Kroatien – Türkei 0:0

Fortsetzungen im Fußball bieten in der Regel mehr Spannung als Fortsetzungen im Kino. Die letzten 90 Minuten eines Europacup Rückspiel können ihren Höhepunkt in einer wilden Schlussphase oder sogar in einer nervenaufreibenden Verlängerung finden. Die Auswärtstorregel kann die Fans zur Verzweiflung bringen oder eine bemerkenswerte Aufholjagd gibt dem Hinspiel erst einen Sinn. In den Reigen der guten Fortsetzungen schafft es das Play-off-Rückspiel der Türken in Kroatien nicht, es war eher ein Remake ohne Höhepunkte.

Startformationen

Guus Hiddink hatte die Besetzung geändert und brachte acht neue Spieler, allein vier Türken hatten sich im Hinspiel Gelb-Sperren eingehandelt. Taktisch hielt Hiddink aber am 4-3-3 fest. Er konnte auf Colin Kazım Richards im Angriff setzten, der im Hinspiel noch angeschlagen fehlte. Dazu rückte Hamit Altıntop vom Flügel ins halbrechte Mittelfeld und Umut Bulut gab als rechter Stürmer fast einen zweiten Mittelstürmer. Um den Flügel nicht komplett frei zu geben spielte Serkan Balcı sehr offensiv.

Auf der linken Seite startete Caner Erkin, der von der Außenbahn den Raum zwischen kroatischer Abwehr und Mittelfeld bearbeiten sollte. In der Verteidigung zog er sich auch ins Mittelfeld zurück und sollte den Außenverteidiger gegen Darijo Srna unterstützen, bzw. die Unterzahl im Mittelfeld ausgleichen.

Slaven Bilić konnte, außer auf zwei Positionen, sein Team aus dem Hinspiel aufbieten. Danijel Pranjić und Ognjen Vukojević rückten ins 4-4-2. Ähnlich wie Hiddink ließ Bilić seine Flügel unterschiedlich agieren, links spielte Pranjić offensiver als Domogoj Vida auf der rechten Seite. Die Außenverteidiger passten sich damit ihren Vorderleuten an, denn Ivan Rakitić ist ein gelernter zentraler Mittelfeldspieler, der nicht den Flügellauf sucht. Srna hatte auf der rechten Seite dagegen alle Freiheiten und benötigte einen Verteidiger der ihm den Rücken frei hielt.

Das Spiel

Beide Mannschaften versuchten in der Anfangsphase Druck zu machen und gingen ein hohes Tempo. Kroatiens Strategie ähnelte der Strategie des Hinspiels. Zwei 4er-Reihen sollten die Türken stoppen und beide Stürmer konnten mit Pressing oder Druck auf Sahin den Aufbau stören. Die Türken dagegen versuchten aus der Abwehr mit Pässen auf Hamit und Inan die Kroaten zu locken. Die Mittelfeldspieler passten oft direkt zurück auf den Innenverteidiger. Obwohl den Türken das Bestreben, ein frühes Tor zu erzielen, anzumerken war, versuchten sie geduldig das Spiel zu eröffnen und nicht schon in den ersten Minuten unüberlegte weite Pässe zu schlagen.

Die erste Chance hatte die Türkei, nach einem Angriff über Köybaşı, durch einen Fernschuss an den Pfosten und einer Nachschusschance von Kazım in der fünften Minute. Glaubt man der Statistik der UEFA, blieb dies der einzige Schuss aufs Tor der Türken.

Die Kroaten konterten und suchten Mandžukić und Olić, ansonsten überließen sie den Türken, wie im Hinspiel, den Ball, was wieder zu Ballbesitzwerten von zeitweise weit über 60% für die Türken führte. Mehr Torschüsse hatte aber wie im Hinspiel Kroatien. Über die rechte Seite wurde es dank Srna immer wieder gefährlich. Erst im Laufe der ersten Halbzeit nutzten beide Mannschaften den Platz, der sich beiden Außenverteidigern auf Kroatiens linkem Flügel bot.

Hiddink wechselte schon in der 36. Minute Erkin für Gökhan Töre aus. Warum er es noch in der ersten Halbzeit tat, war nicht ersichtlich. Eine Verletzung war bei Erkin nicht zu erkennen und taktische Anpassungen, um Vida in der Defensive zu binden und damit Srna etwas zu isolieren, hätten genauso bis zur Pause warten können, wie eine Auswechslung aufgrund der gelben Karte ,die Erkin bekommnen hatte.

