Audi Cup – Tag 1

Nach einer verbesserten Leistung und einem Sieg im Elfmeterschießen gegen den AC Mailand haben die Bayern beim Audi Cup das Traumfinale gegen Barcelona fest gemacht.

Die Katalanen gewannen nach einem 2:2-Remis gegen Internacional Porto Alegre das Elfmeterschießen ebenso wie die Münchener, deren Spiel nach 90 Minuten 1:1 gestanden hatte.

Bayern verbessert

Trainer Heynckes schickte mit Ausnahme des verletzten Ribéry und des zunächst geschonten Boateng seine derzeitige Wunschelf auf den Rasen. Im Vergleich zur gezeigten Leistung beim LIGAtotal!-Cup gegen den Hamburger SV präsentierte sich der Rekordmeister verbessert.

Eine zentrale Baustelle der Münchener ist die linke Seite. Die Abstimmung von Lahm und Schweinsteiger zeigte sich dort ein wenig besser, Letzterer stand nun höher und damit Lahm nicht mehr ganz so oft auf den Füßen. Dennoch: Mit den Laufwegen und Bewegungsmustern müssen die beiden Münchener Spielführer noch vertrauter werden, hier bedarf es noch einiger Arbeit.

Auffällig war, dass gerade zu Beginn Lahm wie beim LIGAtotal!-Cup beim Spielaufbau diagonal und sehr weit in die gegnerische Hälfte vorstieß und der umtriebige Schweinsteiger auf außen half, während der Kapitän im weiteren Verlauf doch deutlich gemäßigter wurde und sich hauptsächlich darauf beschränkte, als Anspielstation zu fungieren.

Wichtig für das bessere Gelingen des Spielaufbaus war, dass die beiden Flügelspieler nicht wie gegen den HSV sofort in der Mitte unterwegs waren, sondern zunächst an der Außenlinie klebten und somit häufig erst mit Ball den Weg in die Mitte suchten (Negativbeispiel Thomas Müller, der viel zu oft nach innen tendierte – einzige Ausnahme waren Szenen, wenn gerade der Spielaufbau über Lahm die Linie entlang lief). Allerdings stand man dann im weiteren Spielverlauf immer noch zu eng, konnte somit Milans defensive 4-3-Anordnung, welche für Seitenwechsel anfällig ist, nicht konsequent nutzen.

Durch ihre Positionierungen im Spielaufbau waren die Außenverteidiger zu gewissen Teilen in den halbäußeren Vertikalbahnen gefangen. Auch Rafinha kam fast nie über außen, sondern stand sehr zentral – deshalb hatte er gefährliche Torschüsse, von hier kamen seine Flanken, aber so ist er eben stärker.

Man sollte also festhalten, dass etwas mehr Balance einkehrte, aber noch nicht genug. Man kann das Spiel nur schwer einordnen, weil die Mailänder gerade erst ins Training eingestiegen sind. Der italienische Meister stand zu tief und zu wenig gestaffelt in seiner Defensivanordnung und spielte damit Bayern in die Karten – allerdings kann man auch hier nicht sagen, wie viel das ausmachte.

Dass das Mittelfeld besser funktionierte, mag auch daran gelegen haben, dass Schweinsteiger diesmal die hochstehende Rolle wegen des vielen vertikalen Raumes im Mailänder Mittelfeld gelegen kam. Und sicherlich dürfte auch die Unterstützung vom überragenden Toni Kroos einiges ausgemacht haben.

Dieser bestätigte seine sehr positiven Eindrücke vom LIGAtotal!-Cup – spritzig, kreativ, ballsicher und mit Mut zur Entscheidung. Er bewegte sich viel, unterstützte auf den Seiten, verschob sich horizontal zum Ball und bewegte sich geschickt dahin, wo er Räume sah. Dazu konnte er gegen die dichte Defensive auch auf diesem engsten Raum einige tolle Aktionen initiieren konnte. Das wichtigste war aber, dass er sich auch mal fallen ließ und damit Schweinsteiger die vertikalen Vorstöße in die Spitzen übernehmen durfte.

