FC Sunderland – FC Chelsea 1:2

Um mit dem abermals siegreichen Teams aus Manchester mithalten zu können, benötigte die Mannschaft von Villas-Boas einen Auswärtssieg gegen Sunderland. In einem abermals überraschend fairen Spiel der englischen Liga mit sage und schreibe ganzen zehn Fouls (drei davon von Chelsea) sah man ein unterhaltsames Spiel mit dem besseren Ende für die Blues.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen zu Beginn des Spiels

Der Gastgeber trat mit einem stark verzogenen 4-4-1-1 an, in welchem Sessegnon hinter Neuzugang Bendtner agierte. Sessegnon hätte mit seinen Dribblings und seiner Dynamik die weiten Bälle, welche Bendtner dann abprallen ließ, aufnehmen und verwerten sollen, doch gegen Ivanovic und Terry war dies kein effektives Mittel. Rechts im Mittelfeld spielte Larsson und links Colback, wobei jener aufgrund der vielen Vorstöße Ramires‘ defensiv viel mitarbeiten musste und nach hinten gedrückt wurde. Cattermole und Gardner bildeten die Doppelsechs, wobei Cattermole die Kreise Lampards und später Matas hätte stören sollen, was nicht wirklich gelang. Die Viererkette war relativ klassisch aufgestellt mit schematisch leicht aufgerückten Außenverteidigern, die in ihrem Vorwärtsgang aktiv, aber nicht ungezügelt waren, um die Innenverteidiger nicht blank dastehen zu lassen.

Chelsea trat im gewohnten 4-3-3 an, doch es gab einige interessante Details zu beobachten.

Bosingwa hielt sich in der Offensive zurück und Ramires übernahm diese  Rolle, indem er sich oftmals nach rechts bewegte und dem Spiel die nötige Breite gab. Einige Male schaltete sich Bosingwa mit ins Offensivspiel ein, hier übernahm Ramires dann entweder die defensive Verantwortung und sicherte ab oder bildete ein Pärchen durch das Anbieten als Anspielstation im halbrechten Mittelfeld.

Links brach Mata mit Villas-Boas‘ Tradition, dass der linke Flügel dem Spiel die nötige Breite geben sollte und rochierte immer wieder nach innen, was Cole zu einer sehr offensiven Rolle zwang. Lampard hielt sich offensiv etwas zurück und kümmerte sich mit Neuzugang Meireles auf der Sechs um den Spielaufbau. Anelka begann rechts im Sturm, zentral agierte Sturridge statt Torres, der sich nur auf der Bank wiederfand.

Das Spielgeschehen dominierte Chelsea, doch man konnte sich kein wirkliches Chancenplus gegenüber dem kick’n’rush Sunderlands erspielen, in dieser Rubrik endete das Duell mit 19:13 für Chelsea, doch im Ballbesitz wurde der spielerische Unterschied schon deutlicher: 60% Ballbesitz verbuchten die Blues für sich. Der aufgrund einer Ecke aufgerückte Terry erzielte den Führungstreffer, das 2:0 machte Sturridge mit einem tollen Abschluss im 1-gegen-1, nachdem ein Konter gegen die zur Offensive verleitete Mannschaft Sunderlands schnell ausgespielt wurde. Selbst der Anschlusstreffer gegen Ende des Spiels konnte nicht mehr für wirkliche Spannung sorgen und so kam es letztlich trotz keiner berauschenden Leistung Chelseas zu einem verdienten Sieg.

Raul Meireles, Kreativität von hinten statt vorne

Auffällig war der Startelfeinsatz des neuen Spielers von Chelsea. Raul Meireles, erst vor wenigen Tagen von Liverpool gekommen, begann auf der Sechs und spielte somit auf der tiefsten Position im Mittelfeld. Obi Mikel, der bislang einen sicheren Stammplatz hatte, ist ein deutlich anderer Spielertyp als Meireles und wird sich wohl im Großteil der Spiele hinter dem Portugiesen einordnen müssen. Die Ursache dafür ist, dass Chelsea im Normalfall sehr hoch agieren muss und Ramires sowie Lampard nur schwer aus der Mannschaft heraus zu rotieren sind, beiden geht aber etwas  Kreativität ab und deshalb ist es nur allzu logisch, dass Meireles auf die Sechs rückt. Einerseits kann er Lampard und die Innenverteidigung beim Spielaufbau entlasten, andererseits werden seine körperliche Stärke und seine technischen Fähigkeiten ins beste Licht für die Mannschaft gerückt. Zwar muss er seine Ausflüge nach vorne etwas zügeln, doch dies gelang ihm bereits sehr gut, wie man hier erkennen kann:

Somit fungierte er als klassischer deep-lying-playmaker, welcher halblinks von einem spielmachenden und –intelligenten Routinier unterstützt wird, halbrechts von einem dynamischen box-to-box-midfielder, welcher ihm etwas an Defensivarbeit abnimmt – theoretisch eine ideale Konstellation, die einiges verspricht.

