Donnerstag, 21.09.2017

Stoke City – Manchester United 1:1

Auswärts gegen das „Überraschungsteam“ von Stoke City ist nie eine einfache Aufgabe. Besonders, wenn Stoke nun zum dritten Mal hintereinander überrascht. Trotz der vielen Kritiken an ihrem Spielstil verändern sie ihn nicht, sie verbessern ihn sogar – und genau das sollte United zu spüren bekommen. Topscorer Rooney  fiel verletzungsbedingt aus und das sollte die Aufgabe keineswegs erleichtern und so reichte es nur zu einer Punkteteilung, doch ein Unentschieden ist kein tolles, aber auch keineswegs ein schlechtes Ergebnis der Red Devils gegen ein Team, welches man niemals unterschätzen sollte. Die Mannschaft von Tony Pulis schwingt sich langsam zum besten Team abseits der Big-Six auf, sie haben sogar Chancen, Arsenal und Co. im Kampf um die Europa-League-Plätze zu gefährden.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen zu Beginn

United trat einmal mehr mit ihrem 4-4-2 an, doch ohne Rooney und Welbeck fehlte es etwas an der Fluidität im letzten Drittel, welche diese Mannschaft diese Saison so ausgezeichnet hat. Mit Berbatov und Chicharito im Sturmzentrum hatte man mit dem Bulgaren einen technisch extrem starken Spieler in der Rolle Rooneys, doch da er nicht so dynamisch und ausdauernd ist, kann er diese Rolle trotz seiner Spielübersicht und Ballkontrolle nicht kopieren. Vielmehr gleicht es einem klassischen Sturmduo, mit einem Vorbereiter und einem Strafraumstürmer, wobei Chicharito viel mehr als das ist.

Der mexikanische Mittelstürmer ist nicht nur im Sechzehnmeterraum Spitzenklasse, ohne Ball zieht er seine Gegenspieler immer wieder aus ihrer Position und sorgt durch seine konstanten und spielintelligenten Bewegungen für Chaos – doch dieser Vorteil ging Manchester verloren, als Owen für Chicharito kam. In jüngeren Jahren noch ein sehr ähnlicher Typ, aber aktuell fehlt es dem ehemaligen englischen Nationalspieler an Durchsetzungskraft für diese Rolle, was besonders gegen die körperlich starke Defensive Stokes Probleme bereitete. Offensiv musste man sich auf flache Kombinationen gegen eine tiefe Abwehr und einen Geniestreich Nanis verlassen, der das 1:0 erzielte. Hinten hatte man mit den Flanken und körperlichen Fähigkeiten Stokes ein paar Probleme, doch großteils hatte die Innenverteidigung Ferdinand und Jones die Lage im Griff, viermal musste De Gea jedoch eingreifen – dreimal tat er es spektakulär wie erfolgreich, einmal verwandelte Crouch.

De Gea zeigte eine gute Leistung, fußballerisch ist er ohnehin über jeden Zweifel erhaben und auf der Linie zeigte er sich einmal mehr hervorragend, lediglich an der körperlichen Robustheit und beim Abfangen von Flanken muss er sich verbessern, doch man erkennt trotzdem, dass die Kritik der englischen Medien überzogen ist. Im defensiven Mittelfeld kam Anderson neben Fletcher zum Einsatz, der tiefer agierte und den verletzten Cleverley ersetzte. Allerdings merkt man, dass United mit Cleverley neben Anderson stärker war, nicht nur, dass der Brasilianer sich spielerisch mit seinem jungen Partner besser verstand, Cleverleys Pässe und spielerischen Fähigkeiten waren eminent wichtig für das Einleiten von Offensivaktionen und Bieten von sicheren Anspielstationen.

Augenfällig auch, dass mit Valencia und Evra zwei sehr dynamische und offensive Außenverteidiger aufgestellt wurden, die Etherington und Pennant behindern sollten. Die beiden Flügel Stokes sind die nahezu einzigen Spieler im Kader, welche sich mehr durch Dribblings und 1gg1-Situationen definieren, als alle anderen. Deshalb wählte Ferguson zwei sehr agile Außenverteidiger und ein weiterer Grund war, dass man offensiv den Raum der Außenspieler Stokes nutzen und sie gegebenenfalls zurückdrängen wollte.

Stoke trat mit einem 4-4-2 an, wobei der Fokus im zentralen Part des Spiels klar auf körperlicher Kraft liegt. Die Innenverteidiger, zentralen Mittelfeldspieler und Stürmer spezialisieren sich, auf welche Art auch immer, auf die körperlichen Aspekte des Spiels, während insbesondere die Außenspieler im Mittelfeld für die nötige spielerische Komponente sorgen. Mit Crouch und Walters besitzt man zwei Wandspieler vorne im Sturmzentrum, während Etherington und Pennant sie mit Flanken versorgen oder den Raum nutzen, den die Stürmer öffnen, um ein Solo zu versuchen. Selbst die Außenverteidiger Wilson und Wilkinson sind defensivorientiert und messen beide über 1,80m, was perfekt zu den Innenverteidigern passt – und noch mehr zur Rory Delap, welcher berüchtigt ist für seine langen Einwürfe. Mit dieser geballten Kopfballstärke, den hohen Bällen und Delaps Einwürfen stellt man fast jedes Team vor Probleme, Manchester Uniteds war keine Ausnahme und De Gea hatte ein paar Unsicherheiten in seinem Spiel, welches Stoke in die Karten spielte, allerdings machten die Reflexe des Spaniers seine kleinen Patzer wett.

