Málaga C.F. – Real Madrid 0:4

Málaga hatte sich gegen Real Madrid einiges vorgenommen, doch verlor aufgrund einer hanebüchenen Defensivleistung das Spiel schon in den ersten etwa 30 Minuten.

Nicht nur der Gegner, sondern auch die jüngste 0:3-Schlappe beim Überraschungsteam Levante hatten die Gastgeber besonders motiviert. Auch für Trainer Pelligrini war es ein besonderes Match, traf er doch auf seinen ehemaligen Arbeitgeber. Er musste auf den gesperrten Torwart und Kapitän Willy verzichten, welcher durch Ruben ersetzt wurde, und brachte weiterhin Eliseu, Apono und Rondón für Nacho Monreal, Maresca und van Nistelrooy ins Team. Auf der anderen Seite gab es nach dem Sieg über Real Betis zwei Änderungen – Khedira und di María kamen neu in die Mannschaft, für sie mussten Diarra und Özil weichen.

Daraus ergab sich, dass man vom System mit zwei Spielmachern wieder auf das altbewährte flexible 4-2-3-1 wechselte. In vorderster Front war Higuain sehr beweglich und ließ sich immer wieder nach hinten oder außen fallen, während Kaká ebenso auf die Flanken rochierte, sich für Kombinationen mit seinen Kollegen als sichere Anspielstation im letzten Drittel anbot oder Räume für diese schuf. Zwar war er relativ unauffällig, aber blieb keineswegs blass, denn sein Wert war nicht vordergründig oder offensichtlich, sondern auf das Team bezogen. Auch die beiden neu ins Team gekommenen Akteure spielten ihre bekannten Rollen – di María zog vom Flügel immer mal wieder nach innen, während Khedira als box-to-box-player nach vorne stieß und Alonso absichern ließ.

Viel zu viele Räume für Ronaldo und Co.

Wie man bereits durch die Anlegung der Spielerrollen erkennen kann, konzentrierte sich das Spiel der Madrilenen stark auf das Zentrum. Unter anderem weil die Gastgeber früh pressen wollten, was allerdings nur in den ersten Minuten effektiv gelang, ergaben sich für Real Madrid viel zu große Räume zwischen den Linien – von denen, auch begünstigt durch die Bewegungen seiner Mitspieler, besonders Cristino Ronaldo profitierte.

Immer wieder durfte sich der Portugiese in der Mitte austoben und auch wenn Higuain den ersten Treffer nach etwa zehn Minuten markieren konnte, war doch Ronaldo erneut auffälligster Akteur und schließlich auch Schütze der folgenden drei Tore.

Durch die großen Räume war das nominelle 4-1-3-1-1 Málagas nutzlos, waren die vertikalen Pässe Xabi Alonsos und die Laufwege der Offensiven, welche ihre Gegner immer wieder überluden, umso effektiver. Der angesprochene Alonso war überall zu finden und hielt die Angriffe und Dominanz seines Teams am Laufen, wie 114 Ballkontakte und trotz der vielen vertikalen Arbeit 92 % Passgenauigkeit zeigen. Schließlich darf auch Marcelo nicht unerwähnt bleiben, welcher offensiver agierte als sein Pendant auf der anderen Seite, und die Spieler vor ihm immer wieder mit seinen Diagonalläufen ins Zentrum unterstützte. In einem solchen Spiel kamen ihm seine Dynamik und seine Stärke im Kombinationsspiel sehr entgegen, so dass besonders das halblinke Zentrum eine dominierende Rolle bei den in schwarz gekleideten Hauptstädtern einnahm, was zudem der rechten Flanke noch mehr Raum ermöglichte.

Málaga spielt Madrid in die Karten und kann sich nicht mehr wehren

Málaga war viel zu passiv und attackierte nicht richtig, so dass sich die Künstler der Madrilenen vor der gegnerischen Viererkette mitunter völlig ungestört den Ball zuspielen konnten. Zugegebenermaßen mussten Málagas Defensivspieler auch versuchen, den Gegner hinzuhalten, was Demichelis naturgemäß nicht gut gelang, da die Offensivakteure vorne auf eine gute Konterchance zockten, doch auch wenn man abseits des anfänglichen Pressings zu einigen Chancen kam, standen die Königlichen meistens sicher, da man es sich aufgrund des Gegners erlauben konnte, mit vier Spielern fast konstant abzusichern, und da man schon weit vorne ein gutes Gegenpressing spielte.

