Udine – Arsenal 1:2

Trotz einer nicht unbedingt souveränen Vorstellung erreichen die „Gunners“ nach einem Sieg bei Udine etwas glücklich die Champions League-Gruppenphase.

Die Italiener ohne personelle Veränderungen im Vergleich zum Hinspiel, während Arsenal nach einer abermals enttäuschenden Vorstellung auf nationaler Ebene gegen Liverpool einige Wechsel vornahm – Djourou, Song und Gervinho ersetzten den verletzten Koscielny, den zu Manchester City transferierten Nasri und Arshavin.

Startformationen

Für den Zuschauer bot diese Partie gute Unterhaltung: Es war ein offenes Spiel voller Räume, Fehler und Torchancen.

Udine wollte recht früh angreifen oder zumindest zustellen, doch weil die Abwehr aufgrund der enormen Schnelligkeit Walcotts und der guten Bewegung van Persies nicht zu hoch stehen wollte, ergaben sich im Mittelfeld zwangsläufig Räume – entweder zwischen den vorderen vier Spielern und dem zentralen Mittelfeld, oder zwischen Mittelfeld und Abwehr oder zwischen den beiden zentralen Mittelfeldspielern.

Diese Räume konnte Arsenal nutzen, um den Ball im Mittelfeld zu halten oder um schnell in die Spitze zu spielen, weil die vorderen Spieler Udines erst sehr spät oder gar nicht zurückkamen, wenn ihre erste Linie überspielt worden war – und dies ging auch viel zu einfach, Arsenal konnte oft Überzahlsituationen (2gegen1) kreieren und schon ein simpler Vorstoß von hinten reichte schon aus und so war es kein Wunder, dass Arsenal fast doppelt so viele Läufe mit Ball in die gegnerische Hälfte (34 in Durchgang eins) verbuchte wie Udine.

War der Ball  dann in der Spitze, ergaben sich für das rochierende Sturmtrio häufig Schussgelegenheiten um den Sechzehner herum (wegen der tiefen Abwehr) oder Chancen für 1gegen1-Situationen – eine Doppelung konnte Udine häufig nicht betreiben (weil die Offensivspieler so spät nach hinten nachschoben), was die gefährlichen Einzelaktionen Arsenals erklärt.

Allerdings fehlte es oft an Breite, weil die nominellen Flügel aufgrund des Fallen-Lassens von van Persie noch zentraler spielen mussten als es der Fall war, um die Rochaden aufrecht zu erhalten. Linksverteidiger Sagna spielte auch ziemlich zentral und so war es am jungen Rechtsverteidiger Jenkinson, den Gegner auseinanderzuziehen, doch häufig wurde er bei seinen Vorstößen missachtet und Arsenal schöpfte die Möglichkeiten gegen die Udine-Verteidigung nicht zur Gänze aus.

Bei einem Ballverlust fehlte Jenkinson dann allerdings hinten – und das schnelle, von Rochaden und Einzelaktionen lebende Arsenal-Spiel war für eben solche besonders anfällig. Die Räume hinter ihm und dem zentral stehenden inversen Linksverteidiger Sagna wurden bei Udines Kontern über außen, wo Isla und Armero ihre Gegenspieler zwar verfolgten, aber nicht zwangsläufig den ganzen Weg, immer wieder entblößt.

Auch zwischen Mittelfeld und Abwehr bot Arsenal viel zu viele Räume an, in denen sich Pinzi ausbreitete, zwischen den Innenverteidigern und ihren Mannschaftskollegen klafften perfekt für di Natale geeignete riesige Lücken und auch das zusammengewürfelte Mittelfeld konnte keine stabile Struktur erzeugen.

So kam auch Udine ziemlich leicht zu vielen Chancen – nach einem Abseitstor, einem Pfostentreffer und einer weiteren Großchance für di Natale schaffte jener nach 39 Minuten per Kopf nach einer gechippten Flanke von Pinzi die nicht unverdiente Führung.

