FC Zürich – Bayern München 0:1

Auswärts in Zürich stand der FC Bayern vor einer eigentlich einfachen Aufgabe, das Minimalziel war es, den 2:0-Vorsprung aus dem Hinspiel souverän nach Hause zu spielen und in die Champions League einzuziehen. Der FC Zürich hatte allerdings noch einen kleinen Funken Hoffnung und wollte für eine Überraschung sorgen, was dank der Routine und individuellen Überlegenheit der Bayern nicht gelang.

Trotz der praktischen Chancenlosigkeit spielte Zürich munter nach vorne und sorgte für ein interessantes Spiel.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen

Bei beiden Teams gab es nur geringe Veränderungen im Vergleich zum Hinspiel.

Gastgeber Zürich lief in seinem 4-4-1-1 auf und veränderte sich nur auf einer Position. Barmettler ging in die Innenverteidigung und unterstützte von dort den Spielaufbau, während Buff neben Aegerter im zentralen Mittelfeld zum Einsatz kam. Vorne orientierte sich Chermiti mehr Richtung Van Buyten, da man versuchen wollte, hier Chermitis Dynamik zu nutzen, was jedoch nur selten gelang. Mehmedi agierte etwas zentraler als im letzten Spiel und versuchte, das Kurzpassspiel im Mittelfeld zu unterbinden sowie bei Ausflügen Gustavos oder Schweinsteigers die Defensive zu unterstützen.

Generell wollte Zürich relativ hoch agieren und die Bayern frühzeitig unter Druck setzen, der Belgier Van Buyten in der bairischen Innenverteidigung hatte allerdings als einziger damit öfters Probleme, zumeist schlug das Pressing an einer fehlenden synchronen Kollektivbewegung oder an der körperlichen Robustheit der Bayern fehl, ein paar Mal konnte man dennoch den Ball frühzeitig erobern. Ein weiterer Vorteil dieser höheren schematischen Grundstellung war, dass die Bayern etwas länger brauchten, bis sie vor das Tor von Leoni kamen und sich somit ein klassisches Spiel im zweiten Drittel des Spielfeldes entwickelte – etwas einschläfernd, mit viel Sicherheitspässen und ohne Spektakel, dazu starke Fokussierung auf außen beim Spielaufbau im Mittelfeld. Es kam nicht von ungefähr, dass Gustavo und Schweinsteiger beide über elfeinhalb Kilometer laufen mussten, da sie hauptverantwortlich für das Verschieben in der Defensive sowie den Spielaufbau in der Offensive sind und dies bei einem solchen Spiel am stärksten in den Vordergrund rückt. Schweinsteiger lief sogar über zwölf Kilometer, da er das Spiel auch in der Tiefe dirigieren musste, sei es als Anspielstation im letzten Drittel oder als deep-lying playmaker.

Die Bayern traten ohne ihren Star Arjen Robben an, der aufgrund Rückenbeschwerden nur auf der Bank saß, „für den Notfall“, wie Jupp Heynckes verkündete. Rafinha rotierte aus der Mannschaft und stattdessen kam Jérôme Boateng auf der Position des rechten Außenverteidigers zum Einsatz. Wie im Spiel gegen Hamburg begann Van Buyten auf der Position des rechten Innenverteidigers und Gustavo ersetzte Tymoshchuk im defensiven Mittelfeld. Für den geschonten Robben rückte Müller nach rechts, während Kroos als klassischer Spielmacher agieren durfte.

Der deutsche Rekordmeister hielt sich im Offensivspiel zurück und obwohl man weiterhin mit der fluiden Sturmreihe und einem variablen Mittelfeld einige interessante taktische Spielzüge bieten konnte, verlegte man sich eher auf ein kraftschonendes Spiel. Nachdem Gomez den 1:0-Treffer erzielte, welchem ein herausragender Konter vorausging, bei welchem innerhalb von Sekunden 85 Meter mit One-Touch-Fußball überwunden wurden, zeigte sich, dass die Bayern dieses Spiel nicht wirklich ernst nahmen.

Man bemühte sich um einen langsamen Spielaufbau und hatte keine Eile auch nur im Ansatz etwas zu riskieren, so entwicklte sich ein angenehmes, wenn auch nicht spektakuläres Fußballspiel. Bayern erspielte sich mehr Chancen, während die Züricher die Abwehrreihe des Gegners nie konstant unter Druck setzen konnten.

Auffällig war wieder einmal die Rolle Toni Kroos‘, welcher für eine kompakte Mittelfeldreihe, wo Positionen getauscht werden konnte, sorgte. Einige seiner Pässe waren wunderschön, doch viel zu oft ließ er Basiselemente des Spiels vermissen und zeigte abermals eine solide Leistung, die allerdings seinem unglaublichen Talent dennoch nicht entspricht. Thomas Müller auf rechts hingegen zeigte sich viel agiler und ebenso wie Franck Ribéry auf der anderen Seite versuchten die beiden, den Zuschauern zumindest einige spektakuläre Szenen zu bieten.

Das Spiel wurde in Halbzeit zwei noch etwas schneller, Tore sah man aber keine mehr und die Bayern gewannen mit 1:0 und können nun für die Champions League planen.

Die variable bairische Defensivstellung und ihr Mittelfeldpressing

Wie so oft in dieser Saison war die Abwehr des FC Bayern überraschend defensivstark und sicher, was einerseits an der veränderten Personalbesetzung, insbesondere Boateng und Luiz Gustavo, als auch der kompakteren Grundformation lag. Doch ein weiterer wichtiger Punkt ist das Mittelfeldpressing der Bayern, die nicht mit einem 4-2-2-2 pressen, wie es letztes Jahr noch vorkam, sondern tiefer stehen und im Mittelfeld zwei verschiedene defensive Grundausrichtungen besitzen.

