Donnerstag, 21.09.2017

Hannover 96 – Standard Lüttich 0:0

Nach der überstandenen Europa League Playoff Runde ging mit der Gruppenphase der internationale Wettbewerb für Hannover 96 endlich richtig los. Am ersten Spieltag war mit Standard Lüttich der belgische Pokalsieger zu Gast. Die Niedersachsen zeigten nur phasenweise ihr berüchtigtes Konterspiel und müssen sich nun mit einem torlosen Remis zufrieden geben.

Startformationen.

Startformationen

Lüttichs Trainer, Jose Riga, verzichtete auf Mbaye Leye, den bisher besten Torschützen von Standard Lüttich in der Liga, und setzte auch Mohamed Tchité auf die Bank. Dafür stürmte der Ivorer Cyriac im 4-2-3-1 System und Geoffrey Mujangi Bia durfte auf der rechten Seite beginnen.

Christian Schulz fiel bei Hannover 96 aus und wurde vom etatmäßigen Rechtsverteidiger und Kapitän Steve Cherundolo ersetzt, für den Sofian Chahed rechts in der Abwehrkette spielte. Dazu kam Mohammed Abdellaoue zurück ins Team und bildete wieder mit Schlaudraff den Sturm.

Auf eine gute Anfangsphase folgt Sicherheitsfußball

Gegen Sevilla wurde zu Beginn stark gepresst um dann schnell umzuschalten, der Umschaltmoment und Konter sind die Stärke der Hannoveraner. Vor heimischem Publikum versuchte Hannover nun zunächst das Spiel zu machen und kam auch über die Außen zu Gelegenheiten im Strafraum. Schlaudraff bewegte sich wie gewohnt auf die Außenbahnen und im Mittelfeld lenkte Pinto das geschehen, während Schmiedebach nach vorne stoßen durfte.

Lüttich verteidigte mit zwei 4er-Reihen und setzte auf Konter. Dabei bewiesen die Verteidiger ihre Zweikampfstärke. Nach einer passablen Anfangsphase mit Kombinationen über Außen, einem Freistoß nahe am Strafraum und einem Kopfball von Pogatetz fanden die Gäste in der Abwehr gut ins Spiel und ließen immer weniger zu. Hannover hatte mehr vom Ball und war gezwungen das Spiel zu machen. Wenn aber einmal Gelegenheit für schnelle Gegenstöße war, dann fehlten präzise Anspiele.

Nach den ersten 10 Minuten wachte Lüttich auch im Angriff etwas auf, insgesamt fehlte dem Spiel beider Mannschaften aber das Tempo um mitreißend zu sein. Lüttich griff zunächst ab der Mittellinie, später auch weiter vorne, den ballführenden Spieler an. Dabei erzeugten sie Überzahl in Ballnähe und verleiteten Hannover vermehrt zu langen und ungenauen Pässen.

Die Hausherren blieben beim zurückhaltenden Spiel und pressten kaum. Van Damme unterstützte seinen Verteidiger auf der linken Seite gut, rechts zeigte Opare eine starke Partie, so dass sich Mujangi Bia mehr auf die Offensive konzentrieren konnte.

Mujangi Bia war es auch, der in der 18. Minute von Vainqueur mit einem diagonalen Pass hinter Cherundolo eingesetzt wurde. Doch seine Flanke fand nur den gegnerischen Innenverteidiger. Ein paar Minuten später konnte sich Schlaudraff auf halbrechter Position durchsetzen, seine Hereingabe erreichte Abdellaoue nicht. Der sah nicht wirklich fit aus und wurde zur Pause durch Didier Ya Konan ersetzt. Jan Schlaudraff war zwar der aktivste Angreifer, aber dynamische Aktionen wie beim Sprint hinter die Abwehr waren in Hannovers Spiel Mangelware.

Aus taktischer Sicht zu bemerken war, dass Pinto und Schmiedebach im Laufe der ersten Hälfte die Seiten tauschten, so konnte Pinto die Verteidigung gegen Mujangi Bia unterstützen und Schmiedebach die Angriffe über rechts mit anschieben.

