SC Freiburg – Bayer Leverkusen 0:1

Eine gute Anfangsviertelstunde, danach viel zu wenig: Bayer Leverkusen bringt gegen dominante Freiburger ein frühes 1:0 über die Zeit. Trotz 20:10 Torschüssen und 54% Ballbesitz müssen die Freiburger erneut mit einer Niederlage leben.

Robin Dutt hatte bei seiner Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte eine schwere Aufgabe: Er steht zunehmend unter Druck und muss den ungeduldig werdenden Fans beweisen, dass er der richtige für den Trainerjob bei Bayer ist. Für dieses richtungsweisende Duell konnte er auf den zurückgekehrten Castro bauen, der Rolfes im Mittelfeld ersetzte. Zudem bekam Derdiyok nach seiner Kritik an mangelnder Spielzeit die Chance, sich in der Startelf für höhere Arbeiten zu bewerben.

Diese Aufstellung bedeutete eine teilweise Rückkehr der Rochaden vom Beginn der Saison: Während nun das Zentrum die Positionen größtenteils hielt, rochierten Derdiyok, Sam und Schürrle und tauschten die Positionen. Diese taktische Änderung war bereits früh zu erkennen und sorgte in der Anfangsphase dafür, dass Leverkusen in der Offensive beweglicher wirkte als zuletzt. Doch noch ehe sich weitere taktische Maßnahmen herauskristallisieren konnten, fiel bereits ein Treffer: Es war Michael Ballack, der nach einer Ecke den Ball über die Linie drückte (2.). Es war der sechste Leverkusener Treffer nach Standartsituationen in dieser Saison, damit ist man in dieser Statistik Ligaspitze.

Freiburg findet ins Spiel

Die Freiburger waren in den nächsten Minuten von dem Leverkusener Blitzstart sichtlich geschockt. Erst ab der 15. Minute fingen sich die Breisgauer wieder. Aus ihrem 4-2-2-2 bauten sie das typische Freiburger Spiel auf: Der tief liegende Spielmacher Schuster suchte mit seinen Pässen die Außen, von wo die Außenstürmer die Angriffe in den gegnerischen Sechzehner trugen. In dieser Phase war es gerade Rechtsaußen Putsila, der sich tief fallen ließ und zur wichtigsten Anspielstation im Spielaufbau wurde. Die Freiburger kamen vermehrt über die rechte Flanke und wurden von dort aus gefährlicher. So traf Cisse nach einem Angriff über rechts den Pfosten (38.).

Die Leverkusener konnten immer weniger auf das Spiel zugreifen. Da die Mannschaft in der gegnerischen Hälfte eher die Passwege zustellte als die Gegner direkt zu attackieren, konnten die Freiburger relativ ungestört ihre Bälle auf die Außen bringen. Durch die Rochaden von Schürrle, Sam und Derdiyok, kamen sie auf den Flanken zu selten in die Zweikämpfe. Gerade wenn Derdiyok auf links ging, hatte er Schwierigkeiten mit Putsila. Dies spielte den Freiburgern in die Karten.

Auch das weite Einrücken der Leverkusener Mittelfeldspieler wussten die Freiburger mit dem Verlauf der Partie besser auszunutzen. Da Bayer sehr engmaschig verteidigt, bleiben Gegner auf der gegenüberliegenden Flanke oft frei. Nachdem sie zu Beginn sehr oft über rechts kamen, stand Linksverteidiger Bastians auf der anderen Seite oft blank. Nach und nach bezogen sie ihn mit Flankenwechseln besser ein. So entstand die größte Freiburger Chance aus einer seiner Flanken, die Rosenthal knapp vorbeiköpfte (45.). Trotz Freiburger Überlegenheit und Chancenplus blieb es beim 0:1 zur Pause.

Nach der Pause wenig von Bayer

Nach der Halbzeitpause intensivierten die Freiburger ihr Pressing. Bereits in der ersten Halbzeit waren sie gewohnt aggressiv. Nun wurden die Leverkusener durchgehend auf dem ganzen Feld gestört. Dass sie mit solch aggressiven Gegnern Probleme haben, bewiesen sie bereits am ersten Spieltag, als die Mainzer ihnen den Schneid abkauften. Erneut hatten sie große Probleme mit ihrem Spielaufbau, der vom Gegner konsequent gestört wurde. Meist wurde Bernd Leno zu langen Bällen gezwungen, die aber selten den Mitspieler fanden.

