Donnerstag, 24.08.2017

Liverpool – Wolverhampton 2:1

Nach den etwas enttäuschenden Ergebnissen der letzten Wochen hatten die Mannschaft des FC Liverpool vor heimischem Publikum einiges wiedergutzumachen. Mit den Wolves kam ein vermeintlich einfacher Gegner, doch von den Gästen erwarteten einige Experten die ein oder andere Überraschung  und es wäre nicht verwunderlich gewesen, wenn sie diese gegen den angeschlagenen FC Liverpool erzielt hätten.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen zu Beginn

Der Gastgeber begann mit einem 4-4-2, die Viererkette wurde von  Skrtel und Carragher im Zentrum sowie Enrique und Kelly auf den Außen gebildet. Auf der Doppelsechs agierten Lucas und sein offensiverer Partner Adam, welche hauptverantwortlich für das Aufbauspiel waren. Insbesondere Charlie Adam kann als primärer Taktgeber des ehemaligen Rekordmeisters angesehen werden, während Downing und Henderson auf den Seiten die gleiche Position mit unterschiedlichen Rollen ausüben. Linksaußen Stewart Downing sollte ebenso wie Henderson dem Spiel die nötige Breite im letzten Drittel geben, doch er hatte verstärkte Aufgaben im Bereich um den Strafraum herum, während Henderson spielgestalterischer agierte.

Das Sturmduo bestand einmal mehr aus Carroll und Suarez, wobei sie eine andere Rollenverteilung als noch vor einigen Wochen und Monaten besitzen. Oftmals agiert Suarez als schematisch höchster Stürmer, wenn auch nicht immer, und Carroll lässt sich fallen und fungiert für das Mittelfeld als Wandspieler. Interessant ist ebenfalls, dass sich Carroll wie beim letzten Spiel oftmals auf der linken Seite positionierte, um sich für weite Flanken anzubieten und den gegnerischen Außenverteidiger sowie den Innenverteidiger aus der Balance zu bringen. Dennoch kann man nicht sagen, Stearman auf rechts wäre in seinem Offensivdrang etwas eingeengt gewesen, da er schlichtweg auch keinen entfalten wollte. Der gelernte Innenverteidiger sorgte vielmehr dafür, dass Wards Ausflüge auf links mit einer Dreierkette in der Defensive, welche von Stearman als rechtem Innenverteidiger gebildet wurde, abgesichert waren.

Die Wolves begannen mit einem 4-5-1, wo Henry und Edwards hinter dem etwas offensiveren O’Hara absicherten. Jarvis und Hunt bildeten das Flügelpaar, das vorne Doyle als zentrale Anspielstation hatte und in der Defensive agierte man wie üblich mit einer Viererkette. Ward zeigte sich offensivfreudig, während Stearman, wie bereits erwähnt, defensiver orientiert war.

Später wechselten die Wolves zu einem 4-4-2, um weiter vorne attackieren zu können, da man in der ersten Halbzeit mit Jamie O’Hara vor dem tief postierten Henry und neben Edwards kaum hohes Pressing aufbauen konnte, was Liverpool  erlaubte, ihre weiten Bälle oft relativ unbedrängt zu schlagen. Allerdings sei dazu gesagt, dass Wolverhampton in Ballbesitz keineswegs schwach agierte, sondern den Ball für einen solchen Underdog gut halten und den Raum im Mittelfeld Liverpools gut ausnutzen konnte.

Carragher und fehlende Kompaktheit

Eines der Probleme Liverpools, die eine solide, aber keineswegs absolut überzeugende Leistung ablieferten, dürfte ihr Abwehrchef Carragher sein. Dem Urgestein fehlt es an Dynamik, um schematisch hoch zu agieren, da man weite Bälle nicht mehr rechtzeitig ablaufen und dadurch in die Gefahr geraten könnte, mit einfachsten Mitteln ausgekontert zu werden. Deshalb positioniert sich die Abwehrreihe eher tief, auch gegen schwächere Gegner und man kann nicht kompakt und dominant genug agieren, um den Ball vom eigenen Tor wegzuhalten respektive das gegnerische Tor im Minutentakt zu bespielen.

Das Mittelfeld und der Angriff rücken zwar auf, um letzteren Punkt zumindest theoretisch zu ermöglichen, aber die Abwehr schiebt nicht ausreichend nach, was viel Platz im Mittelfeld gewährt. Diesen offenen Raum versucht Lucas zwar auszufüllen, doch trotz seiner Spielintelligenz und herausragenden Laufarbeit kann dies nicht immer gelingen. Mit Carragher als Abwehrchef bzw. Bestandteil der Viererkette hat man zwar in den big-games einen Anführer und starken Manndecker, doch gegen nominell schwächere Mannschaften, wo man neunzig Minuten lang das Spiel machen müsste, passt er taktisch nicht ins System.

