AS Roma – Cagliari Calcio 1:2

Für neue und insbesondere junge Trainer sind erfolgreiche Einstände bereits ein Schlüssel zu mehr Akzeptanz – ob bei Fans oder Vorstand. Es war deshalb wenig verwunderlich, dass Luis Enrique mit seiner Roma offensiv gegen Cagliari agierte, doch ein Sieg zum Debüt sollte ihm dennoch verwehrt bleiben.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen zu Beginn

Beide Mannschaften traten in einem 4-3-3 an, in welchem die vorderste Position von einem spielmachenden Stürmer besetzt wurde. Bei der Roma war dies der Veteran Totti, bei den Gästen Cossu, ein dribbelstarker und ungemein kreativer Spieler, der ebenso bereits über dreißig ist. Der Unterschied zwischen den beiden lag jedoch in ihrer Interpretation der jeweiligen Position, denn Totti ließ sich immer wieder hängen und gestaltete das Spiel, so dass es fast wirkte, als ob Osvaldo der eigentliche Mittelstürmer sei. Bojan auf rechts schob zwar auch höher als Totti, allerdings okkupierte er selten das Sturmzentrum. Bei Cagliari ein anderes Bild, Cossu überließ trotz seiner eigentlichen Ausbildung als Spielmacher die Position des Mittelstürmers nicht an seine Partner, Nene und Thiago, was einen recht praktischen Grund hatte. Die Roma war schlichtweg überlegen und agierte sehr hoch, was Cossu dazu veranlasste, sich vorne zu postieren und auf lange Bälle oder dynamische Kombinationen zum Umschalten zu warten, die jedoch nicht allzu oft kamen.

Ebenso gab es im Mittelfeld einen Unterschied zwischen den zwei 4-3-3-Systemen, denn die Roma war mit Pjanic und Perrotta etwas kreativer besetzt und einige Unterschiede konnte man auch beim Vorwärtsgang erkennen. Während Cagliari versuchte den gesamten Block kollektiv nach vorne zu bewegen, um sich trotz fehlender spielerischer Stärke möglichst lange in der gegnerischen Hälfte festzusetzen, hatte die Roma eine andere Idee. Die Außenverteidiger spielten sehr offensiv und versuchten im Zentrum Räume zu öffnen, die Pjanic und Perrotta für Kombinationen und Geniestreiche frei zur Verfügung hatten, während De Rossi sich vornehmlich etwas zurückhielt und zwischen die Innenverteidiger fallen ließ. Wenn das Angriffsspiel jedoch stockte oder es an Anspielstationen mangelte, dann rückte De Rossi ebenso nach vorne, wie es manchmal auch Heinze tat.

Der auffälligste Unterschied zwischen den beiden Viererketten war jener, dass die von Cagliari selten die Möglichkeit zum Aufrücken hatte und relativ tief stand.

Pressing Romas

Ganz nach dem Vorbild Barcelonas ließ Luis Enrique seine Mannschaft offensiv und sehr zentral agieren. Mit Kurzpassspiel arbeitete man sich nach vorne, während die Außenverteidiger die nötige Breite ins Spiel brachten. Probleme gab es allerdings im mikrotaktischen Bereich, was sich schließlich auf das Pressing auswirkte. Zwar waren die Stürmer bemüht fluid, doch gegen den tiefen und dichten Abwehrverbund Cagliaris fand man kaum Lücken und trotz guter Ideen Pjanics fehlte es an zwingenden Einfällen aus dem Mittelfeld heraus, was schließlich für Ballverluste aus Verzweiflung sorgte. Das hieß, dass man nun sofort gegenpressen musste, doch dies funktionierte etwas schleppend und oftmals attackierten nur einzelne Mannschaftsteile bzw. einzelne Spieler den Gegner.

Schematisch stand man somit zwar extrem hoch, wie man oben sehen kann, doch da Pressing war manchmal effektiv und manchmal eben nicht – was ein zweischneidiges Schwert darstellt.

Cagliaris Catenaccio

Cagliaris Defensivformation

Mit Cossu an der Spitze agierte man in einem 4-5-1 bei der defensiven Grundstellung. Cagliari postierte sich sehr tief und versuchte möglichst viele Passwege im Mittelfeld zuzusperren, ebenso wie man versuchte eine sehr enge Viererkette aufzubauen. Zwar waren die Außenverteidiger Romas sehr offensiv und auch präsent, doch Produktives kam trotz ihrer guten Leistung aufgrund fehlender Effektivität in der Mitte nicht zustande. Sehr viel Verschieben ohne Ball macht mürbe, doch Cagliari hielt sich mental wacker und versuchte entweder mit schnellen Kontern oder langen Bällen von hinten heraus sich in der Offensive zu beweisen.

Da die Roma kein geschlossenes Pressing mit funktionierendem Dreiecksprinzip zustande brachte, waren lange Diagonalbälle im Spielaufbau ein effektives Mittel, um die Defensivbemühungen der Roma auszuhebeln und über die Außen selbst Gefahr zu entwickeln. Der Führungstreffer fiel exakt nach dieser Idee, als man schließlich dann flanken konnte und die Flanke nicht sauber geklärt wurde, was Conti mit einem platzierten Schuss bestrafte – dass er überhaupt im Strafraum war, darf man auf das blockartige Aufrücken zurückführen. Nur eine Minute später sah Jose Angel rot und Cagliari konnte die Führung nach einem Konter über eben diese nun offene Seite erweitern und De Rossis Anschlusstreffer änderte nichts an ihrem unerwarteten Sieg.

De Rossi – deeplying-box-to-box-midfielder?

Ein besonderer Spieler übte in diesem Spiel eine sehr besondere Rolle aus, die man näher betrachten sollte. Daniele De Rossi ließ sich zwischen seine Innenverteidiger fallen, um den Spielaufbau zu unterstützen und/oder defensiv abzusichern, doch sobald seine Mannschaft weit genug aufgerückt war oder das Passspiel ins Stocken geriet, rückte er mit auf und griff ins Spielgeschehen ein. Bei Ballverlust in dieser hohen Position wechselte er zwischen Pressing und Rückzug auf seine angestammte Position hin und her – sämtliche Charakteristika entsprechen einem box-to-box-midfielder, obwohl er die Eigenschaften eines Spielmachers aus der Tiefe ebenso vereint. Besonders interessant wird dies unter der Berücksichtigung, dass er zwar im Spielaufbau hilft, aber nicht das Spieltempo bestimmt, was die Theorie eines tiefliegenden Achters weiterhin verfestigt, denn die wahren Spielgestalter sind Totti, Pjanic und Perrotta, die im letzten Drittel mehr kreativen Einfluss haben.

Man wird sehen, inwieweit De Rossi weiterhin so agieren wird, aber es wäre eine weitere offensive Revolution einer klassischen Mittelfeldposition.

Fazit

Im gesamten Spiel besser, aber es mangelte an Kaltschnäuzigkeit und Präzision im letzten Drittel. Luis Enrique ließ sich eine tolle Taktik einfallen und im Spiel der Roma konnte man bereits seine Handschrift erkennen, doch ein klassischer Bunker Cagliaris sorgte dafür, dass man das Debüt des neuen gegnerischen Trainers versaute und einen Überraschungssieg feiern darf.

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