RB Salzburg – Omonia Nicosia 1:0

Nach einer 1:2-Niederlage auswärts in Zypern musste die Mannschaft von Red Bull Salzburg nicht nur ihren psychologischen Knacks überwinden, sondern auch eine mitgebrachte Magendarmgrippe.

Auch ohne diese Probleme stand man vor einer schweren Aufgabe, denn Omonia Nikosia wollte unbedingt diesen Vorsprung sichern und über die Zeit bringen.

Nichtsdestotrotz war die extreme Defensive der Zyprioten etwas überraschend.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen

Die Salzburger traten mit einem offensiven 4-3-3-System an und waren von Anfang an bemüht, das Spiel in die Hand zu nehmen und den erlösenden 1:0-Treffer zu erzielen, welcher Omonia aus der Defensive gelockt hätte.

Im Sturmzentrum agierte Alan, während auf den Flügeln Leonardo und Svento zum Einsatz kamen. Leonardo war an diesem Abend wohl der auffälligste Spieler, er lief defensiv viel und versuchte im letzten Drittel sehr viel auf eigene Faust, was leider nicht immer gelang. Zwischen den Außenstürmern agierte Leitgeb, welcher tatkräftig von Cziommer im Spielaufbau und bei der Kreativität unterstützt wurde, doch beide bissen sich zu oft am Mittelfeld der Zyprioten die Zähne aus. Lindgren agierte auf der Sechs und kümmerte sich um den Spielaufbau aus der Tiefe – was eine einfache Sache an diesem Abend war, denn kaum jemand attackierte ihn oder störte die Innenverteidiger von Red Bull. Man war in der Defensive sogar so frei, dass der junge linke Innenverteidiger Hinteregger, welcher generell eine glänzende Partie zeigte, mehrmals bis in die Offensive aufrückte und Distanzschüsse abgab oder sich für einen Pass anbot. Diesen Offensivdrangließen die Außenverteidiger zwar nicht vermissen, doch sie hinterliefen ihre Stürmer viel zu ineffektiv und konnten selten bis zur Grundlinie ziehen. So kam es, dass Schiemer und Jefferson mehr oder weniger zu reinen Durchlaufstationen beim Ballgeschiebe der Salzburger wurden, die das Spiel in die Breite, aber nicht in die Tiefe zogen.

Der Gegner aus Nikosia stand sehr tief und selbst bei Kontern wurde der Mittelstürmer nur von einem, maximal zwei Spielern unterstützt. Als Defensivformation nutzte man das 4-5-1 in Tannenbaumform, also mit drei defensiven Mittelfeldspielern, welche sämtliche Schnittstellen vor der Viererkette verschließen sollten. Diese Formation erlaubt es einer Mannschaft, dass sie die Außenspieler des Gegners doppeln kann, ohne für Spielverlagerungen offen zu sein oder durch ein dynamisches Kurzpassspiel geöffnet zu werden, da das Zentrum und die ballferne Seite immer durch einen Spieler abgedeckt ist. Bei Bedarf können die vorderen Spieler, die hängenden Spitzen, ebenso mithelfen und gegnerische Spieler sogar trippeln, dies ist jedoch nicht zu empfehlen, weil man so kaum zu eigenen Chancen kommt – was bei Onomia der Fall war. Freddy im Sturm bemühte sich zwar sehr, doch er hatte nie Anspielstationen und rieb sich in unmöglichen Situationen auf, so waren selbst Konter Mangelware und zu allem Überfluss hatte der Mittelstürmer der Zyprioten später noch Krämpfe.