Fehlende Schnelligkeit zwingen ihn zu einer schematisch zu tiefen Rolle, was bedeutet, dass man die Kompaktheit aufgeben muss – gegen den schnellen Konterfußball der Teams aus den unteren und mittleren Tabellenregionen ist dies sehr gefährlich, was sich in der letztjährigen Statistik zeigte, wo man eine bessere Bilanz gegen die Topteams als gegen die schwächeren Teams der Liga hatte. Ob man mit Coates auf der Bank eine interne Lösung für dieses Problem besitzt oder ob man sich extern verstärken muss, ist fraglich, doch trotz Carraghers individueller Klasse spürt man das Alter an ihm nagen und man wird sehen, wie lange Kenny Dalglish noch an ihm als Stammspieler und Abwehrchef festhält.

Lucas, Adam und Gerrard

Eine andere Möglichkeit, das Problem der fehlenden Kompaktheit auf risikoreichere Art zu lösen, könnte das Mittelfeld selbst betreffen. Mit Charlie Adam hat man einen eher defensivschwachen und wenig agilen Partner für Lucas auf der Doppelsechs, was das Problem des offenen Raumes im Mittelfeld weiter verschärft.

Der Brasilianer spielt zwar sehr tief im Vergleich mit seinem Mittelfeldkollegen, doch die herausragende Laufarbeit, die er leistet, kann keine Konstante sein. Spätestens wenn Lucas verletzungsbedingt fehlt, werden die eklatanten Mängel dieser Ausrichtung zu sehen sein, doch eine Lösung könnte auf der Bank sitzen. Steven Gerrard, der erst wieder genesen ist, verkörpert einen ähnlichen Spielertyp wie Charlie Adam, doch er agiert defensivstärker, dynamischer und laufintensiver, was ihn zu einem herausragenden Partner Lucas‘ in diesem neuen System prädestiniert.

Der Kapitän ist box-to-box-player und Dirigent in einem, zwar lässt er manchmal Kreativität vermissen, doch seine Übersicht und seine Risikobereitschaft zum tödlichen Pass war für Fernando Torres vor ein paar Saisons extrem wichtig und dieselbe Wirkung könnte er auf Suarez haben. Doch nicht nur in der Offensive wäre es eine Steigerung, deutlich signifikanter wäre der Unterschied zu Charlie Adam, der selbst ein hervorragender Passgeber ist, in der Defensive.

Gerrard läuft viel, ist robust und hat Erfahrung, mit seiner und Lucas‘ Laufstärke könnte man das Loch im Mittelfeld dank der individuellen Stärke füllen, auch wenn es eine sehr mutige Alternative wäre, da das Grundproblem nicht gelöst ist und diese Spielweise nur von Lucas und Gerrard im Verbund so ausgeführt werden könnte. Es wird eine der zentralen Fragen dieser Saison für Kenny Dalglish und es wäre nicht verwunderlich, wenn er sie auf seine ganz eigene Weise beantwortet – ob mit einer dritten Möglichkeit oder der Verbindung einer dynamischeren Innenverteidigung und Gerrard als Partner von Lucas.

Fazit

Keine berauschende Vorstellung des Favoriten, aber doch ein verdienter Sieg gegen die Wolves. Der Gegner konterte zwar und spielte nicht schlecht, doch Liverpool hatte auch etwas Pech mit ihren Chancen und hätte ein paar Tore mehr erzielen – aber auch bekommen können. Die Abwehr und die generelle taktische Defensivorientierung waren nicht fehlerfrei und man wird abwarten müssen, ob sich dieser Zustand verbessert.

YNWA 26. September 2011 um 19:47

Vielen Dank für die gute Zusammenfassung. Dazu einige Kommentare:
1) Der Artikel beginnt mit der Feststellung, Liverpool habe nach den „etwas enttäuschenden Ergebnissen der letzten Wochen“ etwas wieder gut zumachen. Das klingt nach Vollkatastrophe, letztlich sind damit „nur“ wohl zwei Auswärtsniederlagen gemeint. Die Rückkehr von Gerrard und die tolle Vorstellung von Bellamy samt dem – zumindest in der ersten Hälfte überzeugenden – Sieg im Pokal sollte man auch nicht außer Acht lassen. Kurzum: So schlimm stand es nicht um LFC.
2) Die Kritik an Carragher mag berechtigt sein, das er nicht schneller wird dürfte offensichtlich sein; eine externe Lösung wird es wohl nicht geben, warum hätte man sonst Coates für ca. 8 Mio Pfund sich geholt? Das Buhlen um Jones, der letztlich zu Manu gegangen ist, passt da genau ins Bild. Weiter hat Comolli neulich gesagt, dass er aktuell keinen Bedarf für Kaderänderungen sieht.
3) Teile die Einschätzung, dass Gerrard auf der Positon von Adam wieder Stammspieler werden wird.
4) Letztlich braucht man Geduld. Wenn die Entwicklung von LFC so weiter geht, wird das eine große Freude werden. Von der Startelf waren gleich sechs Spieler vor einem Jahr noch nicht an der Anfiel Road.

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