West Bromwich Albion – Manchester United 1:2

Der amtierende Meister Manchester United trat am ersten Spieltag auswärts gegen West Bromwich Albion an.

Letzte Saison dauerte es bis Mitte Oktober, ehe die Red Devils ihren ersten Auswärtssieg verbuchen konnten und Sir Alex setzte alles daran, dass man dieses Jahr früher einen Sieg erringen würde.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen

Gastgeber West Bromwich trat mit einem 4-4-1-1 an. Der ehemalige Spieler von Manchester United, Ben Foster, stand im Tor und vor ihm formierte sich eine klassische Viererkette. Im Mittelfeld agierte man mit einer Doppelsechs und auf den Flügeln mit Morrison und Brunt, welche sowohl defensive als auch offensive Aufgaben übernahmen und sich ihrem jeweiligen Gegenspieler anpassen sollten. Vorne übernahm Somen Tchoyi die Rolle als Zielspieler, während hinter ihm Shane Long als hängende Spitze agierte.

Bei Manchester United rutschte Cleverley nach guten Leistungen in der Vorbereitung neben Anderson ins zentrale Mittelfeld und übernahm im 4-2-4-0/4-2-3-1-Hybridsystem von Sir Alex Ferguson eine wichtige Rolle. Sowohl Cleverley als auch der Brasilianer Anderson mussten die Defensive unterstützen, ohne im Offensivspiel zu fehlen. Bei ihren Vorwärtsgängen wechselten sie sich ab, der dann offensivere suchte die Lücke vorne, während sein Partner hinten absicherte und als Anspielstation und Stratege fungierte. Anders agierte West Bromwich, wo Scharner der eindeutig offensivere war und von Mulumbu abgesichert wurde.

Als Außenverteidiger spielten bei Manchester United der gelernte Innenverteidiger Smalling, während links Fabio da Silva auflief – eine typisch asymmetrische Aufstellung für Sir Alex, ebenso wie in der Sturmreihe, wo Nani deutlich zentralere Laufwege hatte als Young auf der rechten Seite. Neuzugang Young übernahm viele spielgestalterische Aufgaben und versuchte sich ununterbrochen als Anspielstation anzubieten und dann Flanken in den Strafraum zu bringen. So konnten sich Nani und Welbeck, welcher im Schatten des agileren Wayne Rooney stand, selten ins Spiel einbringen und Young hatte ebenso wie Rooney  deutlich mehr Spielanteile als deren jeweilige Partner. Das Problem daran war jedoch nicht die fehlende offensive Anspielstation in einem eigentlich stürmerlosen und ohne kopfballstarken Stürmer ausgestatteten System, vielmehr haderte Young mit sich selbst – das Gros der Flanken blieb hängen und prallte zu Einwürfen und Ecken ab.

Zu Beginn der ersten Halbzeit zeigte sich Manchester United deutlich stärker und hätte eine höhere Führung als 1:0 haben müssen. Der Grund für die Überlegenheit Manchesters war das große Loch zwischen den zwei Viererketten bei West Bromwich, was Raum für Rooney schuf, der dann den Führungstreffer selbst erzielte. Das Tor hatte Rooney mustergültig selbst eingeleitet, als er sich fallen ließ und dann den Ball schnell auf Young weiterleitete. Er bekam den Ball am Sechzehner zurück und konnte mit dem linken Fuß den Ball im langen Eck platzieren.

Neben Rooney und dem starken Young waren auch Cleverley und Anderson wichtige Gründe für die starken ersten 30 Minuten von Manchester United. Im gesamten Spiel hatte Cleverley bei 64 Pässen nur sechs Fehlpässe, was einer Passerfolgsquote von 90.5% entspricht. Sein Partner Anderson war noch etwas stärker, mit nur 4 Fehlpässen, wovon zwei bei Ecken entstanden, waren 93% seiner Pässe erfolgreich.

Obwohl Manchester so dominierte, kamen sie nicht zu zwingenden Chancen und hinten machten Stellungsfehler von Smalling und insbesondere Fabio Raum offen für Torversuche. Eine dieser Möglichkeiten nutzte Shane Long, als er vom Strafraumeck abzog und dank einer schlechten Reaktion De Geas den Ausgleich markieren konnte. Am Ende der ersten Halbzeit hatte West Bromwich mit neun Torschüssen ein Drittel mehr als Manchester und das Gros davon kam von Brunt, Tchoyi und Scharner – sämtliche Spieler, die sich am freiesten auf dem Platz bewegten und so für Unordnung sorgten.

In der zweiten Halbzeit musste Manchester United nun deutlich offensiver agieren, was sich insbesondere an einem Spieler zeigte: Chris Smalling spielte acht seiner neun Fehlpässe in der zweiten Halbzeit. Der gelernte Innenverteidiger hatte seine Probleme im Offensivgang und spielte unter Bedrängnis viele ungenaue Pässe; besonders augenfällig dafür die Statistik, dass er keine einzige Flanke brachte.

