FC Barcelona – FC Porto 2:0

Diesen Freitag wurde der alljährliche UEFA-Supercup  ausgetragen, wo Champions-League-Sieger Barcelona auf den FC Porto traf, welcher die Europaleague für sich entscheiden konnte.

Beide Teams wollten diese prestigeträchtige Trophäe für sich entscheiden und zeigten einige taktische Feinheiten auf, welche für ein hochklassiges Spiel trotz wenigen Chancen sorgten.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen

Beide Teams traten mit einem 4-3-3 an, wobei es leichte Unterschiede in den jeweiligen Formationen gab.

Bei Porto beackerte Guarin die Vertikale, während Moutinho sich um den Spielaufbau und die horizontalen Aufgaben des zentralen Mittelfelds kümmerte. Bei Barcelona war die Aufgabenverteilung ähnlich, doch Iniesta ließ hin und wieder Xavi Läufe nach vorne übernehmen und sicherte dahinter ab, eine solche Variablität suchte man beim portugiesischen Meister vergebens. Porto trat mit einer engen Viererkette ab und kümmerte sich in der Defensive wenig um den Raum neben dem Strafraum. Damit wollte man die Kopfballschwäche Barcelonas nutzen und das Zentrum leichter dicht stellen, was eine gute Idee war, die man auch effektiv umsetzen konnte. Rolando und Otamendi bildeten die zentrale Innenverteidigung, flankiert wurden sie vom beidfüßigen Fucile auf links und Sapunaru auf rechts.  Zentral spielten Souza als Sechser, während Moutinho und Guarin die offensiveren Positionen bekleideten. Beide hatten großen Anteil an einem hohen Pressing und unterstützten das Offensivtrio, welches aus Hulk als inversem Rechtsaußen, Kléber als Mittelstürmer und Rodriguez als einem klassischen wie inversen Winger bestand.

Ähnlich war der Sturm von Barcelona aufgebaut, Pedro agierte auf der rechten Seite sowohl klassisch als auch invers, was er dank seiner herausragenden Spielintelligenz und seiner Beidfüßigkeit noch besser kann als Rodriguez auf der anderen Seite. Villa spielte als gelernter Mittelstürmer auf links und zog nach innen, während Messi in seiner klassischen Rolle als false Nine agierte, sich allerdings sogar öfter als sonst nach hinten bzw. in halbrechte und rechte Positionen fallen ließ.

Zentral übernahm Xavi die Rolle als primärer Spielmacher aus der Tiefe, doch Iniesta übernahm im Gegensatz zur Vorsaison eine tiefere Rolle und deutlich mehr spielgestalterische wie strategische Aufgaben. Statt Busquets kam abermals Keita in seiner neuen Rolle als Sechser zum Einsatz, er war für die Ballzirkulation im ersten und zweiten Spielfeld eminent wichtig, wurde aber von Xavi sehr oft unterstützt. In der Innenverteidung kamen Abidal und Mascherano zum Einsatz und wie üblich agierte der Außenverteidiger, der den stärkeren Gegenspieler hat, etwas vorsichtiger: in diesem Fall war es Adriano, der gegen Portos Starstürmer Hulk spielen durfte.

Portos Pressing und Barcelonas tiefer Spielaufbau

Porto beim Forecheking

Die Mannschaft aus Portugal stellte sich schematisch sehr hoch und versuchte von Anfang an die Katalanen unter Druck zu setzen. Porto wollte die horizontalen Pässe und den gemächlichen Spielaufbau Barcelonas unterbinden und durch eine aggressive und dynamische Herangehensweise das wertvollste Gut im Spiel der Katalanen zunichte machen: den Ballbesitz. Kleber hatte die Aufgabe zwischen den beiden Innenverteidigern zu agieren und sie zu attackieren, während ihn Hulk und Rodriguez über die Außen in die Mitte hinein unterstützten. Guarin und Moutinho würden im gleichen Takt aufrücken, damit man mit einem Fünf-Mann-Pressing das Zentrum ballen und dann schnell auf die Seite verschieben könnte, was effektiv ein Aus-dem-Spiel-nehmen von Xavi und Iniesta zufolge hätte. Die beiden würden im zweiten Drittel nicht ins Spiel kommen und das Spiel Barcelonas konzentrierte sich tatsächlich in den ersten Minuten auf die Außenbahnen. Doch man reagierte sehr schnell und die Innenverteidiger teilten sich noch stärker in die jeweilige Spielfeldhälfte auf, dadurch hatte man mehr Raum für Ballannahmen und Pässe, desweiteren durften die Außenverteidiger höher aufrücken, was Hulk und Rodriguez immer mehr zurückdrängte. Xavi und Iniesta ließen sich abwechselnd fallen und halfen im Spielaufbau, während Keita rein als Zwischenstation im Kurzpassspiel agierte. Zwar konnten Guarin und Moutinho zweikampftechnisch eine gute Leistung bringen und Barcelona tat sich lange Zeit schwer, doch nach schwierigem Beginn funktionierte das Tiqui Taca der Katalanen wieder wie gewohnt. Dennoch war diese taktische Maßnahme Portos sehenswert und durchaus effektiv, doch später ließ man kräftemäßig nach und konnte dieses extrem Angriffspressing nicht mehr fortführen.