Ab der 60. Minute

Für die zweite Halbzeit brachte Wenger für Frimpong mit Rosický einen neuen Kreativmann, der das Mittelfeld belebte. Auch konnte nun Song auf die Sechserposition wechseln, was die Gesamtstruktur verbesserte:

Bis dahin stieß Frimpong aus der Tiefe nach vorne, während Song als schematisch höchster Spieler eine Art Prellbock zu geben schien und Ramsey die Lücken stopfen musste. Nun gab es eine klare 1-2-Aufteilung im Mittelfeld und Ramsey und Rosický konnten einige gute Impulse setzen – Letzterer war mit sehr viel Engagement bei der Sache.

Ansonsten änderte sich nicht viel – Udine ließ ein wenig nach, während Arsenals Verbesserungen sich auch in der Statistik zeigten. Ihr Ballbesitz stieg nun noch weiter an, von 61 % auf fast 65 %.

Nach zehn Minuten konnte van Persie dann den Ausgleich erzielen, nachdem sich Gervinho außen erneut in einem 1gegen1 durchsetzen und den Ball querlegen konnte. Wieder zeigten sich die Nachteile des Spiels von Udine. Diese attackierten vorne nun konsequenter und effektiver: Man versuchte, auf außen zu pressen und Arsenals asymmetrischer Defensive mit einer fluiden Positionierung beizukommen, was aber nicht recht funktionierte.

Allerdings musste man nun auch mit einer höheren Abwehr spielen – dies wurde zwanzig Minuten vor Schluss bestraft, als Walcott hinter die Abwehr geschickt worden war, nicht mehr gestoppt werden konnte und versenkte. Das Momentum war schon zehn Minuten vorher gekippt, als di Natale mit einem umstrittenen Handelfmeter an Szczesny scheiterte, und nun war die Partie gelaufen, die Schlussphase somit eher uninteressant.

Fazit

Letztlich  war das Weiterkommen für die „Gunners“ glücklich, es wartet noch einiges an Arbeit auf Arsené Wenger, wenn man diese Spielzeit konkurrenzfähig sein möchte. Dabei geht es um Transfers, Abstimmung, aber auch eine genaue Spielidee – derzeit steckt man noch ziemlich in der Experimentierphase.

Umso ärgerlicher für Udine, dass man daraus kein Kapital schlagen und den Gesamtsieg erringen konnte. Arsenal offenbarte große Defensivschwächen verschiedenster Art, aus denen man zu wenig machen konnte – auch die mangelhafte Chancenverwertung muss heute explizit kritisiert werden.

Doch auch die eigene Defensive hielt keinem Vergleich mit der Hinspiel-Leistung Stand: Die Offensivspieler ließen Arsenal im Spielaufbau die Linien zu leicht überspielen, kamen dann selten zurück, womit das Doppeln erschwert wurde und Arsenal aufgrund der tiefen Abwehr viel Raum im Mittelfeld gelassen wurde. Falls man geplant hatte, ein Rückwärtspressing zu spielen, so scheiterte dies bis auf einige Ausnahmen recht deutlich.

Wenger stellte mit der klugen Einwechslung Rosickýs die Weichen auf Sieg, wobei man schon in der ersten Halbzeit mit etwas mehr Konsequenz und Breite mehr Schaden hätte anrichten können. So ist das Ziel aber erreicht, was in einem Qualifikationsspiel das Entscheidendste ist. Dass es noch viel zu verbessern gibt, war und ist offensichtlich.

Statistiken von uefa.com

44² 25. August 2011 um 15:38

Konnte das Spiel leider nur halb konzentriert schauen, von daher sehr nützliche, aufschlussreiche Ergänzung des Gesehenen. Find auch, eine der besten Analysen, die ich bisher von euch gelesen hab. Sehr viele Punkte klargemacht, aber dabei kompakt geblieben und den Zusammenhang nicht verloren. Kompliment.

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