Nachdem West Bromwich sich defensiv steigerte und angeführt von ihrem Sechser Mulumbu, der im ganzen Spiel eine starke Leistung zeigte,  erhöhten Einsatzwillen bewies, reagierte Sir Alex. Welbeck wurde in der 65. Minute ausgewechselt, er hatte im ganzen Spiel kaum Akzente setzen können und spielte nicht einmal zwei Drittel seiner nur 22 Pässe zum Mitspieler.

Trotz der guten Leistungen von Anderson und Cleverley zeigte sich ein Mangel der Red Devils deutlich – die Kreativität aus der Tiefe heraus. Kaum gute Bälle in die Spitze und wenige kreative Kombinationen im letzten Drittel sorgten dafür, dass man nur wenige Chancen hatte und die Einwechslung von Dimitar Berbatov als Mittelstürmer wie Fixpunkt im Offensivspiel ineffektiv war.

Auch die Außenspieler konnten keine gute Leistung zeigen, Nani konnte sich in der Mitte aufgrund der Doppelung Morrisons und des Linksverteidigers Shorey nie frei entfalten und Ashley Young versteifte sich zu sehr auf seine Flanken – 13 Fehlversuche stellten ein absolutes Hoch in diesem Spiel dar.

Einer der Gründe, wieso Young mehr Platz hatte, war die Rolle von Brunt – er agierte sehr oft mittig oder wich auf die andere Seite aus und vernachlässigte somit seine defensiven Aufgaben.

Young agierte deutlich offensiver agierte als Gegenüber Nani. Ein weiterer Aspekt, der ins Auge fällt, ist die überraschend offensivere Rolle von Smalling. Die Erklärung ist, dass Smalling sich höher postierte, um dem zugestellten Nani eine Anspielstation zu bieten und er durch Morrison, der eine solide Partie ablieferte, aber zu stark auf der linken Seite agierte, selten vor große Probleme gestellt wurde. Durch seine schematisch höhere Rolle eroberte er mehr Bälle weiter vorne als Fabio – beide hatten drei Interceptions, doch Smalling hatte zwei davon in der gegnerischen Hälfte, während der junge Brasilianer seine Interceptions in und um den eigenen 16er hatte. Ein weiterer Grund war die schwache Zweikampfführung Fabios, welcher nur fünf von seinen sieben Tacklings anbringen konnte – Smalling benötigte insgesamt nur zwei.

Vor diese Probleme gestellt, sah sich Manchester noch einem anderen gegenüber. Beide Stamminnenverteidiger mussten aufgrund von Verletzungen ausgetauscht werden und obwohl es taktisch keine Änderungen hervorbrachte (Jones ersetzte Ferdinand als den höheren Innenverteidiger, während Evans ebenso wie Vidic tiefer agierte), so würde sich die Saison bei längeren Ausfällen der beiden deutlich schwieriger gestalten.

Kurz vor Schluss sah es fast so aus, als ob mit dem aktuellen Meister auch der vierte Titelaspirant nur ein Unentschieden erringen könnte, doch zehn Minuten vor Schluss fand der Ball ins Netz. Nach einem tollen Dribbling schoss Young den Verteidiger Reid von WBA an und der Ball fälschte sich ins Tor ab.

Dank dem Siegtreffer konnte Young ein gelungenes Debüt bestreiten und ist auf Seiten der Red Devils der Spieler des Tages, während bei West Bromwich der defensive Mittelfeldspieler Mulumbu diese Ehre für sich behalten konnte. Neben seiner hohen Passerfolgsquote hatte er mit vier Interceptions (abgefangene Pässe) die meisten auf dem Platz und er gestaltete fünf seiner sechs Tacklings erfolgreich – alles in allem eine defensiv starke Partie.

Fazit

Zu Beginn schien der Meister an die zweite Halbzeit des Spiels vom Community Shield anzuknüpfen, doch spätestens nach dem Gegentor kam der Bruch im Spiel von United.

In der zweiten Halbzeit agierte man zwar weiterhin mit mehr Spielanteilen (am Ende des Spiels konnte man 60% Ballbesitz für sich verbuchen), doch wirkliche Chancen waren Mangelware.

West Bromwich hatte mit 16 Schüssen fünf mehr als der Meister und auch aufs Tor kamen mehr (3:1 in der Statistik), doch mit etwas Glück konnten die Red Devils trotz fehlender Kreativität ihre Überlegenheit in Tore münzen.

StolzerWestfale 14. August 2011 um 22:06

Bin da grade nicht informiert, hat United Verletzungssorgen? Die Startelf kommt mir doch recht zusammengewürfelt vor..

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Suq Madiq 14. August 2011 um 22:14

im großen und ganzen so vorausgesagt von zm, außer fabio und cleverley für evra und carrick:
http://www.zonalmarking.net/2011/08/07/manchester-united-community-shield-2011/

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44² 15. August 2011 um 11:30

Vorausgesagt?

„Manchester United’s starting line-up in the Community Shield win over Manchester City“

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