Ein weiterer letzter Punkt, der unbedingt erwähnungswert ist, dürfte die Höhe der Abwehr des portugiesischen Meisters sein. Steht man zu tief, so lässt man sich kollektiv hinten hinein drücken oder lässt zu viel Raum zwischen den Linien, wo Messi und Iniesta dann Geschwindigkeit aufnehmen könnten. Steht man zu hoch, so kann einer aus Xavi, Messi oder Iniesta jederzeit einen tödlichen Pass in den Rücken der Abwehr spielen, was eine Eins-gegen-eins-Situation zufolge hätte.  Dadurch, dass man in der Defensive die Außen verwaisen ließ und im Zentrum ein engmaschiges Netz aufbaute sowie generell früh attackieren wollte, musste man die richtige Balance finden und das schaffte Porto in der ersten Halbzeit überraschend gut. In der Grafik kann man einen hellblauen Raum erkennen, dies ist jenes Gebiet, welches man unbedingt beherrschen muss. Deshalb agiert die Viererkette gegen Barcelona auch bei frühem Angriffspressing knapp hinter der Mittellinie und je weiter die Katalanen mit ihrem Spielaufbau nach vorne kommen, so zieht man sich zurück – erreicht Barcelona das zweite Spielfelddrittel, dann zieht sich die Verteidigung auf die Höhe der Mitte in dem oben dargestellten Gebiet, ist Barcelona am Beginn des dritten Spielfelddrittels rückt man näher zusammen und positioniert sich an der untersten Kante des Vierecks. Dies hat als Konsequenz, dass Barcelona, sobald sie nahe am gegnerischen Tor für einen Lochpass wären, diesen nicht mehr spielen können, weil der Gegner sich nahe am Sechzehnmeterraum positioniert und eine verengte Viererkette aufgebaut hat. Zwar überlässt man den Katalanen nun wieder den Raum, doch man konnte frühzeitig stören und später eine sichere Defensive aufbauen, was gegen diese spielstarke Mannschaft bereits ein Erfolg ist.

Ermüdung und die Hoheit im Zentrum für Barcelona

Barcelonas Ballbesitzspiel um den gegnerischen 16er

Je weiter das Spiel fortschritt, desto ineffektiver wurde das Pressing der Portugiesen. Dies hatte einerseits mit den Gegenmaßnahmen Barcelonas zu tun, allerdings viel mehr mit der geistigen und körperlichen Ermüdung Portos. Dem konstanten Verschieben in Breite und Tiefe musste man Tribut zollen und man ließ in puncto Präzision beim Angriffspressing nach. Man ließ sich in seine eigene Hälfte zurückdrängen und sobald sich Barcelona in der letzten Phase ihres Spiels befand, dem langsamen handballähnlichen Spiel um den gegnerischen Strafraum herum, hatte man kaum noch Chancen auf den Ball. Die Viererkette Portos stand nun sehr tief und eng, man verschob immer leicht ballseitig, doch musste auf Diagonalläufe Dani Alves‘ aufpassen, welcher vom Rodriguez verfolgt wurde. Messi wich unaufhörlich nach hinten zurück und ließ Rolando und Otamendi ohne Gegenspieler dastehen, doch beide ließen sich nicht aus der Defensive locken, was zwar eine gewisse Stabilität gewährte, doch das Ballbesitzspiel Barcelonas nur unterstützte. Mit Messi, Xavi und Iniesta konnte man den Ball problemlos laufen lassen und auf den richtigen Laufweg ihrer Mitspieler hoffen.

Einen weiteren Vorteil für Barcelona hatte die Ermüdung ihres Gegners noch: sie waren ungenauer im Aufbauspiel und wurden einfacher zu Fehlern verleitet. Diesen Umstand nutzten die Katalanen, als sie auf Guarin pressten und ihn zu einem Fehlpass in den eigenen Sechzehnmeterraum zwangen, wo Lionel Messi in unnachahmlicher Manier Danke sagte.