Die Freiburger hatten nun die endgültige Kontrolle über das Spiel. Das Spiel verlagerte sich in die Leverkusener Hälfte. Diese bekamen immer noch keinen Zugriff auf das Mittelfeld. Es fehlte weiterhin eine Strategie, um Flum und Schuster unter Druck zu setzen. Auch hatten sie Probleme mit Bastians, dessen Flanken zunehmend zur Gefahr wurden. Die Freiburger kombinierten gut, allerdings schlichen sich im letzten Drittel einige Ungenauigkeiten ein. Trotzdem hatten Dembele (49.) und Cisse (69.) große Möglichkeiten zum Ausgleich.

Von den Leverkusenern kam nur wenig nach vorne. Andre Schürrle äußerte nach dem Spiel den Vorwurf, viele Konterchancen seien bereits durch den trägen Spielaufbau zunichte gemacht worden. Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Auch er und Außenstürmerkollege Sam trugen ihren Teil dazu bei, indem sie zu lange am Ball blieben und das Tempo verschleppten. Außerdem war die Bewegung ohne Ball bei Kontern suboptimal, da zu wenige Räume geschaffen werden. Eine intelligente Nutzung des ganzen Platzes, wie beispielsweise vom Muster-Konterteam Hannover 96 durchgeführt, gab es nicht. So haben die Leverkusener diese Saison weiter kein Tor nach einem Konter erzielt. Da sie gegen die früh störenden Freiburger mangels Passsicherheit keine ballbesitzorientierte Strategie fahren konnten, waren sie nach vorne in den zweiten 45 Minuten komplett abgemeldet.

Ihre Konterschwäche trug ihren Teil dazu bei, dass Freiburg dem Ausgleich näher als Leverkusen dem 2:0 war. Marcus Sorg versuchte, mit der Einwechslung weiterer Offensivkräfte wenigstens einen Punkt zu holen. Allerdings waren am Ende durch die Einwechslungen von Reisinger, Jendrisek und Makiadi fast keine Mittelfeldspieler mehr auf dem Feld, die die Defensive mit der Offensive verbanden. Gerade in den letzten Minuten mussten sich die Freiburger so auf lange Bälle versteifen, die allerdings kaum Wirkung zeigten. Nach zwei großen Chancen in der 86. Minute kamen sie nicht mehr in die Nähe des Leverkusener Tores, der Spielstand blieb beim 0:1.

Fazit

Bei Leverkusen gibt es einige Probleme, die in den nächsten Wochen an dieser Stelle bestimmt noch öfters thematisiert werden. Warum wich Dutt von seiner Mittelfeldrochade vom Beginn der Saison ab? Sicher, die Positionswechsel im Angriff waren ein erster Schritt zurück zu der Taktik, allerdings kommen aktuell kaum Impulse aus dem Abwehr- und Mittelfeldzentrum, wodurch die vorderen Akteure in der Luft hängen. Weshalb gibt es keine kollektive Strategie zur Balleroberung? Und wie soll Leverkusen mit dem kleinen Kader, bei dem viele Akteure merklich müder werden, die anstehenden englischen Wochen bestehen? Dass Dutts Auswechslungen gegen den Tabellenletzten in erster Linie das 1:0 halten anstatt spielerische Akzente setzen sollten, ist für ein Team wie Leverkusen kein gutes Zeichen. Zumindest konnte sein Team mit dem Pflichtsieg trotz schwacher Leistung ein wenig den Druck verringern.

Während bei Leverkusen vieles aktuell nicht funktioniert, sieht es bei Freiburg anders aus: Bis auf die ausbleibenden Ergebnisse stimmt das Gesamtpaket. Freunde proaktiven Fußballs dürften angesichts des letzten Tabellenplatzes Mitleid mit den Freiburgern empfinden. Sie werden für den attraktiven Offensivfußball, den sie bisher in dieser Saison spielen, nicht belohnt. Schuld daran sind die fehlende Genauigkeit im letzten Drittel sowie die mangelnde Chancenverwertung. Marcus Sorg macht angesichts der aktuellen Situation das einzig Richtige und bittet um Geduld. Wenn sie weiter Leistungen wie gegen Leverkusen oder gegen Hamburg zeigen, werden sie sicher noch Punktgewinne verbuchen können.

