Donnerstag, 24.08.2017

Manchester United – Benfica Lissabon 2:2

Entscheidung für Manchester United vertagt: Während Benfica durch das 2:2 im Old Trafford die K.O. Runde erreichte, benötigt United im letzten Gruppenspiel in Basel mindestens einen Punkt.

Benfica war im richtungsweisenden Duell der Gruppe C von der ersten Minute an voll im Spiel. Ihre 4-3-3 Formation nutzten sie, um viel Druck auf die gegnerischen Innenverteidiger aufzubauen. Rodrigo, Aimar und Gaitan waren an vorderster Front sehr aktiv, tauschten ständig die Positionen und ließen United in der Anfangsphase kaum Luft zum Atmen. Die Manchester bekamen in ihrem 4-4-2 System keinerlei Zugriff auf das Spiel. Die zentralen Mittelfeldspieler Carrick und Fletcher wurden isoliert und bekamen kaum Bälle. Die frühe Führung war ein Abbild dieser Sturm- und Drangphase der Portugiesen: Mit wenigen, schnellen Flachpässen kombinierten sich die Gäste um das Pressing der Hausherren, ehe Gaitans Flanke von der halbrechten Seite von Jones unglücklich ins eigene Tor gelenkt wurde (6.).

Erste Halbzeit

Auch nach dem Gegentreffer wirkten die „Red Devils“ fahrig und nervös. Viele ihrer Ballverluste waren schlicht unnötig. Das Passspiel im Mittelfeld funktionierte überhaupt nicht. Viel zu oft suchten sie den Weg durch die Mitte, was gegen die Formation von Benfica aber wenig sinnvoll war. United hatte durch das Einrücken von Bruno Cesar und Witsel auf den Halbpositionen mit drei Gegnern im Zentrum zu kämpfen, bot aber selber mit Carrick und Fletcher nur zwei auf. Young, der eigentlich Rooney als Bindeglied zwischen defensiven und offensiven Mittelfeld ersetzen sollte, war sehr weit vorne postiert – allein in der ersten Halbzeit hatte er fünf Abseitspositionen gesammelt. Diese Unterzahl im Mittelfeld und das aggressive Pressing sorgten dafür, dass Benfica in dieser Zone viele Ballgewinne verbuchen konnten.

Eine bessere Strategie wäre gewesen, über Spielverlagerungen die freie Flanke zu suchen. Gerade auf der gegnerischen linken Außenseite hätten so Räume entstehen können, da Aimar oft in die Mitte zog und Rodrigo in solchen Situationen den freien Raum nicht absicherte. Doch die Außenverteidiger agierten sehr vorsichtig, schufen selten Überzahl – ganz anders als zum Beginn der Saison, als Uniteds Außenverteidiger in der Offensive fast schon zu Außenstürmern wurden. Die wenigen guten Angriffe der Hausherren kamen allesamt über die linke Flanke, von der aus Nani mit seinen Dribblings für ein wenig Wirbel in der starren Offensive sorgte.

Benfica konnte sich dank der Führung und der mangelnden Durchschlagskraft auf ihr Pressing beschränken. Nach vorne spielten sie ohne Risiko, selten waren mehr als die drei Offensivkräfte in der gegnerischen Hälfte zu sehen – kein Wunder, man führt ja nicht alle Tage im Old Trafford. Negativ fielen jedoch die vielen unnötigen Fouls auf, die sie in der eigenen Hälfte begingen. In einem zerfahrenen Spiel – nach nicht mal einer halben Stunde gab es das 20. Foulspiel – gaben sie United so die Chance, über Standardsituationen zurück ins Spiel zu finden. Berbatov bedankte sich und köpfte den Ausgleichstreffer, nachdem Nani nach einem Freistoß auf der Flanke nicht entschieden genug attackiert wurde. Der Treffer lockerte für kurze Zeit beide Abwehrreihen, doch Young und im Gegenzug Aimar vergaben die größten Möglichkeiten des Spiels (31.). Danach plätscherte das Spiel bis zum Halbzeitpfiff vor sich hin.

