Schalke 04 – 1.FC Kaiserslautern 1:2

Das Topspiel des Samstagabends bezog seine Dramatik vor allem aus den umstrittenen Schiedsrichterentscheidungen. Am Ende gewinnt Lautern in einem spielerisch durchschnittlichen Match mit 2:1 gegen den FC Schalke 04.

Der Auftritt gegen Kaiserslautern war erst das dritte Spiel von Huub Stevens in seiner zweiten Schalker Amtszeit. Durch die Länderspielpause und die dadurch bedingte Abwesenheit zahlreicher Stammspieler hatte Stevens bislang wenig Trainingszeit, in der er seiner Mannschaft eine bestimmte Taktik eintrainieren lassen konnte. Auch gegen Lautern gab es nicht viele Änderungen zum System Rangnicks. Schalke agierte erneut aus einem nominellen 4-2-3-1 System. Die Lauterer setzten auf ihr gewohntes 4-4-2 System.

Lautern kontert Schalker Stärken

Die Lauterer schienen gut eingestellt auf die Schalker Angriffsbemühungen. In der bisherigen Saison waren bei den Königsblauen besonders die Außenverteidiger sehr aktiv, die immer wieder mit nach vorne gingen. Auch in diesem Spiel versuchten Fuchs und Höger, die nötige Breite im Spiel zu schaffen. Allerdings ist ihr Repertoire in Dribblings recht begrenzt, und so genügte es oft, wenn Sahan und Tiffert auf den Außen ihre Gegenspieler stellten und in die Mitte abdrängten. Dort kamen die Sechser zur Hilfe. Da die Außenstürmer nur selten aushalfen, blockierten die Gäste so das Schalker Flügelspiel. Von den nur fünf geschlagenen Flanken der Königsblauen in Halbzeit eins kam gerade einmal eine beim Mitspieler an. Weder Fuchs noch Höger konnten sich in der ersten Halbzeit in Szene setzen.

Ein weiteres Merkmal des Schalker Spiels sind die Rollen von Raul und Huntelaar, die sich beide oft zurückfallen lassen. Raul fiel in diesem Spiel sogar bis auf die Sechserposition zurück, um von dort das Spiel zu machen. Huntelaar blieb weiter vorne, war aber oft nicht in der Sturmspitze anzutreffen, sondern zwischen gegnerischer Abwehrreihe und Mittelfeld. Dadurch kreiert die Schalker Mannschaft Überzahlsituationen im Mittelfeld. Diese Taktik hat aber auch einen entscheidenden Nachteil: In der Sturmspitze fehlt durch die tiefe Rolle der Stürmer eine Anspielstation. Innenverteidiger Rodnei konnte so den tief fallenden Huntelaar folgen, da er nicht befürchten musste, dass die Löcher hinter ihm von den Schalkern genutzt werden. Schnittstellenpässe waren eine Seltenheit bei den Gastgebern, und so kamen sie selten bis vor das gegnerische Tor.

Nicht nur aus diesen zwei Gründen wirkten die Schalker in der ersten halben Stunde unterlegen. Es fehlte an Laufbereitschaft, so dass es keine Anbindung zwischen Abwehr und Angriff gab. Holtby war als Schaltzentrale im Mittelfeld überfordert, und die Außenspieler waren wie erwähnt zu isoliert. Schalke machte es den Lauterern nicht schwer, Kontrolle über das Spiel zu gewinnen. Hinzu kam das mangelhafte Pressing in den vorderen Reihen: Trotz einer sehr hoch stehenden Viererkette attackierten Raul, Huntelaar und Co. die gegnerischen Verteidiger nicht. Dies war ein Angebot an den Gegner, schnelle Konter zu fahren.

Lautern konnte in der Folge die eigenen Sechser und Tiffert einsetzen, welche wiederum schnell hinter die Schalker Abwehr kommen wollten. Dies gelang im Verlaufe der ersten Halbzeit immer besser. Gerade der schnelle Kouemaha war an vielen Aktionen beteiligt und ließ sich immer wieder mit Schnittstellenpässen schicken. Die Entstehung des Führungstreffers war symptomatisch für ihre Spielidee: Kouemaha wurde hinter der Viererkette angespielt und von Fährmann unsanft zu Fall gebracht. Die rote Karte und ein Elfmeter, den Tiffert verwandelte, waren die Folge (30.). Bereits zuvor hatte Lautern mehrere Möglichkeiten, in Führung zu gehen – ihre schwache Chancenausbeute machte ihnen abermals einen Strich durch die Rechnung. So mussten sie sich auf Fährmanns Foul verlassen, um in Führung zu gehen.

Schalke in Unterzahl besser

Die rote Karte gegen den eigenen Torhüter rüttelte die Schalker Mannschaft wach. Agierten sie zuvor lethargisch und abwartend, gingen sie nun entschiedener gegen die gegnerischen Spieler vor. Die hohe Rate an gewonnen Zweikämpfen, die sie zu Spielschluss zu verbuchen hatten (über 60%), stammte vorwiegend aus der Phase kurz vor und kurz nach dem Wiederanpfiff. Die Unterzahl schadete ihnen nicht, sie beflügelte ihr Spiel eher: Durch die Auswechslung Draxlers (für ihn kam Ersatztorhüter Unnerstall) bekam Jurado mehr Freiheiten und beackerte nun beide Flügel. Zusammen mit Jones, der zur Halbzeitpause für Holtby kam, strukturierte der Spanier nun das Angriffsspiel der Schalker.