C…. 31. Oktober 2011 um 19:58

Ich stell mal was in den Raum, und hoffe, dass irgendjemand da ne Meinung zu hat…

damals:
———————-Neuville———————-
Ze Roberto—Bastürk—Ballack—Schneider
———————–Ramelow——————–
heute?:
——————-Augusto——————-
Schürrle —-Castro—-Ballack——-Sam
——————Bender———————-

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Daniel 31. Oktober 2011 um 23:48

Also ich finde, dass kann man so nicht vergleichen. Neuville war doch eher ein knipser, Augusto ist laut Dutt der kreative Mittelfeldspieler. Willst du Kießling und Derdiyok beide auf der Bank lassen?
Schürrle links, Sam rechts ist ja Standard, die besten Spiele haben sie jedoch auf anderen Positionen gezeigt meine ich. Es sind beides eher Dribblespieler, Schneider konnte aber auch hervorragend Flanken, war viel „kompletter“? Das Dreieck Ballack Castro Bender wünsche ich mir auch, wobei ich nicht weiß, ob Bender der richtige ist als alleiniger 6er? Ramelow war da schon eher der richtige für, Bender sehe ich immer nur in Kombination, also als Teil von dem Dreieck mit Ballack & Castro.
Echt schwierig, denn ich habe nicht das Gefühl, dass die Aufstellung wirklich relevant ist. Wenn alle mal richtig gas geben und wollen, klappt es auch mit Rolfes & Co. Im Moment ist einfach der Wurm drin. Leverkusen spielt wohl so eine Saison wie zuletzt Stuttgart, Bremen, jetzt Hamburg.. nur halt das sie dennoch im Mittelfeld bleiben können 🙂

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Daniel 30. Oktober 2011 um 22:32

Ja genau, Bender müsste statt Rolfes eingetragen sein.
Warum weicht Dutt von seinem Konzept ab. Bekommt er vielleicht die Zeit doch nicht? Vor der Saison war die Abwehr der größte Kritikpunkt, der extrem starke Vorstopper Vidal sowie der Organisator der 4er Kette verlassen die Mannschaft und es wird nicht reagiert. Nun macht Reinartz ein schlechtes Spiel und ist abgeschrieben? Dafür spielt nun Friedrich, von dem Dutt doch anscheinend garnichts hält, die Fans ihn aber sehen wollen. Ich habe mich auch über Derdiyok gewundert. Er beschwert sich öffentlich, zack spielt er von Beginn an. Dutt kommt mir im Moment wie ein hilfloses Fähnchen im Wind vor. Beim 1:0 einen 5. Abwehrspieler zu bringen, dass ist doch ein Armutszeugnis. Sowas kann man gegen Chelsea oder Dortmund machen, aber gegen Freiburg sollte man das Spiel doch durch einfaches Balllaufen genügend verschleppen können.
Dutt kann froh sein, dass Augusto verletzt ist und er somit Ballack spielen lassen muss.
Mal was anderes, Derdiyok ist für mich eher ein klassischer Strafraumstürmer,
Keisling jedoch nicht, er ist eher eine hängende Spitze, der viel rennen und ackern kann. Ballack würde ich auch nicht defensiv oder offensiv einsetzen sondern variabel.In einem 4-1-4-1 mit einem Ballack vor der Abwehrkette davor einen Kiesling! Links Sam (und nicht rechts!), rechts Schürrle (und nicht links!) & Castro auch Zentral rechts . Im Sturm dann Derdiyok. Warum sieht man sowas nicht?

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Fehler? 29. Oktober 2011 um 23:34

War nicht Bender statt Rolfes in der Startelf?
Und mit Dembela ist wohl Dembélé gemeint 😉

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TE 31. Oktober 2011 um 11:55

Vielen Dank für den Hinweis, habe es geändert. Zur Erläuterung: Da wir nicht jedes Mal eine eigene Grafik erstellen wollen, nutzen wir vergangene Spiele als Vorlagen. Wenn man dann nicht aufpasst, schleicht sich da schnell ein falscher Name ein. Ich bitte um Entschuldigung.

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