Zweite Halbzeit

In der Pause gab Sir Alex Ferguson seinen Mannen offensichtlich mit auf den Weg, das gegnerische Pressing über die Außen zu umgehen. Carrick ließ sich nun tief fallen, um Bälle auf die Außen zu spielen. Von hier schlugen die United-Spieler mehr Flanken, um ihren großen Stürmer Berbatov besser einzusetzen. Die Benfica-Innenverteidiger, nicht gerade die kopfballstärksten Abwehrspieler Europas, hatten große Probleme. Immer mehr wurden die Portugiesen hinten reingedrückt. Nach einigen vergebenen Chancen war es Fletcher, der eine Evra-Flanke im zweiten Versuch einnetzte.

Die Freude währte nicht lange, denn nur eine Minute später glich Aimar aus (60.). Zum ersten Mal in der zweiten Halbzeit pressten die Benfica-Spieler gut. Bruno Cesar eroberte einen Ball weit in der gegnerischen Hälfte, die Flanke konnte Ferdinand nicht rechtzeitig klären. Wie in der ersten Halbzeit waren die United-Spieler nach dem eigenen Treffer nicht sortiert und wurden prompt bestraft.

In der Folge vollzog Benfica-Coach Jesus mit der Einwechslung Matic (68., für Gaitan) den Systemwechsel zum 4-4-2. Bereits zuvor war Gaitan oft auf der Flanke im Mittelfeld zu finden, doch spätestens mit diesem Wechsel waren die Gäste für Angriffe über die Außen wesentlich weniger anfällig. Die physische Präsenz des großen Matic‘ hatte weiterhin den positiven Effekt, dass er im eigenen Sechzehner gegen die United-Angreifer in Kopfballduellen aushelfen konnte. Er war beizeiten als dritter Innenverteidiger zu finden. Zusammen mit dem ebenfalls eingewechselten Vitor (57. für den verletzten Luisao) gewannen sie die Lufthoheit in ihrem eigenen Strafraum. So konnte United, trotz offensiver Wechsel und einer kleinen Schlussoffensive, die Partie nicht mehr drehen.

Fazit

United hatte zu Spielbeginn große Probleme mit der 4-3-3 Formation ihres Gegners. Benfica konnte viel Druck im Zentrum ausüben und hielt das Spiel geschickt von den Flanken fern. Erst nach der Pause wurde ihr Spiel variabler, der Ausgleichstreffer durch Flechter war verdient. Durch eine Aneinanderreihung individueller Fehler konnte Aimar, der seinen Gegnern sehr viele Probleme bereitete, den Ausgleichstreffer erzielen. Am Ende verteidigte Benfica das Ergebnis routiniert, es blieb beim 2:2. United braucht mindestens einen Punkt aus Basel, um weiterzukommen – und selbst dann ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass ein Gruppensieger sich im Achtelfinale über das Los Manchester United freuen darf. Denn die Lissaboner haben nun die große Chance, durch einen Dreier gegen die bisher punktlosen Rumänen Otelul Galati den Gruppensieg perfekt zu machen.

junichi 24. November 2011 um 19:24

Bei allem Respekt: Wer sich so intensiv für Fußball interessiert, sollte wissen, dass Standard mit „d“ am Ende geschrieben wird. Leider eine Krankheit, die in den Fußballforen dieser Republik grassiert, hätte aber nicht gedacht, dieser hier auf spielverlagerung.de zu begegnen.

Nichts für ungut!

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TE 24. November 2011 um 19:28

Danke für den Hinweis. Tut mir Leid, das ist mein „Lieblingsfehler“, der sich leider immer wieder bei mir einschleicht. Ich gelobe Besserung, bitte aber, mir den noch ein- bis zweimal durchgehen zu lassen, ehe ich es endlich richtig im Wortschatz drin habe.

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firedo 23. November 2011 um 11:10

Der Artikel hat mir sehr gut gefallen!
War schön kompakt.
Aber lasst euch ruhig ein bisschen mehr Zeit beim Schreiben.
Die Formulierung „Die Manchester bekamen….“ habe ich so noch nie gehört.
Und das im ersten Absatz drei Sätze in Folge mit dem Wort „Die“ beginnen wirkt ein bisschen schluderig.

Ich finde es einfach schade, wenn durch solche Flüchtigkeitsfehler im Sprachlichen der inhaltlich exzelente Eindruck getrübt wird.

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TE 23. November 2011 um 20:30

Danke für das Lob und die Kritik. Ich werde in Zukunft etwas besser auf meine Satzanfänge achten – kann es ja selber nicht leiden, wenn ein Text monoton zu lesen ist. Vielen Dank dafür.

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