1. FC Kaiserslautern – FSV Mainz 05 3:1

Im Topspiel der Fußball-Bundesliga am Samstagabend trafen am Betzenberg die Mannschaften aus Kaiserslautern und Mainz aufeinander. In einem durchschnittlichen Spiel behielt Kaiserslautern schließlich mit 3:1 die Oberhand, obwohl Mainz-Trainer Tuchel zunächst wie der Sieger im Trainerduell aussah.

4-4-2 vs. 4-4-2 – Kurz analysiert gut

Grundaufstellungen

Bei der Startformationen entschieden sich beide Trainer für ein 4-4-2-System. Dabei ließ FCK-Trainer Kurz seine Spieler in der Defensive kurz vor der Mittellinie auf die Mainzer lauern. Die Lauterer spielten damit ein klassisches Mittelfeldpressing mit möglichst kleinen Abständen zwischen den Mannschaftsteilen. Besonders den Abstand zwischen dem Mittelfeld und dem Sturm hielt der FCK extrem eng, doch dazu später mehr.

Die Gäste aus Mainz spielten ebenfalls in einem 4-4-2, jedoch in einer anderen Ausrichtung. Wie gewohnt spielten sie relativ offensiv, die Innenverteidiger schoben weit nach außen und die Außenverteidiger weit nach vorne, sodass der Gegner die Defensive strecken musste um alle Spieler abzudecken.

Jedoch war es den  Mainzern kaum möglich, ihren bekannten Spielaufbau über die beiden defensiven Mittelfeldspieler, Soto und Polanski, durchzuziehen, da diese schlichtweg keinen Platz fanden um zu spielen. Denn wo immer sie spielten, die beiden Lauterer Stürmer und die beiden Zentrumspieler machten es ihnen unmöglich, den Ball in der gegnerischen Hälfte anzunehmen.

Darüber hinaus wurde durch die beiden Stürmer auch direkter Druck auf die Mainzer Innenverteidigung ausgeübt sodass man den Ball häufig schnell und hektisch nach vorne spielen musste. So war das Mainzer Spiel durch die Hausherren komplett lahmgelegt.

Mainz seinerseits versuchte es mit einem weniger klassischen 4-4-2. Bei den Domstädtern spielten mit Allagui und Choupo-Mouting zwei bewegliche Spieler im Sturm. Keiner von beiden hielt so wirklich das Zentrum, sie ließen sich auf die Außen oder in die Tiefe fallen und durchbrachen so die starre Zuordnung im Duell zweier 4-4-2-Systeme. Jedoch konnten sie in den wenigsten Aktionen eine effektive Überzahl schaffen oder Raum zwischen den Mannschaftsteilen der Gastgeber finden, obwohl dieser durch die relativ hohe Positionierung durchaus da gewesen wäre.

Mainz geht in Führung, Kaiserslautern gelingt der Ausgleich

Die favorisierten Gäste gingen nach einer sehenswerten Kombination über rechts in der 15. Minute durch Choupo-Mouting in Führung. Daraufhin agierten sie etwas souveräner als zuvor, ohne nach vorne gefährlich zu sein. Defensiv aber standen die Nullfünfer gut und ließen wenig zu. Allerdings musste man in der 24. Minute den Ausgleich hinnehmen, nachdem Innenverteidiger Svensson den Ball unglücklich abfälschte und dieser über den vorm Tor stehenden Müller ins eigene Tor flog.

In der Folge hatte das Spiel bis zur Pause wenige Höhepunkte, die Mannschaften neutralisierten sich im Mittelfeld und bestritten viele Zweikämpfe, was durch die direkten Gegenspieler auch nur natürlich war.

Tuchel gewinnt die Systemschlacht…

Grafik 1: Beide Teams im 4-4-2, jeder mit direktem Gegenspieler; Grafik 2: Mainz mit einem freien Mann im DM; Grafik 3: FCK stellt um und stellt Gleichheit in der Zentrale her; Grafik 4: Tuchel drückt K'Lautern weit zurück und gewinnt den freien DM zurück

Zur zweiten Halbzeit formierte Gäste-Trainer Tuchel seine Spieler in einem 4-1-4-1-System, welches den Mainzern eine Überzahl im zentralen Mittelfeld bescherte. Durch den defensiven Mittelfeldspieler konnte die offensive Viererreihe weiter vorrücken, sodass die Gastgeber mit ihrer zweiten Kette ebenfalls tiefer agieren mussten, um den Mainzern keine Anspielmöglichkeiten zwischen Abwehr und Mittelfeld zu gewähren.

In der Folge hatten die Mainzer mehr Platz im defensiven Mittelfeld für den Spielaufbau, zudem hatten die Innenverteidiger etwas weniger Druck durch die Lauterer Stürmer, weil diese durch die größeren Abstände verstärkt nach hinten absichern mussten.

Kurz diskutierte deswegen schon Anfang des zweiten Durchgangs während einer Unterbrechung mit seinem Kapitän Tiffert über eine neue Strategie, anscheinend einigte man sich auf eine Systemumstellung hin zu einem 4-3-3, wodurch im zentralen Mittelfeld wieder Gleichheit hergestellt war. Diese Umstellung erfolgte schließlich in der 60. Minute nach der Hereinnahme von Kouemaha für Walch.