Eine falsche Neun für Chelsea?

Der vielleicht spektakulärste Wechsel war Sturridges in die erste Elf statt Millioneneinkauf Fernando Torres. Der Spanier hatte im ersten Saisonspiel eine gute Leistung mit viel Laufbereitschaft gezeigt, doch diese Flexibilität nahm mit den Spielen etwa ab. Insbesondere mit Anelka und Drogba im Team verlor er an Präsenz auf dem Platz und es war ein mutiger, aber keineswegs nicht-nachvollziehbarer Akt Villas-Boas‘, dass er ihn nun trotz der Verletzung Drogbas auf der Bank ließ. Mit Anelka im rechten Sturm und Sturridge im Zentrum begann man, doch im Laufe des Spiels zeigte sich, dass der junge Engländer mehr in petto hat, als seine technische Stärke und seine Dynamik. Immer wieder riss er Löcher in die gegnerische Abwehr und verließ das Sturmzentrum zugunsten Anelkas, doch in den entscheidenden Momenten – wie zum Beispiel bei seinem Treffer – rückte er wieder nach vorne und strahlte Gefahr aus. An den Heatmaps kann man sowohl das Wechselspielchen mit Anelka als auch seine hängende Rolle sehr gut erkennen.

Man wird sehen, wie oft Sturridge Torres und Co. noch vorgezogen wird, doch sein Treffer und seine taktische Stärke bestätigten nicht nur seine Aufstellung in diesem Spiel, sie könnten ihn auch in Zukunft unverzichtbar machen.

Ramires und Mata sorgen für ein verkapptes 4-4-2

Ein weiterer sehr interessanter Aspekt waren die Rollen von Juan Mata und Ramires. Letzterer eigentlich der halbrechte Mittelfeldspieler, ersterer nominell auf dem linken Flügel beheimatet, doch unter Berücksichtigung der genauen Laufwege kann man auch eine gänzlich andere Positionsbeschreibung erstellen.

Ramires zeigte sich sehr oft auf der Grundlinie und machte das Spiel breit, somit gewährte er zentral Lampard und eben Mata Raum, was letzterer umgekehrt auch für Ramires machte. Beide Spieler übernahmen folglicherweise ähnliche Aufgaben in der Offensive, wenn auch Ramires defensiv mehr Verantwortung trug und schematisch tiefer agierte. Nichtsdestotrotz erinnert diese Konstellation an ein klassisches flaches Vier mit einer tiefen, wenn auch spielstarken Doppelsechs mit einem tiefen Spielmacher (Meireles) und einem offensiveren Spieler (Lampard), welche von zwei laufstarken und dynamischen Spielern flankiert wird. Ramires auf rechts und Mata auf links liefen beide viel und paradoxerweise war es sogar Mata, welcher zentraler agierte als der Brasilianer und deshalb dieses mögliche verkappte 4-4-2 zu einem 3-5-2 ausweitete, da Ashley Cole eine extrem offensive Rolle verkörpern musste. Unter Taktikfreaks könnte sich hier viel Diskussionsstoff entwickeln, wie genau eine solche asymmetrische Formation zu klassifizieren ist, das grundlegende Schema bleibt aber immer gleich: der Raum wurde zentral und auf beiden Seiten von verschiedenen Spielern besetzt und es ist müßig darüber zu diskutieren, von wem, sondern vielmehr ob und wann er gesichert war.

Fazit

Ein spielerisch wie taktisch ansprechendes Spiel hatte abermals die Blues als Sieger, die sich zwar nicht ganz so spektakulär wie die Konkurrenz aus Manchester zeigen, aber dennoch Schritt halten können. Sunderland versuchte mit langen Bällen und schnellen Kontern Chelsea zu ärgern, doch der Vizemeister ließ sich nicht lumpen und holte sich die drei Punkte aus Sunderland.

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