Ab der zweiten Halbzeit war das Spiel ein klassisches Barca-Spiel geworden, man hatte annähernd 70% Ballbesitz und kombinierte sich gemächlich den Weg zum gegnerischen Tor. Keita sicherte mit Abidal und Mascherano hinten ab, während Antizipationskeeper Valdes den Raum dahinter verteidigte. Adriano spielte nicht so offensiv wie Alves, doch am interessantesten blieb dennoch die Offensive Barcelonas. Pedro und Villa warteten auf Pässe in die Gasse, während Messi, Xavi und Iniesta nach Doppelpässen schnell Richtung Strafraum zogen, um sich selbst in Schussposition zu bringen, wobei der Argentinier bei der Wahl seiner Laufwege freie Wahl hatte.

Das zweite Tor durch den eingewechselten Cesc Fabregas fiel auf eben diese Weise. Er zog von hinten an, Iniesta öffnete Raum am kurzen Pfosten und so konnte der ehemalige Arsenalspieler einen Traumpass Messis verwerten. Das war auch der Schlusspunkt einer starken Partie.

Iniestas und Keitas neue Rolle

Einmal mehr kam Keita auf der Position des Sechsers zum Einsatz, während Iniesta etwas tiefer agierte. Es scheint, als ob Pep Guardiola nach den Verletzungsproblemen Puyols mit Mascherano als zumindest Nummer Drei in der Innenverteidigung plant und dadurch Raum für Keita als Ersatz für Busquets öffnet. Der Malier hat neben seiner körperlichen Stärke auch einen guten linken Fuß und könnte dadurch etwas mehr Symmetrie ins Spiel des FC Barcelona bringen, in dem er horizontal einen tief agierenden Xavi unterstützt sowie die linke defensive Seite hinter dem offensiveren Iniesta abdeckt.

Jener Iniesta agierte bislang sehr spielgestalterisch, was unter Umständen am Einkauf Fabregas‘ liegen könnte. Iniestas veränderte Rolle eröffnet Platz für Fabregas und den jungen Thiago, welche beide Spielmachertypen sind und somit BackUp-Rollen für Iniesta wie Xavi ausfüllen können. Zwar spielte Iniesta in der letzten Saison deutlich mehr mit taktischen als bislang, dennoch wäre kadertechnisch eine solch leichte und doch effektive Veränderung Iniestas sehr praktisch, wobei die Linksaußenrolle, welche Iniesta bislang schon in zwei Pflichtspielen nach der Einwechslung Fabregas übernahm, sich vermutlich auf die Vorbereitungsphase beschränken wird.

Fazit

In einem taktisch hochinteressanten Spiel neutralisierten sich die beiden Europokalsieger der vergangenen Saison lange Zeit, doch ein Fehler Guarins und ein toller Abschluss Messis sorgten für das 1:0. Dies veränderte das Spiel nachhaltig und Barcelona spielte wie üblich die dominante Rolle, was letztlich mit einem 2:0-Sieg und dem Titel des Supercup-Siegers belohnt wurde.

Zwar darf man anmerken, dass mit Villas-Boas auf der Trainerbank und Falcao im Sturmzentrum wohl mehr Spannung in der Partie gewesen wäre, doch dennoch darf man die gute Leistung Portos hoch anerkennen und sich auf die Champions-League-Partien der Portugiesen freuen.

Barcelona Noticias 14. März 2013 um 12:09

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Antworten

Tank 27. August 2011 um 12:26

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Ich denke man muss aber noch erwähnen, dass neben Portos starkem Pressing auch die schlechte Qualität des Spielfeldes (klingt wie eine Ausrede, ist aber denke ich wichtig) und der im Artikel erwähnte Keita als DM entscheidend dafür waren, dass Barcelona lange nicht in ihr charakteristisches tiki-taka gefunden hat.
Keita eröffnet zwar durch seine, für Barca-Verhältnisse, riesenhafte Statur und seiner Torgefahr neue Möglichkeiten im Spiel nach vorne und nach hinten (könnte man ihn gar als echten box-to-box-midfielder beschreiben?), doch fehlt es ihm am Entscheidenden: sein Kurzpassspiel ist zu schwach.
Sergio Busquets ist auf dieser Position meiner Meinung nach viel geeigneter und durch Keita nicht annähernd zu ersetzen. Er ist technisch stärker und gedankenschneller. Selbst wenn Keita eines seiner besseren Spiele macht, ist oft zu bemerken, dass er den entscheidenden Sekundenbruchteil zu lange braucht um den Ball abzugeben und dieser den Mitspieler zwar erreicht, aber nicht perfekt in den Fuß gespielt ist. Dies mag sich wie eine Kleinigkeit anhören, doch für das Spiel des FC Barcelona bedeutet es die Welt.
Keita ist jedoch, als erklärter Lieblingsspieler Guardiolas, für die Stimmung und Moral der Mannschaft wichtig.
(Klugscheißen zum Schluss: Keita ist in Mali geboren, also kein Ivorer)

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