Liverpool FC – Bolton Wanderers 3:1

Liverpool ist unter Kenny Dalglish wieder auf dem Vormarsch: Am dritten Spieltag der Premier League bezwang man die Bolton Wanderers dank einer tollen Offensivleistung an der heimischen Anfield Road verdient mit 3:1.

Bolton trat mit der Elf an, die in der Vorwoche gegen Manchester City verloren hatte, obgleich man Mitte der zweiten Halbzeit verletzungsbedingt Muamba durch Mark Davies ersetzen musste, während auch die „Reds“ früh verletzungsbedingt tauschen mussten und Skrtel für Kelly brachten. Im Gegensatz zu Bolton hatte Dalglish im Vergleich zum Spiel bei Arsenal aber sowohl Personal als auch taktische Ausrichtung geändert : Für Carroll rückte Suárez in die Mannschaft und diesmal spielte man kein 4-3-3, sondern einen flexiblen und asymmetrischen 4-3-3/4-4-1-1-Hybriden.

Liverpool mit Offensivpower

Von Beginn drückte der Ex-Rekordmeister kräftig auf das Gaspedal: Lucas verteilte die Bälle aus der Tiefe und wurde dabei vom spielstarken Innenverteidiger Agger unterstützt, während Henderson von der rechten Seite ins Zentrum mit einrückte, um eine Überzahl zu erzeugen.

So dominierte Liverpool die Anfangsphase mit etwa 65 % Ballbesitz, doch es war nie ein langweiliges Ballgeschiebe, sondern immer ein temporeicher und unterhaltsamer Kombinationsfußball.

Aus der Offensivreihe ließen sich Kuyt und Suárez immer wieder fallen, um Räume zu öffnen: Da Bolton mehr oder weniger mit zwei energiegeladenen box-to-box-midfieldern antrat, gab es zwischen den Linien genug Raum, in den man sich bewegen konnte, was, gepaart mit den Vertikalpässen von Agger und Lucas, sehr effektiv war.

Außerdem zog Suárez gern auf die linke Seite, um mit Downing – und dem ebenfalls offensiv engagierten Jose Enrique – zu kombinieren oder Downing durch das Wegziehen des seiner Bewegung folgenden Innenverteidigers Raum zu ermöglichen, in den ihn Charlie Adam mit einem seiner gefürchteten Diagonalbälle oder er selbst ihn schicken könnte – so wie beim 1:0.

Suárez öffnete den Raum, bekam den Ball und chippte ihn per Außenrist zu Downing. Dessen Dropkick konnte von Jääskeläinen noch entschärft werden, doch Kuyt und Henderson verwerteten den Rebound.

Die Rollen dieser beiden waren ebenso interessant: Kuyt ließ sich nicht ganz so häufig wie Suárez fallen, doch auch er arbeitete zwischen den Linien oder half links mit, doch er ging oft auch auf die rechte Flanke, die Henderson nicht ganz bzw. nur in Teilzeit beackerte – er war ein Hybrid aus rechtem und zentralem Mittelfeldspieler und ging deshalb auch auf vertikalem Wege direkt in die Spitze, wo ihm Kuyt den Raum öffnete.

Es war ein fluides System, dessen Stärken Liverpool in einem famosen Offensivfeuerwerk bündelte – doch sie machten nur einen Treffer daraus und nachdem man zuerst primär Ballbesitzfußball spielte, ging man mehr und mehr zum Konterspiel über, womit man ein wenig an Kontrolle abgab und an Konsequenz verlor.

Vielleicht waren es auch die beiden verletzungsbedingten Wechsel samt vorherigen Behandlungsunterbrechungen, die Liverpool ein wenig aus dem Rhythmus brachten. Jedenfalls kam Bolton nun zu einigen gefährlichen Gelegenheiten.

Bolton hält dagegen

Zwar hatte Liverpool mit Kuyt, Suárez und Downing ein defensivstarkes Offensivtrio als Schutzschild, doch sobald diese Linie überspielt war, wurden ihre defensiven Probleme entblößt: Zum einen war die linke Seite aufgrund der Asymmetrie nicht so gut abgesichert wie die rechte – und auch wenn Steinsson aufgrund der Liverpooler Angriffskraft nicht so offensiv spielte wie sonst, konnte er dies gelegentlich mit seinen Vorstößen ausnutzten.


 by Guardian Chalkboards

Zum anderen gab es zu oft Räume im Mittelfeld – Adam und Lucas standen zu weit auseinander, so dass einer der kraftvollen und robusten Mittelfeldspieler durch das Zentrum brechen konnten, und ließen bisweilen zu viel Raum zur Innenverteidigung für den sich fallen lassenden Klasnic.

