Freitag, 31.10.2014

Bolton Wanderers – Chelsea FC 1:5 | Chalkboards

Für die Bolton Wanderers geht eine Serie zu Ende – man traf in sechs aufeinanderfolgenden Spielen auf die großen fünf Teams der Premier League. Auch gegen Chelsea setzte es hierbei eine berechtigte Niederlage.

Gäste-Trainer Villas-Boas änderte seine Mannschaft nach dem Unentschieden unter der Woche in der Champions League auf vier Positionen. Raul Meireles rückte für Mikel in die Mannschaft, Drogba ersetzte den in der Liga gesperrten Torres, Mata rückte wieder von rechts nach links, während auf erstgenannter Seite Sturridge spielen durfte, für welchen Malouda auf die Bank musste.

Auch sein Gegenüber Owen Coyle musste einige Veränderungen vornehmen: Für Eagles und Muamba kamen Kevin Davies und Gardner in die Mannschaft, Boyata rückte für den gesperrten Wheater in die Innenverteidigung.

Der junge Belgier war einer der Protagonisten dieser Partie – in positiver, aber vor allem in negativer Hinsicht. Über das komplette Spiel hatte Chelsea zu viel Platz – das Paradeproblem der Wanderers – und kam dabei besonders stark über halbrechts.

Das Loch in Boltons Struktur

Indem die Außenverteidiger der Blues weit aufrückten und den Gegner damit nach hinten drückten bzw. Petrov sich zu stark an Bosingwa orientierte und gleichzeitig Ramires, welcher auf der Position des halbrechten Mittelfeldspielers agierte, stark und zentraler als üblich, zumindest bei diesen off-the-ball-runs, aufrückte, konnte man auf der halbrechten Seite gegen den zudem ungewohnt als linken Innenverteidiger spielenden und somit recht unsicheren Boyata einen Raum kreieren, in den sich  entweder der erneut einrückende Mata, vor allem aber Sturridge, der dann gegen Robinson immer wieder sich durchsetzte, und der weit aufrückende David Luiz bewegen konnten.

 by Guardian Chalkboards

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Dies war der entscheidende Aspekt für die klare Überlegenheit der Gäste – in der ersten Halbzeit wurden alle vier Tore über diese Seite eingeleitet, Sturridge konnte zwei davon beitragen und legte außerdem eines vor, während der Innenverteidiger David Luiz aus dem Spiel heraus zwei Assists liefern konnte, einen für Sturridge und einen für Frank Lampard, welcher am Ende auf drei Treffer kam und Spieler des Spiels wurde.

Das starke Auftreten des ewigen Chelsea-Spielers wurde durch die erneut schwache Deckung des Raumes durch die Wanderers mit bedingt – man stand in den hinteren Reihen sehr tief, dabei aber völlig ungestaffelt, während der Stürmer und der offensivste der zentralen Mittelfeldspieler, meist Pratley, vorne attackierten.

Boltons Probleme mit dem Raum I

Chelsea machte das Spielfeld bewusst sehr tief, Bolton fiel darauf herein, ließ sich vorne zu leicht locken, dann auch zu leicht überspielen und folglich zu viele freie Räume im Mittelfeld, die Lampard – wie auch seinen Kollegen – gut zu Gesicht standen.

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Wenn man solch großen Raum zwischen den einzelnen Linien lässt, dann bekommt der Gegner nicht nur mehr Raum und Zeit zum Anbieten, Passen und Kombinieren, sondern kann den Pass selbst auch einfacher spielen, öfters vertikal, und hat mehr Optionen, weiterhin sind aus der Tiefe nach- bzw. vorstoßende Spieler viel schwerer zu verteidigen – und genau das nutzte Lampard bei beiden Treffern im ersten Durchgang mustergültig aus. Raul Meireles bot eine Absicherung, Luiz war durch sein Aufrücken für Pressing bei Ballverlust bereit. Dank seiner enormen Spielintelligenz und seiner Erfahrung mit dieser Art von Läufen konnte Lampard seine Vorstöße perfekt timen und im richtigen Moment dosiert einsetzten – dies gab Bolton den endgültigen Todesstoß, denn nach etwas mehr als 25 Minuten war die Partie mit einem Spielstand von 0:4 längst entschieden.