Formationen beim Mittelfeldpressing des FCB

Variante eins zeigt die 4-2-3-1-Stellung, welche für ein kompaktes Zentrum und zwei Sechser sorgte, welche die Schnittstellen in der Abwehr abdecken und Kommandos für das Pressing geben. Luiz Gustavo und Schweinsteiger verschieben sowohl Richtung außen, als auch ins Zentrum, wo die Hauptpriorität des bairischen Pressings liegt – die Mitte gehört den Bayern und dort wird der Raum nicht dicht gemacht, sondern man lenkt den Gegner von Beginn an auf außen. Gomez beginnt mit dieser Arbeit, in dem er die Innenverteidiger in ihren Passwegen zueinander zu unterbrechen versucht und Kroos versucht hinter ihm den Pass ins defensive Mittelfeld bzw. offensive Mittelfeld des Gegners zu blockieren. Effektiv zwingt man den Gegner somit dazu, das Spiel spätestens ab dem zweiten Drittel vermehrt auf außen zu verlagern und obgleich das nicht immer funktioniert, kann man sehr viele Bälle in Halbpositionen erobern, was auch dank der defensiven Stärke von Müller und Ribéry ermöglicht wird.

Bei Variante zwei sieht man das offensivere 4-1-4-1, in welchem Gomez  höher agiert und die Innenverteidiger direkt unter Druck setzt. Kroos geht auf halbrechts, während Schweinsteiger auf halblinks in die Offensive aufrückt. Der defensiv extrem starke Luiz Gustavo sichert den Raum dahinter alleine in einer Makelele-Rolle ab, wird aber durch eine aufgerückte Viererkette unterstützt und muss somit zumindest vertikal weniger Raum überbrücken.

Alles in allem hat man dadurch auch in der Defensivbewegung eine gewisse Unberechenbarkeit und sobald der Gegner sich an eine gegnerische Grundstellung gewöhnt hat, kann man die Pressingformation wechseln und ihn zu einfachen Fehlern zwingen.

Fazit

Im Schongang erreichten die Münchner die Gruppenphase der Champions League und konnten nichtsdestotrotz drei Punkte für die 5-Jahreswertung verbuchen. 57% Ballbesitz sind keine eindrucksvolle Zahl, doch den Ball nahezu ohne größere Anstrengung gegen einen motivierten Gegner einfach und sicher laufen zu lassen, ist durchaus eine beachtliche Leistung.

Zürich konnte der Überlegenheit der Bayern nie wirklich was entgegensetzen und ist deswegen wie erwartet ausgeschieden.

Stephan 25. August 2011 um 15:23

Interessant war auch zu sehen, dass Ribery in der ersten Halbzeit eher statisch angespielt wurde und dann mit dem Ball am Fuß Tempo aufnehmen musste – das ging meistens schief. Erst in der zweiten Halbzeit wurden die Pässe auf Ribery in den offenen Raum gespielt, und Ribery konnte mit Tempo auf die Verteidigung zulaufen. Nach der Pause deshalb deutlich mehr Gefahr über links.

Und noch etwas ist mir aufgefallen – würde gerne wissen, ob jemand anderes es ähnlich gesehen hat: Neuer mit vielen kleinen Fehlern, keiner wirklich katastrophal, aber das lag auch am Gegner. Ab und an gingen Abschläge ins Aus, dann wurde eine Flanke fast unterlaufen und der Ball nur „eben so“ mit der Fuast erwischt, und einmal klärte er direkt vor den eigenen Sechzehner in den Fuß des Gegners. Ich hatte den Eindruck, dass Neuer verunsichert wirkt. Und das Zusammenspiel mit van Buyten überhaupt nicht funktioniert.

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Daniel 25. August 2011 um 12:50

Hallo RM!

Mit welcher Software erstellst du die Grafiken?

Gruß,

Daniel

Antworten

RM 25. August 2011 um 12:59

Das Programm heißt Inkscape und ist generell sehr nützlich und absolut zu empfehlen.

Antworten

Mitchissl 24. August 2011 um 13:16

Hey!
Ich bin neu hier.
Schöner Text. Guter Schreibstil und interessanter Inhalt.
Weiter so,
vG Mitchissl

Antworten

Bill 24. August 2011 um 13:12

Wäre nett, falls der Moderator die misslungen Formatierung in meinem vorherigen Posting reparieren könnte, bevor es freigeschaltet wird. Dieses Posting könnt ihr gerne löschen!

Gruß

ps: Anbei nochmal der Link, den ich einfügen wollte.
http://www.faz.net/artikel/C31640/anleihemarkt-lbbw-haelt-hybridanleihen-weiter-fuer-attraktiv-30490021.html

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Bill 24. August 2011 um 13:09

Hallo,

vielen Dank für diese (wieder einmal) gelungene Analyse. Und auch dafür, daß die Anregung zum nummerieren der Abbildungen aufgenommen wurde. Besser fände ich zwar, wenn man statt animierter GIFs mehrere Bilder nutzen würde, zwischen denen der User selbst wechseln kann (wie z.B. bei der FAZ), aber so ist es auch schon besser.

Zurück zum Spiel: Ich finde bezeichnend, dass der Gomez Ersatz Petersen nicht einmal namentlich erwähnt wird. Bayern hat zwar diese Saison die Defensive verstärkt, aber da es momentan so aussieht als wären die Ergänzungen in der Offensive nicht wirklich gelungen, droht diese Saison wieder ein Vabanquespiel. Fällt Gomez aus hat man ein Problem.

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