VfL Wolfsburg – Schalke 04 2:1

Den Abschluss des Sonntags-Spieltages in der Bundesliga bildete das Spiel des VfL Wolfsburg gegen Schalke 04. Besonders brisant war das Spiel aufgrund der Rückkehr Magaths ehemalige Wirkungsstätte, wo er mit Ralf Rangnick desweiteren noch auf einen Intimfeind traf. Für beide ging es allerdings nicht nur um Prestige, sondern um die drei Punkte. Während Schalke gerade einen Lauf hatte, verlor Wolfsburg seine letzten drei Spiele und Felix Magath wehte einige Kritik entgegen.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen zu Beginn des Spiels

Gastgeber Wolfsburg trat mit einem 4-5-1 an, welches nominell eher wie eine Raute klang, auf dem Platz aber eindeutig dem 4-2-3-1 zuordenbar war. In der Abwehr kam Kyrgiakos neben Madlung zum Einsatz, welcher etwas tiefer agierte und absicherte. Auf den Seiten spielten Hasebe und Schäfer, wobei letzterer viel offensiver agierte und das Loch vor ihm, welches Josué als Sechser offensiv entstehen ließ, füllen musste. Hasebe hingegen hatte mit Träsch einen dynamischeren Spieler vor sich, der eher als box-to-box-midfielder agierte und ohnehin von Ochs unterstützt wurde. Damit wollte Magath die linke Seite Schalkes attackieren, die defensiv etwas anfälliger war und von Draxler, dem offensiven Fuchs und Holtby gebildet wurde. Als vorderster Feldspieler kam Lakic zum Einsatz, der eine Anspielstation für seine Mispieler bot und von Mandzukic unterstützt wurde, welcher seine Position als Zehner sehr frei ausfüllte.

Schalke trat in einem sehr ähnlichen System an, hier übernahm Raul die gleiche Position wie Mandzukic, während Huntelaar davor als Wandspieler spielte. Auf den Flügeln konnte man sofort eine Dissonanz feststellen, da Farfan nicht nur deutlich offensiver, sondern auch viel spritziger als sein Pendant Draxler ist, der allerdings Holtby zur Unterstützung im halblinken Mittelfeld hatte. Papadopoulos spielte oftmals als alleinige Sechs vor der Viererkette, wo Höger als rechter Verteidiger einige Unsicherheiten hatte.

Das Spiel begann furios, Schalke presste sehr hoch und hatte viel mehr vom Spiel. Die Wölfe wirkten unsicher und desorganisiert, doch von Beginn an konnte man ihren Willen erkennen, welcher sich später auszahlen sollte. Nach einem schönen Treffer Rauls, der von hinten in den Strafraum sprintete, um einen Lupfer Farfans zu verwerten, lag Schalke vorne. Huntelaar, der sich sehr beweglich zeigte, leitete den Treffer nach einem versuchten Aufrücken Wolfsburgs ein, welches Farfan rechts viel Raum gewährte. Doch Magaths Truppe kämpfte sich zurück und nach dem 1:1 durch Mandzukic, welcher eine Flanke Jönssons nach Kombination mit Schäfer toll vollendete, entwickelte sich mindestens ein Spiel auf Augenhöhe. Die Wölfe kämpften und zeigten keine Gnade, nach der Halbzeit entwickelte sich ein Mittelfeldgeplänkel, wo keine Mannschaft Großchancen erspielen oder mit Kreativität begeistern konnte. In der 81. Minute konnte Mandzukic mit viel Glück einen Freistoß von Schäfer ins Tor abfälschen und schenkte seinem Trainer den benötigten Sieg.

Strafraumszenen gab es im gesamten Spiel kaum, da sich die Stürmer schlichtweg im Mittelfeld aufhielten oder kaum Pässe vor das gegnerische Gehäuse bekamen. Wie man in den Heatmaps wie auch bei der Grafik zu den Torversuchen erkennen kann, fehlte es an qualitativen Chancen und gefährlichen Szenen im Sechzehner, was zu einem ereignisarmen Fußballspiel führte.

Asymmetrie bei WOB

Auffällig im Spiel bei Wolfsburg war ihre Asymmetrie, welche den offensivstarken Schäfer ebenso wie Neuzugang Jönsson unterstützte. Die beiden zeigten eine starke Pärchenbildung auf dem Flügel, was allerdings dafür sorgte, dass jemand absichern musste. Dieser Jemand war Josué auf der Sechs, welcher sich offensiv zurückhielt und den Raum auf links schützte.

