Hamburger SV – 1899 Hoffenheim 2:0

Der Hamburger SV kann unter Fink seinen ersten Sieg feiern und besiegt 1899 Hoffenheim mit 2:0.

Die Partie Hoffenheim gegen den Hamburger SV klang schon im Vorfeld nach einer interessanten Paarung. Beide Mannschaften spielen mit sehr modernen Formationen. Fink hat den Hamburgern ein 4-4-2 eingetrichtert, dass in der Offensive durch das Zurückfallen einer der zentralen Mittelfeldspieler zum 3-5-2 wird. Noch schwerer fällt das Beziffern der Formation bei den Hoffenheimern: Flexibel wechselt Stanislawskis Mannschaft zwischen 4-4-2 und 4-2-3-1, in der Offensive ist durch das starke Aufrücken der Außenverteidiger manchmal sogar ein 4-2-4 zu erkennen. In diesen Situationen sichern die zentralen Mittelfeldspieler die Positionen in der Abwehr ab.

Systeme im Praxistest

Das neue System Hamburgs reflektiert das Umdenken unter dem neuen Coach: Offensiver wollen sie auftreten, dominanter und unberechenbarer werden. Von Beginn weg hatten sie mit dieser Philosophie ein leichtes Ballbesitzplus, die Hoffenheimer konzentrierten sich zunächst auf die Defensive. Auffällig bei beiden Teams waren die weit aufgerückten Abwehrreihen, durch die der effektiv bespielte Raum sehr klein wurde. Die Hoffenheimer standen zunächst etwas tiefer als ihre Gegner, rückten nach einer ereignislosen Anfangsviertelstunde weiter hinaus, so dass beide Mannschaften ein interessantes Angriffspressing spielten.

In der Folge hatten beide Mannschaften damit zu kämpfen, dass das Mittelfeld sehr geschlossen war. Die Teams egalisierten sich. Es waren die Hamburger, die in der Folge mit langen Bällen hinter die gegnerische Verteidigung das enge Mittelfeld umspielen wollten. Mit einem dieser Bälle konnten sie mit 1:0 in Führung gehen – Guerrero netzte ein, nachdem er sich gut durchtankte und im ersten Versuch nur den Pfosten traf (25.). Für Hoffenheim fällt dieser Treffer in eine Reihe unnötiger Gegentore, die eher durch individuelle Fehler als durch gruppentaktische Defizite zu erklären sind. Diesmal waren es die Innenverteidiger, die gegen den Hamburger Stürmer nicht gut aussahen.

Wenige Minuten nach dem Gegentor gab es eine weitere schlechte Nachricht für die Hoffenheimer: Braafheid musste verletzt runter (30.). Mlapa kam und übernahm die linke Außenstürmerposition, wodurch Salihovic nach rechts und Johnson auf die Linksverteidigerposition rückte. Dies unterstreicht, wie flexibel einsetzbar die Hoffenheimer sind. Doch auch diese etwas offensivere Aufstellung brachte den Gästen keine Torchancen. Zwar war ihre Spielanlage aus der Zentrale heraus konstruktiver als bei den Gastgebern (gerade Kacar fiel hier ab), im letzten Drittel kamen aber zu wenige Pässe an. Sie kamen nur viermal in 45 Minuten in den gegnerischen Sechzehner.

Zweite Halbzeit

Nach der Pause änderte sich wenig am Verlauf des Spiels: Die Spieler rieben sich weiterhin im Mittelfeld auf, wo es zu fast allen Zweikämpfe kam. Durch das aggressive Stören beider Teams gab es wenig Spielfluss. Doch wieder waren es die Hamburger, die aus dieser engen Phase mit einem Tor hervorgingen: Jansen konnte fast unbehelligt von den gegnerischen Verteidigern den Ball im Tor unterbringen. Schon wieder waren die Hoffenheimer über ihr inkonsequentes Zweikampfverhalten gestolpert. Auch Torwart Starke sah bei diesem Gegentreffer nicht souverän aus.

Stanislawski brachte daraufhin mit Firmino (68. für Rudy) eine weitere Offensivkraft. Er übernahm die Position im offensiven Mittelfeld, auf der zuvor Babel wenig Bindung zum Spiel hatte. Dieser Wechsel plus die freiere Rolle Salihovic‘ im defensiven Mittelfeld läutete die stärkste Phase der Hoffenheimer ein. Sie profitierten auch davon, dass die Hamburger in den letzten fünfzehn Minuten mit Konditionsproblemen zu kämpfen hatten – ein Defizit, das an dieser Stelle seit dem Beginn der Saison angeprangert wird und wohl auf eine schlechte Vorbereitung schließen lässt. Kurz vor Schluss entwickelte sich daher ein torchancenreiches Spiel auf beiden Seiten, da auch die Hamburger gegen die offensiv agierenden Kraichgauer Lücken zum Kontern fanden. Doch keines der Teams konnte eine ihrer zahlreichen Chancen nutzen. So blieb es beim 2:0.

Fazit

Trainer Thorsten Fink darf mit dem HSV seinen ersten Sieg feiern. Seine 4-4-2 / 3-5-2 Hybridtaktik und das offensivere Pressing taten dem Bundesliga-Dino bereits in den letzten Spielen sehr gut. Gegen Hoffenheim zeigten sie erneut eine gute Leistung, allerdings gab es diesmal recht wenig Impulse von den zentralen Mittelfeldspielern. Positiv heraus stachen erneut die beiden Außenstürmer Jansen und Töre, die zwar nicht viele gelungene Aktionen  mit dem Ball hatten, durch ihre Laufarbeit aber unermüdlich Räume schufen. Auch Sturmspitze Berg war ein Lichtblick und mit 11,21 km mehr unterwegs als all seine Kollegen. Am Ende müssen sie sich aber bei Drobny bedanken, der in der traditionell schwachen Schlussviertelstunde den Sieg festhielt.

Holger Stanislawski auf der anderen Seite hat ganz andere Probleme. Taktisch ist sein Team eins der interessantesten der Bundesligasaison. Die dauernden Positionswechsel seiner Spieler kreieren ständig neue Formationen. In guten Momenten ist der Fußball der Hoffenheimer attraktiv und schnell. Doch was hilft all der schöne Offensivfußball, wenn Woche um Woche individuelle Fehler in der Abwehr zu vermeidbaren Toren führen? Zudem war ihr Vertikalspiel in die Spitze in dieser Woche schwächer als in den letzten Spielen. Erst nach der Einwechslung Firminos kam wieder mehr Kreativität ins Spiel – vielleicht hätte er von Anfang an eingesetzt werden sollen. Trotz einer guten Schlussoffensive muss die TSG so ohne Auswärtspunkte den weiten Heimweg antreten.

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