Real Madrid – Ajax 3:0

Mit Real Madrid und Ajax Amsterdam trafen zwei traditionsreiche Klubs im Bernabéu aufeinander, für Ajax war es ein echter Härtetest. Letztlich verlor man – aufgrund einiger kleiner Fehler im hinteren Defensivverbund – verdient, allerdings zu hoch.

Die Gastgeber, bei denen Mourinho auf der Trainerbank erneut von seinem Assistenten Aitor Karanka vertreten werden musste, agierten wieder mit dem jungen Varane neben Carvalho in der Innenverteidigung und wieder mit Arbeloa als Linksverteidiger. Im zentralen Mittelfeld gab Khedira in gewohnter Rollenverteilung, allerdings aufgrund der Begebenheit des Spiels von der Grundposition tiefer als üblich, den Partner von Xabi Alonso, während in der fluiden Offensivabteilung Kaká von Beginn an für di María spielte. Ajax trat mit der derzeitigen Bestbesetzung an, mit der man am Wochenende auch das Spitzenspiel gegen Twente bestritten hatte.

Verglichen mit jener Partie mussten sich die Godenzonen gehörig umstellen – von einem Gegner, der abwartend verteidigte und den Ballbesitz überließ, zu einem Gegner, bei dem dies umgekehrt sein würde. Ohne Ball reihte sich Ajax dann in einem 4-1-4-1 auf, erzeugte mit der vorderen Viererkette eine Schutzmauer und konnte die vorderen Offensivkünstler von den sechs tief stehenden Kollegen recht gut isolieren.

Hatte man selbst den Ball, sah man sich einem ähnlich verteidigenden Gegner gegenüber, die Madrilenen wählten in der Defensivarbeit ein 4-2-3-1 und bedienten sich ebenfalls der vorderen Kette als Sicherung, doch man attackierte früher als Ajax, für welche der konstante Druck auf die Innenverteidigung eine große Umstellung nach dem Ligaspiel war. Indem Él Real das gegnerische Mittelfeld spiegelte – Alonso deckte de Jong ab, Khedira verfolgte Eriksen – und mit seiner Abwehr hoch aufrückte, konnte sich Ajax, da die Maßnahme ein 3-4-3 bei Ballbesitz zu spielen, eher weniger brachte, trotz der Spielstärke der Innenverteidiger nur mit hohen Diagonalbällen auf die Flügelstürmer oder Vertikalpässen auf den sich fallen lassenden Sigthorsson befreien.

Wenn diese Pässe bei einer der beiden Mannschaften funktionierten, hatte man einigen Platz zwischen den Linien, weil die Isolation überspielt worden war, was ebenso wie das gute Antizipieren von vielen der 22 Spielern von Spielsituationen, zu einem offenen Spiel mit immer wieder wechselnden Ballbesitz-Momenten und einigen Chancen führte.

Im Verlaufe des Spiels wurden die Gastgeber allerdings stärker und stärker, da man vermehrt Lösungen fand, wie man gegen Ajax zu spielen hatte, und am Ende gab es drei sich mehr oder weniger bedingende, aber in jedem Fall gegenseitig beeinflussende Aspekte, welche zum Heimsieg für Real Madrid führten.

Özil und seine Rolle beim Aufreißen der Ordnung

Stein des Anstoßes bei diesen Faktoren war der diesmal nominell auf der rechten Angriffsseite agierende Mesut Özil, welcher sehr häufig weit in die Mitte rückte oder sich fallen ließ. Weil Ajax das Offensivquartett des Gegners sehr eng vom jeweiligen Gegenspieler decken ließ, konnte Özil mit seinen Laufwegen Anita aus dessen Position ziehen.

Indem seine Kollegen mit ähnlichen bzw. passenden Laufwegen auf Özil reagierten, konnte man den Defensivblock der Gäste aus der Ordnung bringen und somit besser nach vorne spielen. Durch den von Özil geschaffenen Raum konnte Benzema besser auf die Flügel rochieren, während Ramos weiter aufrücken konnte, womit man nicht nur das Feld viel breiter machte, sondern auch Boerrigter zurück zwang oder das Loch für schnelles Spiel nutzte.

Diese beiden Aspekte hatten extreme Auswirkungen, denn sie schwächten die vordere Viererkette Ajax´ und erzwangen eine improvisierte Verschiebung der Positionierung einiger Spieler im Defensivkonzept. Die Folge waren eine etwas instabile Grundordnung, Raum auf halbrechts für Khedira, mehr Raum für Ronaldo, Kaká sowie deren Wechselspielchen und natürlich das Wegfallen des vorderen Schutzschildes bei Ajax.

