Italien – Spanien 2:1

In Bari empfing der Weltmeister von 2006 den aktuellen Weltmeister aus Spanien.

Von Beginn an zeigten die Italiener unter Kapitän Cassano eine überraschend offensive und erfrischende Spielweise und konnten den Spaniern mehr als nur Paroli bieten.

Zwar spielten die Spanier nicht in voller Stärke, dennoch kann man davon ausgehen, dass die 2:1-Niederlage durchaus Spuren hinterlassen könnte.

Wechselwirkung der Formationen

Grundformationen zu Beginn des Spiels

Grundformationen zu Beginn des Spiels

Der Gastgeber bekam mit einem 4-3-1-2, wobei Pirlo als zentrale Sechs agierte und nahezu gänzlich die Aufgaben des Spielmachers übernahm.

Neben den zweikampfstarken zentralen Mittelfeldspielern Motta und De Rossi war insbesondere das Sturmduo taktisch sehr interessant.

Mit Cassano und Rossi, die oftmals rochierten, gab es zwei sehr spielstarke Mittelstürmer, die sich fallen ließen und herausragend im Kombinationsspiel sind.

Die Squadra Azzurra zeigte mit dieser Formation und dem spielstarken Ranocchia in der Innenverteidigung ein überraschend fluides und effektives Kurzpassspiel.

Von Beginn an setzten die Italiener ihren Gegner unter Druck und waren das erste Team seit Ewigkeiten, welches mehr Ballbesitz als der Weltmeister verzeichnen konnte.

Die Iberer traten in einem für sie unüblichen 4-2-3-1 an, wobei Iniesta als zentraler Spielmacher agierte, während Xabi Alonso die Innenverteidiger beim Spielaufbau unterstützte.

Javi Martínez füllte den Raum dazwischen und vorne agierten Cazorla und Silva auf den Flügeln, doch insbesondere Silva zog oft in die Mitte und ließ den Flügel verwaist.

Da Iraola und Arbeloa zwar schematisch aufrückten, aber selten bis zur Grundlinie kamen, ließen die Spanier die Flügel verwaist und Italiens Außenverteidiger rückten in die Offensive auf.

Das 1:0 in der 11. Minute entstand exakt bei solch einer Situation.

Die schematisch aufgerückten Außenverteidiger Spaniens öffneten eine Lücke, welcher der bärenstarke Criscito mit einem tödlichen Pass auf den mitgelaufenen Montolivo ausnutzte.

Riccardo Montolivo verwandelte eiskalt mit einem Lupfer.

Wenige Minute später kam Llorente für Torres, der sich eine Gehirnerschütterung zuzog, und Spanien versuchte nun hin und wieder mit langen Bällen auf Llorente eine atypische Taktik, was absolut fehlschlug.

Weder das Tiqui Taca noch die weiten Bälle konnten die Italiener überlisten, die die Mitte zustellten und sich tief in der eigenen Hälfte postierten.

Sobald die Spanier einen kleinen Fehler machten, attackierte das italienische Mittelfeld den Ballführenden und sorgte nach erfolgreicher Balleroberung mit schnellen Kurzpässen für Gefahr mit Kontern oder einem Wechsel des Spielrhythmus.

Die Folge waren zahlreiche Chancen und nur der überragende Casillas verhinderte eine höhere Führung für die Italiener.

Der größte Unterschied in den jeweiligen Kurzpassphilosophien war, dass die Spanier viel zu lange mit Ball am Fuß unterwegs waren, während die Italiener einen direkteren Weg bevorzugten und schnörkellos, aber dennoch schön zusammen kombinierten.

Nach einer Flanke auf Llorente entschied der Unparteiische auf Strafstoß, welchen Xabi Alonso verwertete.

Kurz vor der Halbzeit wurde dann Piqué für Busquets mit Verdacht auf Muskelfaserriss ausgewechselt und in der Halbzeit gab es einige weitere Wechsel.

Grundformationen zu Beginn der zweiten Halbzeit nach den Einwechslungen

Grundformationen zu Beginn der zweiten Halbzeit nach den Einwechslungen

Interessant in der zweiten Halbzeit war insbesondere die Rolle Busquets auf der Position des rechten Außenverteidigers, die er zwar offensiv einigermaßen solide lösen konnte, hinten jedoch ein ums andere Mal überlistet wurde. Dieser Mangel im Defensivzweikampf wurde spätestens nach der Einwechslung Balotellis mehrmals aufgedeckt.

Doch wie kann es sein, dass ein Weltklasse-Sechser sich dermaßen unkonstant in 1-gegen-1-Situationen zeigt?

Die Erklärung liegt auf der Hand. Beim FC Barcelona und im Nationalteam Spaniens wird die defensive Arbeit von der Innenverteidigung (nach langen Bällen oder Kontern) oder von den Offensiven (bei normalem Spielaufbau) begangen, während der defensive Mittelfeldspieler hinter den zwei Achtern seine defensive Aufgaben beim Antizipieren und Abfangen gegnerischer Pässe hat.