Diese Konstellation auf links sorgte für das 1:1 und einige dynamische Szenen im Umschalten, welche der ungeheuren läuferischen Leistung Schäfers zu verdanken sind. Immer wieder penetrierte er den Raum vor sich und hinterlief Jönsson, was den jungen Höger vor große Probleme stellte und eine der Schwächen Schalkes, die in der Defensivarbeit etwas faulen Flügelstürmer, zu Wolfsburgs Vorteil nutzte.

Auf rechts war diese offensive Arbeit nicht auf zwei, sondern drei Schultern verteilt: Hasebe rückte auf und sorgte für die Breite, sicherte aber hinter Ochs ab, welcher das Spielfeld im zweiten und letzten Drittel erweiterte. Weiters sorgte Ochs für Läufe bis zur Grundlinie und Hasebe rückte nur auf, um den Gegner hinten einzuschnüren. Träsch hatte hier eine besondere Rolle, er füllte sowohl die Löcher zwischen Hasebe und Ochs, als auch den Raum vor sich. Oftmals schob er vertikal nach vorne, um als Anspielstation zu fungieren und den Ball zirkulieren lassen zu können – nicht umsonst war der ehemalige Stuttgarter jener Spieler, der die meisten Kilometer abspulte.

Defensiv hatten alle drei Spieler ihren Verantwortungsbereich, Ochs band Draxler hinten und kümmerte sich um Fuchs bei dessen Vorstößen, während Träsch sich Holtby annahm. Hasebe agierte in der Viererkette und deckte den Raum auf Außen ab.

Mandzukic und Raul – ein Vergleich

Zwei Spieler, die sich in manchen Bereichen ähneln und in anderen wiederum wie Tag und Nacht voneinander unterscheiden. Raul als der erfahrene und elegante Stürmer, der sich für seine Mannschaft im Mittelfeld opfert und seine Erfahrung einbringt, während Mandzukic ein emsiger Arbeiter ist, etwas hüftsteif, aber athletisch, dynamisch und immer gefährlich, wenn er von hinten Richtung Tor zieht. Zwei Spielertypen auf derselben Position und vermutlich zeigen sie den Unterschied zwischen den beiden Teams am gestrigen Nachmittag am besten. Während Raul zwar einige Finessen zeigen konnte, war Mandzukic der spielentscheidende und in den Heatmaps kann man gut sehen, wieso:

Raul ließ sich fallen und hatte viele Ballkontakte, doch sein bespielter Raum war zu zentral und zu weit weg vor dem Tor. Bezeichnend, dass sein Führungstreffer seine einzige Strafraumszene war. Mandzukic hingegen war überall zu finden, sehr oft auf dem Flügel und einige Mal im Sechzehnmeterraum, was letztlich mit einem Doppelpack belohnt wurde.

Fazit

Ein hart umkämpftes Spiel, welches einen knappen, aber doch verdienten Sieger hatte. Der psychologische Faktor darf allerdings nicht vernachlässigt werden, denn es schien, als ließe sich Schalke nach dem Ausgleichstreffer den Schneid abkaufen. Obwohl man 55,5% der Zweikämpfe im Spiel gewann, war Wolfsburg in den Zweikämpfen auffälliger für das Auge – anders ausgedrückt würde man sagen, sie setzten Zeichen. Einige wenige übertriebene Einsätze in einem Spiel, welches statistisch gesehen gar nicht so viele Fouls hatte, lenkten das Momentum auf Seite der Wölfe, die trotz geringerem Ballbesitz (45%) und weniger angekommenen Pässen (72%, Schalke hatte 78%) mehr Schüsse auf das Tor brachten, nämlich fast doppelt so viele (11:6).

Alles in allem war alleine aufgrund des Kampfeswillen und der Laufbereitschaft der Sieg verdient, denn die Wolfsburger liefen vier Kilometer mehr und hatten unglaubliche siebzig intensive Läufe mehr – dieser Kraftaufwand musste früher oder später belohnt werden. Ob dies den Medizinbällen oder dem neuen Strafenkatalog geschuldet ist, konnte man nicht feststellen.

Kiru 12. September 2011 um 23:40

Meint ihr Lakic schießt nochmal ein Tor?! 🙁

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Meisterwolf 12. September 2011 um 21:31

Sehr schön rausgearbeitet und klasse Vergleiche, vorallem Mandzukic-Raul. Vielleicht nächstes Mal noch ein wenig mehr die (wenigen) Schalker Offensivbemühungen rausarbeiten, als VfL-Fan ist auch die Abwehrarbeit der neu zusammengestellten Viererkette interessant.

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Christian 12. September 2011 um 16:53

Eure Analysen sind echt Klasse. Danke erstmals an dieser Stelle

Dürft ich fragen wie ihr diese Spielfelder erstellt mit den Pfeilen usw.

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RM 12. September 2011 um 19:03

Danke für das Lob!
Das Programm heißt Inkscape.

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