Ajax – Feyenoord 1:1

Auch in „De Klassieker“ gegen Feyenoord konnte Ajax seine Krise nicht beenden. Nachdem man nur eines der letzten neun Ligaspiele gewann, liegt man schon acht Punkte hinter Spitzenreiter AZ.

Zugegebenermaßen hatten es die Gondenzonen auch zuletzt mit allen Top-Teams der Liga (PSVTwenteund AZ), wie in einem Marathon aufeinanderfolgend, zu tun, doch auch in diesem Spiel hatte die Mannschaft von Frank de Boer einige Probleme.

Feyenoords Formel

Der zentrale Schlüsselaspekt des Spiels war klar das Pressing und die gute defensive Arbeit der Gäste aus Rotterdam. Diese hatten aus den letzten Spielen ihres Gegners die Essenzen gezogen und waren in dieser Partie mit ihrer Formel sehr erfolgreich – Mittelfeldspiegelung + gut verschiebende und hart-arbeitende Stürmer + frühes Pressing = Erfolg.

So waren Anita durch Bakkal, Janssen durch El-Ahmadi und Eriksen durch Clasie abgedeckt und konnten sich selten befreien, während das Pressing bereits in vorderster Front beeindruckend intensiv und wirkungsvoll war. Ajax musste häufig zurück oder sehr riskant passen, kam in frühen Phasen ihrer Angriffe unter Druck und wirkte folglich schon hinten im Aufbau nervös. Weder Ruhe noch Rhythmus konnte man so in das eigene Spiel bringen und häufig war sogar nur der lange Ball die letzte Option.

Ajax fehlt letzte Konsequenz und Durchsetzungsvermögen

Selbst wenn man bei solchen langen Bällen aufgrund der Spielstärke der Innenverteidigung, den False 9-Bewegungen de Jongs, der Spielintelligenz der aufrückenden Janssen und Eriksen sowie des weiten Vorschiebens Feyenoords Raum und vielversprechende Ansätze verbuchte, hatte man doch erhebliche Probleme, geregelt aufzubauen, und in der Folge Probleme, geregelt nach vorne und zu Torchancen zu kommen.

Die Probleme beim Aufbau sowie die Tatsache, dass man in vielversprechenden Situationen immer an der letzten fehlenden Konsequenz scheiterte, lagen auch daran, dass man einige individuelle Schwächen offenbarte – in den direkten Duellen war man den eng deckenden und aggressiven Gäste-Spielern unterlegen, bei guten Raum öffnenden Vertikalpässen insbesondere von Janssen konnte man diese technisch nicht sauber genug verarbeiten.

Deshalb konnte Feyenoord für eine längere Phase etwa zwischen der 10. und 18. Minute komplett den Ballbesitz übernehmen und Ajax nach hinten drängen, was für deren Probleme und Ohnmacht sinnbildlich stand. Dass diese Mitte  des ersten Durchgangs dennoch 64 % Ballbesitz auf ihrer Habenseite hatten, zeigt, wie oft sie den Ball hatten und wie stark sie ihn dominierten, aber wie wenig sie daraus machen konnten.

De Boer versuchte durch einige kleine Maßnahmen seine Mannschaft besser ins Spiel zu bringen, doch letztlich waren sie alle zu halbgar und zu wenig konsequent, als dass sie das Spiel wirklich entscheidend hätten beeinflussen können. Durch verstärktes Aufrücken Janssens ins linke offensive Mittelfeld wollte man Boerrigter auf Außen freispielen, doch dessen Flanken waren allesamt zu ungenau oder schlicht harmlos, so dass diese theoretisch sinnvolle Idee ebenso wenig zum Tragen kam wie die Rochade zwischen Eriksen und Sulejmani. Hier war das Problem, dass beide nicht ihren besten Tag erwischten und insbesondere Letzterer im Zentrum nicht so gut zurechtkam.

Pressing führt zu offenem Spiel

Feyenoord auf der anderen Seite ließ nun also defensiv nichts zu, kam vorne nach einigen Ballgewinnen durch Pressing zu Chancen – doch insgesamt war es auch von jenen keine berauschende Vorstellung, denn in den Bereichen Pressing und Gegenpressing konnte Ajax überzeugen, was auch zu einiger Hektik bei Feyenoord und somit zu einem offenen und unterhaltsamen Charakter des Spiels führte, wenn es auch nicht so viele Chancen zu sehen gab.

Die Folgen des Platzverweises

Nach einer guten Stunde nahm das Spiel noch mehr an Fahrt auf, als die Gäste nach einer Ecke mit einem Billard-Tor die Führung markierten. Wie schon zuletzt gegen AZ führte die weit aufgerückte Abwehr der Amsterdamer nur kurze Zeit später zu einer Konterchance, welche man nur auf Kosten eines Platzverweises zunichtemachen konnte – diesmal traf es Keeper Vermeer.

De Boer wechselte – ähnlich wie die Bayern in Hannover – zu einem offensiven 4-2-3, welches nun nicht nur Räume hinter der hohen Abwehr (Abseitsstatistik 0:8), sondern auch zwischen den Linien hergab. Defensiv war dies ein hochriskantes Unterfangen, welches man auch nach dem schnellen Ausgleich durch Vertonghen (68., Kopfball nach Ecke) weiter verfolgte, denn man brauchte den Sieg dringend.

Letztlich war man zwar die bestimmende Mannschaft, doch es gelang nicht – in einem extrem offenen Spiel, welches beide Teams hätten gewinnen können. Bei jedem Angriffsversuch Feyenoords rechnete man damit, dass sich die riskante Aufteilung von Ajax rächen würde, welche durchgängig Gleichzahl-Situationen und große Räume in Kauf nahmen, offensiv mit dem wieselflinken Lukoki auf rechts und Flanken auf die großen und kopfballstarken Bulykin, de Jong und Boerrigter aber auch ihre Gelegenheiten hatten.

Fazit

Feyenoord fand die entscheidende Formel und konnte Ajax in einem offenen Spiel weitestgehend neutralisieren. In der Schlussphase öffnete sich die Partie noch mehr, doch keine der beiden Seiten konnte die Möglichkeit zum Sieg nutzen.

Die Gäste können durchaus zufrieden sein, doch sich aufgrund des Spielverlaufes ärgern, da man nach 65. Minuten alles in der Hand hatte, während Ajax erneut keinen Sieg schaffte, sondern nur den moralischen, doch eigentlich war es ein erneuter Rückschlag.

Nach dem Remis gegen AZ vom letzten Wochenende sah das Fazit fast exakt gleich aus – nun muss de Boer schleunigst Lösungen für die Krise finden – eine Möglichkeit wäre, die beiden zentralen Mittelfeldspieler für mehr Stabilität und mehr Verbindung im Aufbau nach hinten zu ziehen.

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