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Bolton war in diesem Spiel nicht zum ersten Mal ein unrühmliches Beispiel für eine Mannschaft, die Probleme mit der Tiefe hatte, zwar stand man tief und machte das von Chelsea tief gemachte Feld vorne ebenfalls tief, doch man konnte die Tiefe nicht abdecken, war also als Mannschaft tief, aber die einzelnen Spielergruppen hatten eben nicht die nötige Tiefe, was dem Gegner Räume – und im Speziellen ein großes Loch auf halbrechts – eröffnete.

Boltons Probleme mit dem Raum II

Ebenfalls muss kritisiert werden, dass die offensiven Spieler sich nicht nur zu leicht überspielen ließen, sondern auch nicht nachsetzten, N´Gog trottete vorne meistens herum, während Pratley Luiz bei dessen Vorstößen höchstens eskortierte, allerdings nicht attackierte, sondern eben nur neben ihm her lief – besonders auffällig wurde es, weil es aufgrund der Statur der Offensivspieler sehr ungelenk und staksig wirkte.

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Nach dem Seitenwechsel war es ausgerechnet Boyata, der nach einem Freistoß verkürzte, im Anschluss hatte Bolton einige gefährliche Szenen, doch ein weiteres Tor gelang ihnen trotz ihrer typischen Ausrichtung des schnellen Abschlusses nicht mehr, da Chelsea sich fing. Dass Lampard noch einen weiteren Treffer nachlegte, war angesichts des Raumes zwischen den Linien kein Wunder.

Die Causa Drogba

Das System der Londoner schien zwar nicht groß verändert – mit Ausnahmen der offensiveren und breiteren Rollen der Innenverteidiger sowie der zentraleren Positionierung Ramires´, welche dem Gegner geschuldet waren – im Vergleich zu den letzten Wochen, doch es sprang noch ein weiteres interessantes Detail ins Auge, welches von obigen Aspekten beeinflusst wurde.

Weil Ramires in bestimmten Situationen von rechts, wo er oft Luiz half, da Bosingwa verstärkt absichern musste, in die Mitte ging und Mata deutlich konstanter von der linken Seite wegtendierte, musste der Mittelstürmer das Gleichgewicht halten – Didier Drogba zeigte einen starken Linksdrang und war oft am Strafraumeck zu finden. Der Ivorer musste sich stark unterordnen und viel für seine Mitspieler tun, worunter seine individuelle Leistung etwas litt. In den nächsten Wochen wird es interessant sein, wann und wie Drogba zum Einsatz kommt und ob Villas-Boas bei der Rolle des Mittelstürmers einen – wie auch immer aussehenden – Kompromiss schließen muss, dies gar nicht will oder gar eine andere Lösung findet.

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Fazit

In diesem Spiel ging es nur um Raum – Bolton ließ zu viel offen, konnte den über halbrechts angreifenden Gäste-Spielern nie etwas entgegensetzen und hatte das Spiel somit bereits nach einem Viertel der Zeit verloren. Dass man individuell keine gute Leistung zeigte, machte die Sache ebenso wenig einfacher wie die schwache und unsichere Performance des unerfahrenen Ersatz-Keepers Adam Bogdán – Chelsea hatte viel zu leichtes Spiel.

Für Bolton endet nun die Zeit der starken Gegner. Gegen Manchester City konnte man noch mithalten, doch gegen Liverpool, gegen Manchester United und zuletzt gegen Arsenal traten immer wieder dieselben Probleme zutage – diese Niederlagen-Serie (zwischendurch unterlag man auch Norwich) brachte den letzten Tabellenplatz ein. Man wird sehen, wie sich die Mannschaft gegen Mitkonkurrenten schlagen wird.

Felix 7. Oktober 2011 um 18:31

“Bolton war in diesem Spiel nicht zum ersten Mal ein unrühmliches Beispiel für eine Mannschaft, die Probleme mit der Tiefe hatte, zwar stand man tief und machte das von Chelsea tief gemachte Feld vorne ebenfalls tief, doch man konnte die Tiefe nicht abdecken, war also als Mannschaft tief, aber die einzelnen Spielergruppen hatten eben nicht die nötige Tiefe, was dem Gegner Räume – und im Speziellen ein großes Loch auf halbrechts – eröffnete.”

Analysen zum Fußball können sich wie ein Gedicht lesen.

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