Schweinsteiger überzeugte durch seine Support-Fähigkeiten und sein sicheres Passspiel, aber ob ihm auf Dauer diese hochstehende Rolle – vor allem wenn meistens Müller den Zehner gibt – liegt, bleibt abzuwarten. Besonders da Tymoshchuk halbrechts als „Holder“ nicht überzeugen konnte, wäre es eine sinnvolle Überlegung, Schweinsteiger dort spielen zu lassen. Doch auch dies ist wohl keinesfalls eine perfekte Lösung.

Wie sich dieses Bayern-Gebilde weiterentwickelt, wird eine hochinteressante Angelegenheit werden.

Was die Defensive angeht, lassen sich auch keine offenbarenden Erkenntnisse präsentieren, da Milan einfach die Defensive nach der frühen Führung – einem typischen Tor, als man die hochstehende und in jener Situation dazu noch ungeordnete Bayern-Defensive mit einem hohen Ball hinter die Abwehr auf den leicht nach außen versetzt spielenden Ibrahimovic entblößte – auf die Verteidigung beschränkte.

Was die Abstände zwischen Innen- und Außenverteidigung sowie Viererkette und Mittelfeld anging, erkannte man allerdings erneut noch keine Lösung der Problematiken. Besonders extrem war diesmal, wie weit sich einzelne Spieler durch kurzkommende Gegenspieler herauslocken ließen. Schon letzte Spielzeit hat man die Risiken hierin gesehen – diesmal funktionierte allerdings die Absicherung meistens noch schlechter und manchmal verließen zwei Spieler gleichzeitig ihre Positionen.

In einer Szene stand dann auf einmal Tymoschchuk fast auf Höhe der Angreifer und Badstuber auf Höhe des Mittelfeldes – und mit großem Abstand dahinter drei Verteidiger mit Lücken zwischen sich. Es nutzte nur niemand aus.

Barcelona – Internacional

Es ist schon bewundernswert, mit welcher Souveränität auch die jungen Spieler aus der zweiten Reihe bei Barcelona die Spielphilosophie implementiert haben: Der Ball lief über weite Strecken sicher durch die eigenen Reihen, man war die klar dominante Mannschaft und hätte zur Pause mit mehr als einem Tor führen müssen.

Zwischendurch hatte man – wie beispielsweise die ersten Minuten – einige Traumphasen, in denen  die harten, schnellen und präzisen Dreieckspässe auf engstem Raum besonders schön anzuschauen waren. Verglichen mit den Youngsters hob sich einer (natürlich) ab – Andrés Iniesta. Sein Spiel war einmal mehr ein Hochgenuss – unfassbare Ballbehandlung, Technik und Intelligenz. Ohne ihn fehlte in der durchgewechselten Elf im zweiten Abschnitt diese ganz große Dominanz.

Dort taten sich von den jungen Leuten besonders der dynamische Allrounder Jonathan dos Santos und der elegante und Balance-haltende Javier Espinosa besonders hervor.

Internacional wurde besonders in der ersten Halbzeit dominiert – 137 Pässe im Vergleich zu 450 von Barcelona sprechen eine deutliche Sprache. In einigen Szenen stand man defensiv sehr gut, aber in anderen stimmte die Absicherung gar nicht. Ein bisschen zu dieser Unruhe dürften ihr asymmetrisches 4-3-2-1/4-2-3-1 ebenso beigetragen haben wie die teilweise fehlende Balance im Mittelfeld. Gerade in der zweiten Halbzeit offenbarte sich auch die systembedingte Anfälligkeit für Spielverlagerungen.

Der andere ehemalige Deutschland-Legionär, Andres D´Alessandro konnte nicht überzeugen, während der Nationalspieler und bekannteste Akteur des Klubs, Leandro Damião, vorne gut arbeitete und sich aufrieb, auch ein Tor erzielte, aber dann den entscheidenden Strafstoß vergab.