Nanis Freirolle

Die Fluidität Uniteds vermisste man, aber es gab Anzeichen oder besser gesagt einen bestimmten Spieler, welcher sie umsetzte. Nani tauchte auf beiden Seiten auf und sorgte für Gefahr, als einer der wenigen Akteure der Red Devils zeigte er sich in bestechender Form und obwohl er gegen die defensivstarke Viererkette Stokes Probleme hatte, so war sein Tor wundervoll und seine Leistung sehr gut. Er rochierte auf die Seiten, übernahm Verantwortung und das Loch, welches er hinterließ, wurde von Fletcher und Valencia gestopft. Anderson agierte links, um Nani eine Anspielstation zu bieten, während Fletcher etwas nach rechts wich und Valencia aufrückte, womit man den Raum gesichert hatte. Mit dem noch etwas angeschlagenen Welbeck und Rooney in fittem Zustand sowie von Beginn an hätte die Partie wohl anders geendet, Nani hätte mehr Unterstützung gehabt und Young mehr Freiheiten für seine Offensivläufe. Dennoch kann man dieses Unentschieden, trotz fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen, nicht als unverdient bezeichnen, da Stoke gut dagegen hielt.

Stoke Citys Spielweise

Mit 221 Pässen durchschnittlich pro Spiel sind sie abgeschlagen Letzter in dieser Statistik – und das schon die dritte Saison in Folge. Das Gegenstück dazu, Swansea, eine ebenfalls individuell unterlegene Mannschaft, liegt sogar auf Platz vier mit 200 Pässen mehr, Manchester City hat sogar insgesamt 500 und somit doppelt so viele Kurzpässe pro Spiel – die Citizens lösen in dieser Statistik erstmals Arsenal seit vielen Saisons ab.

Es verwundert kaum, dass Stoke oftmals das Ziel großer und teilweise bösartiger Kritik ist, da viele Experten wie Fans sie als Schande für den Fußball ansehen. Taktische Fouls, versteckte Nickligkeiten und kick’n’rush machen sie zu keiner ansehnlichen Mannschaft, sehr wohl aber zu einer effektiven.

Innerhalb der letzten drei Jahre hat man sich individuell verbessert und greift nun sogar im ersten Tabellendrittel an. Kompliment an Toni Pulis, der sich in seinem Weg nicht beirren lässt und seiner Mannschaft eine „wir gegen alle“-Mentalität eingeimpft hat. Mit hohen Bällen, einfachen Spielzügen und einer ganz anderen Spielauffassung erfrischt man die Fußballwelt – ob positiv oder negativ, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ist Wayne Rooney unersetzlich?

Einer der Topspieler des europäischen Fußballs dieser Saison ist sicherlich Wayne Rooney. Der aktuelle Topscorer der Premier League verkörpert eine herausragende Rolle im neuen Spielsystem Manchester Uniteds, als nomineller Mittelstürmer lässt er sich immer wieder fallen und hilft im Mittelfeld beim Koordinieren der Angriffsbewegungen, dennoch fehlt er nicht an der vordersten Front und übt dadurch seine Torgefahr unvermindert aus. Neben einer herausragenden Reichweite seiner Pässe und einem großen Torriecher ist Rooneys Ausdauer eine Schlüsselfähigkeit in seinem Spiel, ohne die er seine Rolle nie so ausüben könnte. In Anbetracht dieser Vielzahl verschiedenster Eigenschaften auf höchstem Niveau sowie der Leistung seiner Mitspieler auf seiner Position stellt sich die Frage, ob überhaupt jemand Rooney ersetzen könnte. Kaum ein Spieler bringt solche vielfältigen Attribute mit und lässt sich trotz einer tiefen Rolle nicht in seiner Effektivität stören – es ist fraglich, ob ein Lionel Messi oder Sergio Agüero diese Rolle so verkörpern können, da Rooney nicht nur Vorbereiter und Torjäger ist, sondern gleichzeitig Koordinator, Dirigent im letzten Drittel, verkappter Spielmacher und wichtiges Mitglied der Defensivarbeit – seit seinem schwachen Saisonstart im letzten Jahr hat er sich deutlich verbessert und gehört zu den besten Allroundspielern der Welt, obwohl er ein Stürmer ist. Aktuell ist er wohl nicht zu ersetzen, doch eine Alternative wächst heran und sogar innerhalb Manchesters: Welbeck zeigte nach seiner Einwechslung gute Ansätze und ähnliche Attribute, wenngleich er noch nicht so präsent und athletisch ist wie Rooney, bei dem man abwarten muss, ob er nach seiner Pause die nötige Fitness für weitere Weltklasseleistungen wie bisher besitzt.

Fazit

Fußballerisch keine tolle Partie, taktisch aber durchaus auf einem hohen Niveau. Eine Punkteteilung war absolut gerecht und damit dürften beide Teams zufrieden sein, sogar Manchester United, die ohne den ein oder anderen Schlüsselspieler antreten mussten. Das 1:1 entsprach auch der Zahl an Torversuchen und man kann konstatieren, dass Stokes Mannschaft nicht den schönsten, aber doch einen sehr effektiven Fußball spielt und Pulis nur gratulieren, dass er damit erfolgreich ist, ob es einem selbst gefällt oder nicht.

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