Dennoch diente diese Formation ihrem Zweck, man fing sich lange Zeit kein Gegentor ein. Red Bull spielte zwar gut dagegen an und rückte sehr hoch auf, was letztlich zu Angiffspressing und über 70% Ballbesitz führte, allerdings konnte man diese extreme Feldüberlegenheit nicht effektiv umsetzen. Man hatte einige Chancen, doch Alan wurde vom Rest der Mannschaft isoliert und die Außenspieler gedoppelt, was letztlich in vielen abgeblockten Schüssen und Ecken mündete. Durch die hohe Zahl an Spielern in und um den Strafraum konnte man vielen Fernschüsse den Weg zum Tor abdecken und das einzige spielerische Mittel für Salzburg waren Soli über die Außenbahnen, hier konnte allerdings nur Leonardo glänzen. Die zahlreichen Ecken, Standards, Fernschüsse und Halbchancen spiegelten zwar das Spielgeschehen wieder, doch es war noch zu wenig. Das 1:0 fiel dann vom jüngsten Spieler der Österreicher, der Innenverteidiger Hinteregger nahm sich einmal mehr ein Herz und marschierte durch, doch dieses Mal wurde sein Mut dank eines Torwartfehlers belohnt und Salzburg ging in Führung. Nun jedoch kehrte Omonia ins Spielgeschehen zurück und es entwickelte sich eine solide Partie, wo beide Teams mit Vorsicht und trotzdem einer Portion Offensive agierten, die Salzburger konnten letztlich die Schlussoffensive überstehen und sich über einen Platz in der Europa League freuen.

Die 4-3-Formation und wie man darauf reagieren sollte

Einmal mehr zeigte sich, dass eine 4-3-Formation in der Defensive extrem hilfreich und gleichzeitig einfach zu praktizieren ist. Nikosia spielte dazu noch sehr aggressiv und robust gegen die Außenstürmer von Red Bull und lediglich Leonardos individueller Klasse ist es zu verdanken, dass über die Außen etwas Gefährliches kam. Red Bull machte das Spiel breit und presste sehr früh, dennoch war bei Nikosia lange Zeit nur ein leichtes Wackeln zu spüren. Für die Salzburger wäre es eine bessere Wahl gewesen, wenn man Cziommer etwas vorsichtiger hätte agieren lassen und deshalb die Außenverteidiger noch weiter nach vorne schieben zu können. Eine riskante Maßnahme und in diesem Fall dank des Sonntagsschusses von Hinteregger glücklicherweise unnütz, doch wenn der Gegner dermaßen ohne Offensivwillen agiert, ist eine enge Viererkette keine logische Gegenmaßnahme. Schinkels brachte beim ORF in der Halbzeitpause die Idee, dass man unbedingt einen weiteren Mittelstürmer ins Spiel hätte bringen müssen, da Alan in der Mitte so isoliert war. Mit einem Mann neben ihm wäre das Problem allerdings vermutlich auch nicht beseitigt bzw. sogar verschlimmert worden, da ein weiterer Spieler im letzten Drittel für die Kreativität abhandengekommen wäre. Das Problem war nämlich nicht die Präsenz im Strafraum selbst, sondern im Gebiet um ihn herum, zu welchem man vordringen, es aber nie effektiv bespielen konnte. Ein weiterer Spielmacher und offensivere Außenverteidiger wären die bessere Wahl gewesen, insbesondere aufgrund des inversen Wingers Leonardo, welchem durch einen weiteren zentralen Stürmer noch weniger Raum zur Verfügung gestanden hätte.

Ein kreativer Spielmacher neben Leitgeb oder ein schuss- und/oder dribbelstarker Dauerläufer wären zusätzlich zu offensiveren Außenverteidigern und einem dynamischeren Kombinationsspiel die beste Alternative gewesen, da man den Gegner sowohl in die Breite als auch in die Tiefe gelockt und dadurch die Fähigkeiten der eigenen Spieler besser genutzt hätte.

Fazit

Red Bull zeigte guten Fußball und hatte dennoch Probleme gegen einen ultradefensiven Gegner aus Zypern. Omonia verteidigte gut, doch hatte einiges an Glück, dass der 1:0-Treffer erst so spät fiel. Obwohl man dann offensiver agierte, konnte man den Ausgleich nicht machen und es scheint fast, als ob dies die Rache für eine solch defensive Formation war.

Die Salzburger sind damit verdient in der Gruppenphase, müssen sich in Bezug auf Kreativität und Chancenverarbeitung allerdings noch steigern, die Dominanz in puncto Raum- und Ballbesitz war allerdings beeindruckend.

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