Daran, dass man riesige Lücken im Mittelfeld hinterließ, wenn man vorne presste,  und daran, dass bei einigen Spielern die im Profifußball selbstverständliche Abgeklärtheit, Ruhe und Berechnung des Spiels bisweilen fehlten, konnte man am Ende erkennen, warum die südamerikanischen – schließlich steht Inter in der Liga auf Rang 6 – mit den europäischen Vereinen oft nicht mithalten können.

44² 28. Juli 2011 um 00:39

Was ich lustig fand bei Bayern, war, wie die Außenspieler alle auf dem falschen Fuß gespielt haben. Müller und Robben gingen als inverted Winger (die gegen eine „Dreifachsechs“ naturgemäß einen arg schweren Stand hatten) immer wieder zur Grundlinie und konnten dann nicht ordentlich flanken. Der Clou war aber wie dann auch Rafinha immer wieder zur Mitte zog um dann ebenfalls mit dem schwachen Fuß spielen zu müssen, anstatt mal Robben zu hinterlaufen und seinerseits flanken zu können. War das einfach blöd oder habt ihr ne Theorie, was das sollte?

Ich vermute mal, wenn es kein Vorbereitungsspiel gewesen wäre, hätte Heynckes schon nach wenigen Minuten Müller und Robben die Seiten tauschen lassen. Hätte es den Bayern sicher bedeutend einfacher gemacht.

Achja, habt ihr drauf geachtet, wieso Badstuber beim 0:1 so weit vor der Abwehr war? Während sein ‚Gegenspieler‘ genau auf seiner Position wartet? Konnte das in keiner Wiederholung mehr erkennen. Ist ja grundlegend so in etwa der maximale Positions-Schnitzer…

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TR 28. Juli 2011 um 00:43

Grund 1 war wohl, dass man die Positionierung aus dem Spielaufbau übernommen hat, was die AVs angeht. Rafinha scheinen Flanken aus dem Halbfeld auch deutlich besser zu liegen und zu gelingen als von der Grundlinie – das wäre Grund 2.

Hmm, aus der spontanen Erinnerung würde ich sagen, dass Rafinha vorgestoßen ist, seine Position unbesetzt war und Badstuber das unglücklich irgendwie ausgleichen wollte. Müsste ich mir nochmal anschauen.

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BenHasna 28. Juli 2011 um 10:52

Ich glaube, dass das einfach blöd war…

Könnte mir aber vorstellen, dass der Ursprung teilweise auch im Spiel gegen den HSV am LT-Cup lag. Da hat die offensive 3-er-Reihe sehr stark rochiert, mehr noch als unter Jonker Ende Saison und natürlich viel mehr als unter van Gaal. Heynckes hätte wohl prinzipiell auch nicht allzu viel dagegen, wenns darum geht, Offensive zu kreieren, bei Leverkusen letztes Jahr wurde so mittelmässig viel rochiert. Aber Thema der Vorbereitung scheint ja vor allem auch zu sein, die Abstände gering zu halten, schneller in die defensiven Positionen zu kommen, usw. Und da denk ich mir, dass er nach dem HSV-Spiel angeordnet hat, die Positionswechsel mal schön bleiben zu lassen vorerst. Blöderweise wäre es aber genau in diesem Spiel wichtig gewesen… Jetzt jo, in einem Pflichtspiel hätten da vielleicht Spieler und Trainer flexibler reagiert und deshalb kann man das hier wohl auch mal durchgehen lassen, aber im Prinzip wars schon vor allem dumm, fand ich.