Der positive Effekt der Einwechslung Jones´ klingt auf dem Papier erst einmal seltsam: Die Maßnahme, in Unterzahl einen Ballgewinner für einen kreativstarken Ballverteiler zu gewinnen, erschließt sich auf den ersten Blick nicht. An diesem Abend ergab es aber Sinn, da Holtby dem Spiel kaum Impulse bringen konnte. Jones hingegen gewann im Mittelfeld sehr viele Bälle und strahlte so eine gewisse Dominanz in einer Zone aus, die Lautern zuvor beherrschte. Seine Ballverteilung war ebenfalls gut. Er spielte mehr vertikale und diagonale Pässe als Holtby. Gerade das Zusammenspiel mit Jurado klappte gut, so dass Schalke mehr Ballkontrolle gewann. Dazu erweiterte er durch seine Distanzschussstärke das Repertoire der Offensive. So scheiterte er in der 50. Minute mit einem Fernschuss nur knapp an Trapp.

Die Schalker kombinierten nun mehr und versteiften sich nicht mehr so sehr auf das eigene Flügelspiel. Durch die nach hinten fallenden Huntelaar und Raul gewann man trotz eines numerischen 4-3-2 eine Mittelfeldüberzahl gegen Lautern. Die Dominanz wurde in der 62. Minute belohnt: Nach einer guten Kombination wurde der Ball hinter die Lauterer Abwehr gespielt, Jurado fiel im Laufduell mit Rodnei im gegenerischen 16er. Der umstrittene Pfiff des Schiedsrichters war für die Lauterer doppelt bitter: Nicht nur entschied er auf Strafstoß (Huntelaar verwandelte), er stellte auch noch Rodnei vom Platz. Beide Mannschaften spielten fortan mit nur neun Feldspielern.

Lautern kommt zurück

Erneut wurde eine rote Karte zum Wachrüttler. Diesmal waren es die Lauterer, die aus ihrer Lethargie nach der Pause aufwachten. Die Einwechslung Abels (64. für Shechter) tat ihnen hierbei gut. Anstatt alles nach vorne zu werfen, beruhigte Marco Kurz das Spiel seiner Mannschaft, indem er ihnen ein abwartendes 4-4-1 auferlegte. Sein Team stellte sich nun in zwei Viererketten auf und hielt die eigene Position. Das schnelle Umschalten, das sie bereits zuvor versuchten, klappte aus der disziplinierten Defensive besser.

Die Schalker wiederum rückten nun erneut weit auf und spielten klar auf Sieg. Die Außenverteidiger gingen in der Folge wieder öfter mit nach vorne, so dass Lücken hinter ihnen entstanden. Die Lauterer agierten in diesen Minuten sehr klug, da sie sich nicht durch den Ausgleich und die rote Karte aus der Ruhe bringen ließen. Vielmehr bündelten sie noch einmal ihre Kräfte und gewannen im Konterspiel an Präzision. Dies lag auch am starken Kouemaha, der sich nun oft fallen ließ und eine bessere Verbindung zwischen Defensive und Offensive darstellte als der steife Shechter.

Die Schalker gaben nun einige Bälle her, was die Lauterer auszunutzen wussten. In der 72. Minute konnte Kaiserslautern so de Wit einsetzen, der sich gegen drei Gegenspieler behauptete und die Flanke punktgenau auf den Kopf von Kouemaha brachte. Der stärkste Lauterer köpfte zum 2:1 ein. Die darauf folgenden Angriffsbemühungen der Gastgeber wurden hektischer und unpräziser. Sie verfielen in das alte Muster, auf zahlreiche Flanken zu setzen anstatt über das spielerische Element zu kommen. Die Lauterer verbarrikadierten sich um den eigenen Sechzehner und trotz zweier großer Kopfballchancen für Höwedes und einer Schusschance durch Raul blieb es beim Sieg für die Roten Teufel.

Fazit

Das Topspiel am Samstagabend bezog seine Dramatik vor allem aus den umstrittenen Pfiffen von Schiedsrichter Sippel. Die Schalker Fans sollten allerdings nicht allein dem Schiedsrichter die Schuld für die Niederlage geben. Bis zur roten Karte gegen Fährmann spielte Huub Stevens´ Mannschaft pomadig. Fehlende Laufbereitschaft, schlechtes Pressing und ein unansehnliches Offensivspiel verbesserten sich erst, nachdem sie in Unterzahl waren. In der zweiten Hälfte fehlte ihnen nach einem starken Beginn die Cleverness, nach dem Ausgleich die Partie zu beruhigen.

Die Lauterer zeigten eine sehr ansehnliche Leistung. Marco Kurz hatte seine Mannschaft gut eingestellt und gegen das Flügelspiel und die tief fallenden Stürmer des Gegners die richtigen Mittel gefunden. Nach der Pause hätte sich die Hereinnahme eines fünften Mittelfeldspielers angeboten, da sie kurz nach dem Wiederanpfiff die Kontrolle über das Mittelfeld verloren. Am Ende spielten die Pfälzer jedoch sehr klug und fuhren den entscheidenden Konter zum 1:2-Auswärtssieg.

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