Schon acht Minuten später hatte Tuchel eine Antwort auf dieses System gefunden, indem er auf eine offensive Raute umstellte und mit zwei zentralen Stürmern agierte. Anders als in vielen Spielen der vergangenen Saison und zu Beginn dieser Spielzeit war das System aber nicht ein 4-3-1-2, sondern eher ein 4-1-3-2, also mit drei offensiven Mittelfeldspielern.

Diese hatten den Effekt, dass jeder zentrale Mittelfeldspieler des FCK einen direkten Gegenspieler hatte, Mainz aber zusätzlich noch einen freien Mann im defensiven Mittelfeld zur Verfügung hatte, der von den übrigen Lauterern auch nur schwer zu übernehmen war: Der einzige Stürmer musste sich um beide Innenverteidiger kümmern, hätte sich als weit zurückfallen lassen müssen und die Mainzer Innenverteidiger damit beim Spielaufbau nicht mehr stören können, die Außenstürmer hatten mit den offensiven Mainzer Außenverteidiger ebenfalls genug zutun, sodass dieses System für den Spielaufbau praktisch perfekt gewählt war.

…aber der FCK gewinnt das Spiel

Tuchels Systemänderung hin zum extrem offensiven 4-1-3-2 war jedoch auch dadurch bedingt, dass die Hausherren in der 54. Spielminute durch Shechter in Führung gegangen waren. Dieser hatte ein großes Durcheinander im Mainzer Strafraum im Anschluss an einen Eckball genutzt und den Ball aus kurzer Distanz im Tor untergebracht.

Im Anschluss verlor Mainz etwas den Faden, auch die Umstellung auf das neue System brachte keine Besserung. Den endgültigen K.O. versetzte Tiffert den Gästen, als er in der 73. Minute per Kopf zum 3:1 traf.

Daraufhin war den Mainzern anzusehen, dass sie nicht mehr an eine Wende glaubten und so brachte auch der Systemvorteil keinen praktischen Vorteil mehr. Daher blieb es am Ende bei einem 3:1 für die Gastgeber, die kämpferisch überzeugten, spielerisch das taten, was man von ihnen erwarten konnte und taktisch logisch auf die Schachzüge Tuchels reagierten. Man hatte aber auch Glück bei allen drei Toren, da bei jedem davon ein Mainzer den Ball unglücklich ablenkte, zudem fielen die Treffer genau in den Phasen nach den Umstellungen Tuchels sodass diese nicht richtig zur Geltung kommen konnte.

Fazit

FCK-Trainer Kurz hatte den Spielaufbau der Mainzer gut zerstört durch die sehr engen Abstände zwischen Mittelfeld und Sturm, zudem verhinderte die Doppelspitze ein ruhiges Aufbauspiel der Innenverteidiger. Nach vorne waren beide Teams zunächst harmlos, die Mainzer gingen nach einem schönen Angriff in Führung, beim Ausgleichstreffer spielte den Lauterern das Glück in die Karten.

Tuchels Umstellung auf ein 4-1-4-1 brachte zunächst Vorteile im zentralen Mittelfeld, verlor jedoch durch das 2:1 für K’lautern an Wirkung und wurde mit dem 4-3-3 gut gekontert. Nach einem Doppelwechsel stellte Tuchel auf 4-1-3-2 um, was den Mainzern offensichtliche Vorteile im Spielaufbau verschaffte, durch das 3:1 war die Umstellung aber nicht mehr spielrelevant, sodass der FCK den ersten Saisonsieg einfahren konnte.

Slash 22. September 2011 um 20:55

Danke, dass Ihr auch Spiele solcher kleinen Vereine wie Lautern und Mainz analysiert. Ein hervorragender Artikel!

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Phoenix 22. September 2011 um 23:59

Ich finde das sehr interessant geschrieben. Allerdings hab ich einige Anmerkungen. Ich denke das man die Systemumstellung beim FCK auch ohne die Einwechslung von Kouemaha für Walch hätte vollziehen können. Wirklich relevant war das nicht, ich denke Walch war einfach nicht so gut drauf, aber auch der hätte einen RA spielen können. Zum anderen weiß ich nicht ob das System der Mainzer gegen Ende wirklich was gebracht hätte, selbst wenn der FCK nicht mit 3:1 in Führung gegangen wäre. Auffällig war das der FCK 8 Km mehr gelaufen ist in dem Spiel und somit vllt auch so auf den Systemwechsel hätte reagieren können. Zumal ich nicht weiß ob der freie DM wirklich den entscheidenden Vorteil gebracht hätte, wenn Vorne die Anspielstationen abgedeckt sind.

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Petty80 20. September 2011 um 17:24

Würde behaupten das die 05 zum Anfang in einem 4-2-3-1 system gespielt habe…
Allagui vorne, Choupo dahinter, Stieber und Risse wechselten schon nach ein paar Min. die Seiten…
Die Rolle von Choupo-Mouting…
„Keiner von beiden hielt so wirklich das Zentrum, sie ließen sich auf die Außen oder in die Tiefe fallen und durchbrachen so die starre Zuordnung im Duell zweier 4-4-2-Systeme“
Er war eben auf der 10 und nicht zweiter Stürmer und hat durch seine Technik und Körpereinsatz sehr gut die Bälle verteilt… so kam Mainz ein paar mal gefährlich hinter die Viererkette…

Alles weitere gut analysiert. Top.

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