Wie Löcher das Verschieben erschweren

Der für dies alles verantwortliche Ausgangspunkt – das Loch auf halblinks in der Formation der Amsterdamer – bewirkte allerdings noch einen weiteren Aspekt. Nicht nur, dass die Spieler Real Madrids mehr Raum bekamen und man durch die ungeordneten Gäste besser hindurch spielen konnte – es zeigten sich die Probleme, wenn man zu diesem Loch verschob.

Befindet sich der Gegner dort in Ballbesitz und man verschiebt, sind die Wege für die eigenen Spieler logischerweise länger als normal, was dem gegnerischen Spieler aufgrund dieses länger andauernden Vorgangs mehr Zeit – oder auch weniger Druck – zum Pass sowie mehr Zeit zum Spielen des Passes bzw. für den Pass gibt, denn schließlich muss man auch nach dem Pass erneut verschieben, was dann wieder schwieriger wird, etc.

Besonders anfällig ist man dann für Spielverlagerungen, und genau das hatten alle drei Tore der Hausherren gemein. Nach einer Spielverlagerung von halbrechts auf links hatte man dort die Freiheiten, die man für drei Tore – nach wundervollem und geradezu erquickendem Kombinationsspiel erzielt – brauchte.

Ajax´ Probleme in der Abwehr

An diesen Toren zeigte sich aber auch eine weitere Schwachstelle im Ajax-System sowie die Tatsache, dass die Beschädigung des aus der vorderen Viererkette bestehenden Schutzschildes die grundlegende Kernproblematik war.

Ohne diesen Schutzschild wurden nämlich die intrinsischen Schwächen der hinteren Defensivabteilung schonungslos offen gelegt und immer bedeutsamer für die Niederlage – Real hatte so quantitativ nicht gerade viele Chancen, doch die Qualität jener Gelegenheiten war überdurchschnittlich hoch. Dass Cristiano Ronaldo an allen drei Treffern beteiligt war, war nicht nur durch das Loch auf halbrechts und die somit erleichterten Verlagerungen auf halblinks bedingt, sondern eben durch besagte Schwachstelle.

Ronaldos Gegenspieler Gregory van der Wiel ist niederländischer Nationalspieler und mit einem sehr hohen Marktwert beziffert, doch so hervorragend seine offensive Leistung mit Vorstößen, Dribblings, dem Schaffen von Breite und Flanken ist, so hanebüchen ist bisweilen seine Defensivarbeit. Bereits im vorletzten Ligaspiel gegen PSV war dies auffällig und angesichts der Partie gegen Twente hatte man bereits vermuten können, dass die Schwächen der Abwehrspieler in der Abwehrarbeit Ajax das Genick brechen könnten – und genau das geschah.

Van der Wiel untermauerte eindrucksvoll, dass Verteidigen weder seine große Stärke darstellt noch die der gesamten Mannschaft, indem er im Duell mit Ronaldo klar unterlegen war. An diesem Punkt zeigte sich jene intrinsische Schwachstelle des Systems, welche nicht nur in den – defensiv gesehen – einzelnen Individuen liegt, sondern auch an der Absicherung der Außenverteidiger. Mit einem offensiven 4-1-2-3/4-1-4-1 ist es sehr schwer auf außen zu doppeln – besonders wenn der Gegner aufgrund der beiden obigen Schlüsselaspekte mit seinen Verlagerungen den offensiven Schutzbild überspielen kann. Der Sechser steckt in einem Dilemma, da er entweder seinen Außenverteidiger alleine lassen oder das Zentrum – wie beim Musterbeispiel, dem 2:0 durch Kaká – entblößen muss, was beides absolut tödlich war.

Angesichts dessen muss man Frank de Boer schon fragen, ob er in diesem Spiel auf die Schwachstellen nicht reagiert haben müsste, doch holländische Trainer – so z.B. auch de Boers Mentor Louis van Gaal – sehen lieber die offensive Seite, wollen ihr Spiel durchdrücken – Mitte der ersten Halbzeit zog de Boer Siem de  Jong zurück und stellte auf 4-2-3-1 um, doch es gefiel ihm nicht, dass man so von Real weiter zurückgedrängt werden konnte – und zocken, dass die offensive Stärke stark genug ist, um die defensiven Schwächen zu kaschieren – sehr riskant, hier ging es daneben.

Nach dem 3:0 durch Benzema etwas zehn Minuten nach der Halbzeit war das Spiel entschieden, Real tat nur noch das Nötigste, während Ajax zu einer Fülle von Chancen kam, doch beide ließen die letzte Ernsthaftigkeit vermissen, weshalb das Spiel an Interessantheit verlor und nichts unbedingt Erwähnenswertes mehr hervobrachte.

Fazit

Nach einer ausgeglichenen und offenen Anfangsphase, in der beide Teams mit hoher Abwehr und der vorderen Kette als Schutzwand gut verteidigten, steigerte sich Real Madrid und konnte durch das Beschädigen dieser Kette ein Loch beim Gegner sowie deren Abwehrschwächen offen legen und daraus Kapital schlagen.

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