Bis zur 35. Minute hatte Lüttich 67% seiner Zweikämpfe gewonnen und damit, obwohl Hannover den Ball kontrollierte, das Spiel offen gehalten. In den letzten 10 Minuten der ersten Hälfte machte 96 erneut Druck, jetzt auch wieder mehr über die linke Seite und Schlaudraff hatte die beste Chance zur Führung mit einem Heber an die Latte in der 40. Minute.

Trotz Unterzahl im Mittelfeld mehr Ballbesitz

Im Normalfall sollte ein System mit drei zentralen Mittelfeldspielern ein Duo in diesem Bereich beherrschen, doch Hannover hatte am Ende des Spiels über 60% Ballbesitz und war auch die aktivere Mannschaft gewesen.

Hannover machte die personelle Unterlegenheit im Zentrum auf zwei Arten wett­.

  1. Die meisten Angriffe liefen über die Außenpositionen, dort war man nicht in Unterzahl.
  2. Jan Schlaudraff bewegte sich oft nach Außen, um den Aufbau oder Kombinationen zu unterstützen.

Dazu wurde Hannover der Ball regelrecht überlassen, weil Lüttich eher spät angriff. Sie versuchten in der Verteidigung auf Außen Überzahl zu erzeugen, in dem van Damme, Vainqueur und Pocognoli auf den ballführenden Spieler rückten.

Seitenwechsel und Abseitsfalle

Durch die Einwechslung von Ya Konan wurde das Offensivspiel zunächst belebt: Jan Schlaudraff war nicht mehr der einzige Stürmer, der sich nach Außen bewegte. Doch auch die zweite Hälfte fiel bald in den Trott des ersten Durchgangs. Schmiedebach und vor allem Schlaudraff auf der Seite Hannovers und Mujangi Bia, Vainqueur und Berrier bei Lüttich versuchten zwar das Offensivspiel ihrer Teams anzuschieben, doch dominiert wurde das Spiel von den Abwehrreihen die sich zweikampfstark und gut im Stellungsspiel zeigten. Besonders Hannovers Abseitsfalle funktionierte gut. Van Damme lief 3-mal und Cyriac 4-mal ins Abseits, bei Hannover schaffte es Schlaudraff mit 3 Abseitsstellungen in die Statistik.

Gefährliche Torschüsse oder Großchancen erspielten sich beide Teams nicht. Lüttich hielt sich mit 6 Torschüssen (1 aufs Tor) vornehm zurück. Wie in der Grafik zu sehen, wurden alle Schüsse etwa von der Strafraumgrenze abgegeben, ins 1 gegen 1 mit dem Torwart ging es nie. Auch nicht nach der Einwechslung von Tchité für Cyriac.

Hannovers Chancen waren zahlreicher und von höherer Qualität, aber auch nicht so zwingend, dass mehr als ein Tor verdient gewesen wäre (2 von 11 Schüssen aufs Tor). Slomka machte im Interview nach dem Spiel nicht den Eindruck, enttäuscht von der Mannschaft zu sein und hatte nicht die Anweisung gegeben den Sieg zu erzwingen.

Fazit

Ein eher müder Kick, in dem Hannover zwar phasenweise engagiert nach vorne spielte aber selten inspiriert wirkte, ging mit einem gerechten 0:0 zu Ende. Die Niedersachsen zeigten kein druckvolles Pressing und waren im Angriff hauptsächlich von Jan Schlaudraff abhängig. Gleichzeitig ließ 96 aber in der Abwehr wenig anbrennen und schaukelte das Spiel nach Hause.

Standard Lüttich zeigte sich besonders in der Abwehr zweikampfstark und positionssicher. Beide Innenverteidiger ließen wenig zu und die Außenverteidiger schalteten sich überlegt mit nach vorne ein. Besonders zu gefallen wusste William Vainqueur, der im defensiven Mittelfeld am meisten austeilte (4 Fouls), auch einsteckte (3-mal gefoult worden), und dazu einige Konter einleitete.

Von Hannover kann der Zuschauer mehr erwarten als in diesem Spiel gezeigt wurde. Für den ersten Spieltag der Gruppenphase ist das Ergebnis akzeptabel. Im Spiel nach vorne ist in Europa aber eine konstante Leistung notwendig, ein Schlussspurt am Ende jeder Halbzeit reicht nicht aus.

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