Anpassungen im zweiten Durchgang

Die größte taktische Veränderung nahm Bilić mit der Einwechslung von Ivan Perišić für Ivica Olić nach einer Stunde. Der Dortmunder sortierte sich links ins Mittelfeld ein und Ivan Rakitić spielte fortan zentral im defensiven Mittelfeld. Kroatien vernagelte mit diesem Wechsel den sowieso schon geschlossenen Laden und spielte 4-5-1.

Die Türken hatten, wie im Hinspiel, Probleme im Strafraum zu Torchancen kommen. Selbst aussichtsreiche Positionen für Fernschüsse wurden selten erreicht. Hamit Altıntops Fernschuss in der 64. Minute, der knapp das Tor verfehlte, war die zweite und letzte Großchance der Türken, ein Tor zu erzielen. Großchancen hatten die Kroaten auch kaum, aber 17 zu 7 Schüsse für die Heimmannschaft zeigen, dass, wie im Hinspiel, die Kroaten, trotz geringem Ballbesitz, gefährlicher vor dem Tor waren. Hiddink brachte noch Halil Altıntop für Umut Bulut, konnte damit aber auch keine entscheidenden Akzente setzen. Dafür hätte Rakitić fast das 1:0 für Kroatien erzielt. Sein Doppelpass mit Mandžukić war neben dem Torschuss von Altıntop das einzig Sehenswerte im zweiten Durchgang.

Fazit

Tore fielen im Rückspiel zwischen Kroatien und der Türkei keine, ansonsten ähnelten sich beide Partien. Die Türken hatten den Ball in für Kroatien ungefährlichen Positionen und kamen trotz der angepassten Aufstellung, und trotz verbessertem Spiel, nicht zu gefährlichen Torchancen. Nachdem der frühe Treffer nicht gefallen war und Kroatien sich eingerichtet hatte, war das Spiel gelaufen.

Die kroatischen  Fans werden mit diesem Spiel leben können, ihr Team fährt zur EM und kann durchaus zum Stolperstein für einen Favoriten werden. Mit Srna und Modirć stehen Bilić im Mittelfeld zwei brandgefährliche Spieler zur Verfügung, die Abwehr ist solide und im Angriff stehen Knipser, die sich nicht zu schade für Drecksarbeit sind.

getuerkt 22. November 2011 um 11:58

Klassisches Eigentor, mehr brauch man dazu nicht sagen 😉

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Schnibi 18. November 2011 um 11:38

Es gibt mehrere Sahin´s bei der Türkei 😉 Wie man auch an der Spielaufstellung sieht…

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getuerkt 18. November 2011 um 10:53

Zunächst einmal möchte ich eure Seite und Analysen von Mannschaften und Spielen loben. Es macht einfach nur Spaß hier zu lesen. Weiter so!
Jedoch muss ich sagen, dass mir diese Analyse des Spiels nicht wirklich gefallen hat, da sie sich zum Teil wie eine Nacherzählung des Spiels liest. Ich hätte mir vielmehr taktische Analysen im Detail gewünscht, wie beispielsweise eine bessere Erklärung des Verschiebens der zwei 4rer Ketten von Kroatien und welche genauen Auswirkungen es auf das Spiel der Türken hatte.
Außerdem wird an einer Stelle geschrieben „oder Druck auf Sahin den Aufbau stören“. Sahin war jedoch bei diesem Spiel nicht dabei, weil er nach seiner langen Verletzung noch nicht bei 100% war.

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HW 6. Dezember 2011 um 11:02

Ich wollte mir eigentlich das Spiel noch mal kurz anschauen, bin aber bisher nicht dazu gekommen.
Warum die Türkei nicht zum Zug kam? Weil ihr die Kreativität fehlt (und so wie es aussieht auch Disziplin). Der beste Spieler im Angriff, in beiden Partien zusammen, ist Ersatzmann bei Real Madrid. Nichts gegen Altintop, aber das Team war offensiv nicht eingespielt und schien nicht zu wissen was es machen muss um die Abwehr zu knacken. Defensiv war es ebenso desolat. Da haben Mannschaft und Trainer versagt. Die Gründe kann ich von außen nur oberflächlich beurteilen.
Sicher wäre Sahin (der von Real) eine Option gewesen, zumindest um im zweiten Spiel wenn es nach 45 Minuten nicht läuft nochmal was in der Hand zu haben. Gesund war er doch, warum der Verband Real den Gefallen getan hat ihn nicht zu nominieren kan nich nicht sagen. (Kein Plan wessen Idee das war. Spieler / Verein / Verband).

Die Kroaten hatten einen großen Willen zur EM zu kommen, haben als Mannschaft agiert und sich an den Plan des Trainers gehalten. Nach dem Hinspielergebnis war das Rückspiel dann kein Problem mehr.

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