Mit zunehmender Spieldauer wurden die Madrilenen immer dominanter und kontrollierender, setzten sich nach den offenen Anfangsminuten klar in der gegnerischen Hälfte fest, denn das defensiv nur theoretisch gut funktionierende 4-1-3-1-1 Málagas wurde ihnen im Spielaufbau zum Verhängnis – Real rückte kollektiv auf, was sie gut beherrschen, und konnte den zentralen Aufbauspieler effektiv isolieren und pressen. In diesen Situationen stand bei den Hausherren der offensive Mittelfeldspieler viel zu hoch – wohl zum Einsatz seiner Schnelligkeit gegen die hohe Abwehr der Mourinho-Truppe – und deshalb isoliert und der zentrale zu vertikal und somit ebenfalls schwer anspielbar, so dass die wechselnd im 4-1-4-1 oder 4-2-4-0 verteidigenden Gäste mit ihrer zentralen Vierreihe sich dem defensiven Mittelfeldmann des Gegners gegenübersahen.

Folglich kamen die Gastgeber in dieser Phase selten aus der eigenen Hälfte heraus, doch wenn man durchkam, wurde es sehr gefährlich, auch wenn die angedeuteten Rochaden zwischen dem zentralen und rechten Offensivspieler nicht konsequenter umgesetzt wurden. Defensiv hatte man die größten Schwierigkeiten, denn hier machte man es Real Madrid zu leicht, die Dominanz in Tore zu münzen, und so war das Spiel noch vor dem Pausenpfiff beim Stand von 0:4 entschieden.

Málaga kam stark über rechts mit Joaquín und Santi, während bei Real die linike Flanke mit Ronaldo und Marcelo dominant war – was sich auch gegenseitig bedingte.

Zweite Halbzeit

Im zweiten Durchgang hatte die Partie dann ein wenig Testspielcharakter, doch Málaga wollte mit ihrem Anspruch ein solches Resultat nicht über sich ergehen lassen. Während man hinten von nachlassender Konsequenz des Gegners profitierte, nutzte man vorne die sich bietenden Gelegenheiten deutlich zielstrebiger, interagierte besser miteinander – bspw. durch die angesprochenen Rochaden sowie verstärkte Vorstöße von Eliseu – und spielte intelligenter. So kam man auch zu einigen guten Chancen, hatte am Ende deutlich mehr Abschlüsse (21:14), doch selbst beste Gelegenheiten ließ man ungenutzt.

Fazit

Nach einer offenen Anfangsphase, in der beide Teams schon pressten, gute Chancen hatten und hergaben, machten die Gäste mit vier Toren bis zur 38. Minute alles klar, weil Málaga viel zu viele Räume anbot, die Reals starke Offensive dankend nutzte.

Simon 27. Oktober 2011 um 15:02

Hi,
ein ganz großes Dankeschön für Eure tolle Arbeit.

Zu Barcelona: Es muß nicht immer eine ausführliche Analyse sein,
ein, zwei Aspekte wie Pressing, ein wichtiger Spieler würden zum Nachdenken auch genügen.

Antworten

Morris K 26. Oktober 2011 um 13:13

ich hab mal eine offtopic frage. Warum gibts keine spielanalysen von den letzten 2 barca spielen ? würds recht intressant finden warums da nicht so wirklich rund lief.

Antworten

TR 26. Oktober 2011 um 13:34

Zum Sevilla-Spiel konnte der betreffende Autor aus persönlichen Gründen die Analyse leider nicht vollenden. Möglicherweise gibt es dazu allerdings noch eine in-depth-analyse oder es wird als Beispiel für einen generellen Artikel genommen.

Leider hatten wir erneut nur begrenzte Kapazitäten und haben uns daher gegen Granada-Barca und für Juventus-Fiorentina entschieden. Am Wochenende steht Barcelona allerdings wieder fest auf unserem Plan.

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