FC Porto – Benfica Lissabon 2:2

Im meist erwarteten Spiel der Hinrunde trafen in der portugiesischen Liga die beiden Rivalen und stärksten Vereine des Landes, Triple-Sieger Porto und Rekordmeister Benfica, aufeinander.

Porto begann erneut im Standard-4-3-3, welches man bereits in der famosen letzten Saison unter Villas-Boas spielte und nun von dessen Nachfolger und früherem Co, Vitor Pereira, beibehalten wurde. Benfica spielt seit dieser Saison häufiger ein 4-2-3-1, vor allem gegen starke Gegner wie zuletzt Manchester United, und wandte dies dementsprechend auch in diesem Flutlicht-Spiel im ausverkauften Estadio do Dragao an.

Weil die Mittelfeldanordnungen der beiden Mannschaften gespiegelt waren, was häufig zu einer Balance der Kräfte oder einer Neutralisation führt, weil beide Teams, in besonderem Maße der Gastgeber, mit offensiven Außenverteidigern antraten, weil beide Teams in der Offensive Spieler hatten, die sich gerne auch ins Mittelfeld fallen ließen, und schließlich weil beide Teams früh attackierten und das Pressing recht weit vorne betrieben, entwickelte sich ein großteils ausgeglichenes Spiel, welches zwar intensiv, temporeich, emotional und umkämpft wurde, aber in dem eben deshalb beide Seiten nicht ihre stärkste spielerische Leistung ablieferten und keine Partei wirklich den entscheidenden Zugriff auf das Geschehen erhalten konnte.

Porto wirkte allerdings stärker und schien mehr Kontrolle zu besitzen, da man im Passspiel überlegen war und somit mehr vom Ball (56 % in der ersten Halbzeit) und die leicht besseren Torgelegenheiten für sich verbuchte – und stärker wirkten sie nicht nur, sondern waren sie auch, was an zwei entscheidenden, im folgenden aufgeführten Punkten lag, die für jene Chancen wie auch die Entstehung der beiden Porto-Treffer und letztlich auch fast für den Sieg verantwortlich zeichneten, wenn nicht Benfica zwei Minuten vor Spielende noch den Ausgleich durch Gaitán markiert hätte.

Die hohen Außenverteidiger

Es ist schon eine Art Tradition, dass bei Porto die Außenverteidiger eine sehr offensive Rolle einnehmen, unter Mourinho waren es Paulo Ferreira und Nuno Valente, später Bosingwa und Aly Cissokho, vergangene Saison besonders Linksverteidiger Álvaro Pereira.

Dieser spielt auch aktuell wieder eine wichtige Rolle, wird dabei von den etwas gemäßigteren Sapunaru oder – wie in dieser Partie – Fucile unterstützt. Durch das hohe Aufrücken entstehen für die Mittelfeldspieler mehr Anspielstationen, gleichzeitig wird das Spiel in die Breite gezogen. Die Flügelspieler rücken ins Zentrum ein und machen damit den Weg auf den Seiten für ihre Partner hinter ihnen frei.

Je länger das Spiel dauerte, umso höher agierte der Uruguayer Pereira und es schien teilweise so, als spiele er wie ein linker Außenstürmer. So konnte er angespielt werden und brachte mit seinen Hereingaben und Flanken Benfica einige Male in Verlegenheit – oder man musste ihn per Foul stoppen, was aber wie beim 1:0 zu gefährlichen Freistößen führte. Seine Bedeutung lag aber mehr im Stärken der Dominanz als im konstanten Kreieren von Chancen.

Ein weiteres Geheimnis der Stärke von Pereiras Flügelläufen liegt in der rechten Seite Portos verborgen – die beiden Aspekte, die Porto zur besseren Mannschaft in diesem Spiel machten, stehen folglich in einer wechselseitigen Beziehung, was für eine moderne taktische Struktur unabdingbar ist. Auf jener rechten Seite spielt Hulk, auf den sich das eigene wie das gegnerische Spiel sehr konzentriert, was direkt und indirekt mehr Raum für Pereira auf links öffnet.

Hulk

Ziel für Porto ist es, ihren Superstar selbst ins Spiel zu bringen oder die durch ihn entstandenen Räume zu nutzen. Um sich der gegnerischen Deckung zu entziehen, lässt sich Hulk meistens sehr weit fallen, was allerdings nicht – wie man vermuten könnte – dazu führt, dass seine Gefahr abnimmt, da er weiter vom Tor entfernt und in tiefen, äußeren Positionen leichter zu stellen ist, denn dies wird durch die herausragende Kombinationen von Dynamik und maschinenhafter Athletik verhindert. Vielmehr sieht sich Hulk bei seinen Diagonalläufen zum Tor hin nicht mehreren Gegnern gleichzeitig gegenüber, sondern hintereinander immer je einem einzelnen Akteur, was für ihn sowieso schon einfacher wäre, doch durch den langen Laufweg aus der äußeren Tiefe der gegnerischen Spielhälfte hat er bereits Fahrt aufgenommen.

Dies erklärt auch, wieso der rechte Verteidiger etwas gemäßigter agiert – erstens braucht Hulk auch die äußere Bahn für sein Spiel und zweitens bindet der eher spielstarke und ruhigere Außenverteidiger im Vergleich zum vertikalen, direkten und athletischen Außenverteidiger Marke Pereira eher einen Gegenspieler und kann im Notfall auch besser als Kombinationspartner dienen, falls Hulk allein keine Aktion gelingen kann.

Das diagonale Kreuzen des aufrückenden Guarín, welcher gerne auch die Räume hinter Hulk ausnutzt, trägt schließlich weiterhin zur Verwirrung und Ablenkung der Gegenspieler bei, was heute davon unterstützt wurde, dass die offensiven Mittelfeldakteure des Gegners bisweilen etwas inkonstant in ihrem Rückwärtsgang waren und es Hulk so ein wenig leichter machten.

Nach seinen Solos ins Zentrum zeigte er einige seiner berüchtigten Schüsse oder bediente eben Pereira, welcher auf links allein gelassen wurde – bedingt durch das Einrücken Varelas, die Konzentration auf Hulk und das schwache Zurücklaufen der Benfica-Offensive, womit man beim Verschieben die andere Seite viel weniger absichern konnte. Gelegentlich übernahm jener Varela diese Rolle (v0n Pereira), weil sein Job gleichzeitig von Guarín übernommen werden konnte.

Fazit

Porto verpasste es allerdings aus dieser Überlegenheit und einigen Torchancen den Sieg mitzunehmen, da man am Ende für das zu extreme Herunterspielen bestraft wurde. Dennoch war man in einem, von der Qualität her gesehen, durchschnittlichen Spiel eben etwas besser.

Große Aufschlüsse verriet das Spiel allerdings nicht – Porto spielt fast genauso wie aus der letzten Spielzeit bekannt, während Benfica ordentlich spielte, in den hinteren Reihen erneut gut verteidigte.

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