Und es zeigt sicher, dass man schauen muss, wie gut Lahm da genau funktionieren wird auf links. Bin grosser Fan von ihm, traue ihm überall sehr viel zu, aber es ist aberwitzig, dass überall behauptet wird, er wäre viel stärker auf links. Mag sein, dass er ein Tor mehr erzielt pro Saison, weil er öfter zum Abschluss kommt, aber das ist ja letztlich für den Erfolg des Teams kaum massgebend. Dafür fehlt dann die Breite, wenn gleich er sowie der Flügel vor ihm Rechtsfüsser sind, das wiegt die Vorteile ja niemals auf. Mit Lahm auf rechts und Pranjic links hätte man dieses Milan auseinander nehmen können…

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Niklas 28. Juli 2011 um 00:06

Würd mich net als ein Taktik Laie sehn, aber ich versteh net wie ein System symmetrisch sein kann. Z.B. ist oft davon die Rede, dass das 4-1-4-1 asymmetrisch zu 4-2-3-1 sei.

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TR 28. Juli 2011 um 00:18

Von der Grundordnung her ist ein System eigentlich immer symmetrisch, aber im Spiel selbst dann fast nie – denn jede Spielsituation ist unterschiedlich und jeder Spieler interpretiert eine Position anders. Manchmal macht man es dann ganz extrem – z.B. kann man in einem 4-4-2 den einen Außen tiefer und zentraler spielen lassen und damit das Mittelfeld stärken, während der andere Außenspieler offensiver spielt – so ist es beinahe ein asymmetrisches=schiefes 4-3-3.

Was du wohl mit deiner Aussage meinst, ist aber etwas ganz anderes: Das 4-1-4-1 ist zum 4-2-3-1 nicht asymmetrisch, sondern gespiegelt. Das bedeutet, dass die drei zentralen Mittelfeldspieler alle einen direkten Gegenspieler haben. Das eine System hat eine 1-2-Anordnung, das andere eine 2-1-Anordnung. So kann es zu einer Neutralisation kommen.

Wenn man 4-1-4-1 spielt, können die beiden Achter die beiden gegnerischen Spieler vor der Abwehr zu zweit attackieren, würde man selbst im 4-2-3-1 spielen, hätte man da nur einen Akteur. Individuell starke Mannschaften machen sich dies im Pressing zunutze, weil sie in 1-1-Duellen überlegen sind. Wenn man das 4-1-4-1 defensiv interpretiert, kann man auch das gegnerische Mittelfeld gut abdecken. Bei einem Ballgewinn hat jeder Mittelfeldspieler dann zwangsläufig aber auch einen gegen sich, so dass man defensiv sicher steht, aber selten nach vorne kommt. Einige Teams haben es gegen Bayern letzte Saison im 4-1-4-1 versucht und häufig passierte genau dies – Wolfsburg probierte dies z.B. am 1. Spieltag, auch Frankfurt könnte man nennen.

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Niklas 27. Juli 2011 um 22:50

Hier ist immer mal wieder die Rede von Vor- bzw. Nachteilen bestimmter Spielsysteme z.B. „Gerade in der zweiten Halbzeit offenbarte sich auch die systembedingte Anfälligkeit für Spielverlagerungen.“. Wie wärs wenn ihr mal ein Extra Artikel macht mit Vor- und Nachteilen von einzelnen Spielsystemen und vielleicht auch mal erklärt was ihr mit asymmetrisch meint.

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TR 27. Juli 2011 um 22:57

Steht auch auf unserer „To-Do-Liste“ 🙂

Asymmetrisch ist, wenn die Symmetrie des Grundsystems bewusst und „extrem“ aufgehoben wird. Könntest du ein Zitat geben, dann kann ich es daran vielleicht besser und zufriedenstellender erklären.

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thor5ten 27. Juli 2011 um 12:22

gute analyse des bayern spiels.
–>einige Dinge die mir noch aufgefallen sind.
#Tymoschchuk: hohe Fehlpassquote, nicht geeignet für schnelles Umschalten, zu oft überhastet–> unnötige Grätschen ; das einzige was auffällt: seine Haarpracht
#Lahm: wurde von ibrahimovic ganz schön vernascht
#Cassanno: meine meinung über ihn wurde mal wieder bestätigt: unsypath ³

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