Insbesondere bei ersterem Aspekt tat sich der für Muamba eingewechselte Davies hervor, der eine akzeptable Leistung zeigte und zusammen mit seinen Kollegen durch die Mitte wie über rechts einige schöne Spielzüge zeigen konnte. Auffällig hierbei, dass man stets gewillt war, ein schnelles und druckvolles Kombinationsspiel über kurze Flachpässe aufzubauen, was auch ganz gut gelang und recht ansehnlich wirkte.


 by Guardian Chalkboards

Über links ging – wie bereits erwähnt – aufgrund der defensiveren Rolle Hendersons nicht viel bei Bolton. Zwar spielte Petrov schematisch höher und offensiver als Eagles, doch somit war er recht isoliert von seinen Gegenspielern und machte nur durch unpräzise Flanken auf sich aufmerksam.


 by Guardian Chalkboards

Doch für Petrov war es auch auf dieser Seite schwer, schließlich bekam er erneut keine gute Unterstützung von Linksverteidiger Paul Robinson, dessen zu defensive Ausrichtung schon letzte Woche ein taktischer Fehler war.

Liverpool schaffte es in dieser Phase aber auch nicht richtig, Druck auf den Gegner zu bringen: Dies fing in vorderster Reihe an und ließ sich nach einem unbedrängten Zuspiel nach vorne nicht mehr so leicht korrigieren.

Offensiv blieb Liverpool allerdings weiterhin jederzeit gefährlich – ob mit Kontern oder von hinten aufgebauten Spielzügen.

Zweite Halbzeit

Nach dem Seitenwechsel startete Liverpool wieder mit etwas mehr Konsequenz und nahm das Heft wieder in die Hand. Dies führte zu einigen Chancen und schnell zur Entscheidung – ein Doppelschlag bestehend aus einem Skrtel-Kopfball nach Ecke und einem Adam-Schuss von der Strafraumgrenze brachte die  Mannen vom Mersey endgültig auf die Siegerstraße.

Beide Mannschaften taten in der Folge nicht mehr viel, so dass die Partie deutlich an Reiz und Qualität einbüßte.

Interessant waren die taktischen Auswechslungen Dalglishs: Für die Schlussviertelstunde wurden Henderson und Suárez durch Maxi Rodriguez und Carroll ersetzt. Letzterer gab nun den Stoßstürmer, doch war bei weitem nicht mehr so festgelegt auf die Rolle des Zielspielers, sondern versuchte sich fallen zu lassen, um in Kombination involviert zu werden oder Raum zu öffnen. Kuyt und Downing beackerten nun die Flanken, während der Argentinier Maxi im Mittelfeld viele Freiheiten hatte, sowohl rechts, links als auch zentral zu finden war.

Fazit

Generell war dieses Spiel ein eindeutiges Zeichen in Richtung einer flexiblen und variablen Aufstellung seitens Liverpool: Downing interpretierte seine Rolle sowohl invers als auch klassisch, während Henderson die Charakteristika von zentraler und äußerer Rolle kombinierte, zudem wurde auf links durch einen offensiven Außenverteidiger und insgesamt durch bewegliche, mitspielende und Raum schaffende Stürmer (die einer Falschen 9 nicht unähnlich sind) die Fluidität des Systems komplett gemacht.

Bolton hatte dem vor allem defensiv wenig entgegen zu setzen und brachte sich durch zwei box-to-box-midfielder in noch größere Schwierigkeiten – gegen clevere Mannschaften wird dies heutzutage gnadenlos bestraft, wenn man nicht die richtige Balance findet. Im weiteren Saisonverlauf kann man allerdings optimistisch sein. Zwar verlor man nun zweimal gegen Topteams, doch davor gab es ein 4:0 gegen Queens Park Rangers – und auch die heutigen Ansätze sollten nicht vergessen werden.

Verdient war der Sieg für Liverpool allemal, die diesmal allerdings in der Defensive nicht ganz abgestimmt wirkten.

In der Theorie hat man allerdings bezogen auf Personal, System und Ausrichtung nicht nur einen extrem flexiblen Kader wie Trainer, sondern auch sehr defensivfähige Offensivkräfte. Wenn man dieses Potential ausschöpfen kann, steht einer erfolgreichen Saison nichts mehr im Weg – es könnte eine der erfolgreichsten der jüngeren Vergangenheit werden.

YNWA 28. August 2011 um 14:01

Hallo,

nachdem ich das Spiel kaum sehen konnte, erst recht einen herzlichen Dank für die Analyse. Dem Schlusswort kann ich mich nur anschließen – erst recht wenn noch Gerrard zurückkehrt und die Defensive mal endlich kontinuierlich spiele kann.

Macht weiter so!

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