haöbzeit reinschauen können und es sah da so aus, als wäre diesmal die Dreierkette eher Kacar – Bruma – Westermann gewesen, also Bruma in der Mitte und Kacar (oder auch Rincon) nach rechts hinten anstatt wie sonst zwischen die IV.
Kann sein, dass ich da nur zufällig eine Ausnahme beobachtet habe, aber für mich sah das in den wenigen Szenen doch geplant, also nach einer neuen Variante aus.

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OM 4. Dezember 2011 um 13:58

den letzten satz des vorletzten abschnitts bitte noch vervollständigen.

hattet ihr die neue ausrichtung des hsv unter fink eigentlich schonmal besprochen? ich habe mich immer gefragt, wie sich das zurückfallen eines der sechser auf den zentralen bereich vor den sechsern auwirkt. ich habe oft das gefühl, dass töre diesen raum bewusst anläuft, während jansen das spiel auf links eher breit macht. theoretisch müsste aogo dann aber etwas weiter zurückbleiben als sein pendant auf rechts. die details hab ich noch nicht so recht austüfteln können, aber vielleicht habt ihr ja bald mal wieder den hsv drin 😉

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