Da der Sechser als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive fungiert, nutzen Guardiola und die spanischen Nationaltrainer Busquets als Verbindungsspieler, welcher mit seiner hohen Spielintelligenz und seiner herausragenden Technik für eine schnelle und effektive Ballfluktuation sorgt.

Das Problem in Busquets Rolle als Rechtsverteidiger war nicht nur seine Schwäche in der Defensive, sondern auch die fehlende Dynamik in der Offensive.

Thiago musste sich im Zentrum nach rechts orientieren, um die Lücke zu füllen und auf links war David Villa Alleinunterhalter, lediglich Silva war eine Hilfe für ihn.

David Silva tauschte zwar manchmal die Position mit Cazorla, doch im Normalfall war er überall auf dem Feld und versuchte Iniesta adäquat zu ersetzen.

Mit der Zeit agierte Spanien immer höher und versuchte die Italiener beim Spielaufbau unter Druck zu setzen, doch die Squadra Azzurra nutzte sowohl die Breite als auch die Tiefe und hatte deshalb ausreichend Raum und Zeit, um ungefährdet den Ball nach vorne zu spielen.

Das Spiel war gut und die Mannschaften spielten einen angenehmen Ball, Spanien verzichtete auf lange Bälle und Llorente versuchte mit viel Bewegung und stetigem Ausweichen auf die Außen Raum für seine Mitspieler zu öffnen.

Zwar hatten die Italiener einige gefährliche Aktionen, insbesondere durch Balotelli, doch man war nicht zwingend genug und die Spanier wirkten in der zweiten Halbzeit ebenbürtig.

Als es zusehends nach einem Unentschieden aussah, sorgte Joker Aquilani mit einem abgefälschten Distanzschuss für den verdienten Siegtreffer und Cesare Prandelli konnte einen wichtigen moralischen Sieg für sich und seine Mannschaft verbuchen.

Fazit

In einem interessanten Spiel zweier guter Mannschaften konnte die Squadra Azzurra einen leicht überraschenden Sieg für sich verbuchen.

Spanien spielte in der zweiten Halbzeit zwar gut, war aber auch in ihrer besten Phase weit weg von der Form der letzten Großturniere.

Dies mag zwar hauptsächlich an der Müdigkeit und am Freundschaftsspielcharakter des Spiels liegen, dennoch darf man auf die kommenden Spiele des Weltmeisters gespannt sein.

Ebenso darf man sich fragen, ob die als Defensivfanatiker verschrienen Italiener weiterhin ein solch starkes Offensivspiel zeigen werden – unter Cesare Prandelli als Trainer darf man es zumindest als wahrscheinlich bezeichnen.

Ziggi 12. August 2011 um 10:18

Zu Busquets:
Ich glaube, auch wenn ich das Spiel nicht gesehen habe, dass er keineswegs „schwach“ in 1-gegen-1 Duellen ist, da er bei Barcelona häufig die Rolle des Innenverteidigers übernimmt und diese ja durchaus, wie oben angemerkt, derartige Aufgaben stellt.
Folglich war er wahrscheinlich durch die Vorbereitung noch nicht in Top-Form oder hat einfach einen schlechten Tag erwischt.

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RM 12. August 2011 um 10:50

Busquets agierte nur selten als Innenverteidiger und war keineswegs stark – er war nur nicht schwach, später baute Pep Guardiola dennoch auf Mascherano in der Innenverteidigung. Und die Unterschiede zwischen Innenverteidigung und Außenverteidigung darf man auch nicht vergessen, man trifft auf den Außen oftmals auf dynamischere Spieler und man hat keine Doppelsechs / zentrales Mittelfeld (in welcher Formation auch immer) vor sich. Sergi Busquets lebt von seiner unheimlichen Spielintelligenz, nicht von seiner Zweikampfstärke.

Außerdem ist es ein Unterschied, ob man in einer Mannschaft spielt, wo das Tiqui Taca perfekt (Barcelona, Spanien EM08) oder schwach (Spanien in diesem Spiel) umgesetzt wird.

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Sammer Riether 11. August 2011 um 20:02

Das Spiel war zwar vom Namen her top, aber hatte NULL Aussage über die wahre Stärke Spaniens oder Italiens … Reines Freundschaftspiel und vielleicht ein bisschen Balsam für Italiens verletztem Fußballstolz

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datschge 11. August 2011 um 17:46

Treffende Beobachtungen. Prandellis neues Italien gefällt mir. Zu Spanien kann man nicht viel sagen, die Experimente so die erst gemeint waren sind definitiv fehlgeschlagen.

Ein kurze Anmerkung zur Lesbarkeit des Artikels: Nach jedem Satz einen Paragrafabsatz zu machen zerstückelt den Text und macht das Lesen schwerer als notwendig. Ich rate damit sparsamer umzugehen.

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