Peru – Uruguay 0:2

Diesmal hatte die Copa América keine Überraschungen bereit: Im ersten Halbfinale bezwang der WM-Vierte Uruguay das peruanische Team verdient mit 2:0 und träumt davon, mit einem Titelgewinn in Argentinien wieder alleiniger Rekordsieger zu werden.

Während die Peruaner nach dem Überraschungsieg gegen Kolumbien Carmona, Acasiete und Yotún für Revoredo, Ramos und Chiroque ins Team brachten, änderte Oscar Tabarez seine Mannschaft im Vergleich zum vielerorts als historisch betrachteten Sieg über Argentinien auf zwei Positionen: Der verletzte Victorino wurde durch Coates, der gesperrte Pérez durch Gargano ersetzt.

Neue Formation bei Uruguay

Doch nicht nur personell, sondern auch taktisch hatte sich Tabarez wieder etwas ausgedacht. Nach einer ereignisarmen Anfangsphase, in der sich die beiden 4-4-1-1-Systeme neutralisierten, sah jenes System bei Uruguay mit zunehmender Dauer hin und wieder wie ein 3-5-1-1 aus – es war eine Mischung aus diesen beiden Formationen, ein Hybrid-System, die Übergänge waren fließend.

Álvaro Pereira agierte auf der linken Seite offensiver als sein Pendant Maxi, wurde in der Verteidigungsarbeit oft, wenn auch nicht immer, zu einem fünften Verteidiger, während man im Offensivspiel eine Dreierkette als Absicherung hatte – man hatte quasi einen Wing-Back und einen offensiven Außenverteidiger.

Mit den drei zentralen Verteidigern sowie Arévalo, Gargano und Gonzalez hatte man sechs primär defensiv ausgerichtete Spieler auf dem Feld, welche eine gute Absicherung gegen Konter boten, den Raum für Guerrero und Vargas extrem begrenzten und sie mit vielen Gegenspielern konfrontierten.

Da die Peruaner die Defensive und Offensive nicht miteinander verbinden konnten und zu weit auseinander standen, reichte ein Zustellen der Passwege und gelegentlich aktives Attackieren aus, um das im Spielaufbau generell nicht sonderlich einfallsreiche Peru zu hoffnungslosen langen Bällen auf die verlorenen Offensivspieler zu zwingen.

Breite, Dominanz und Gargano

Da die Peruaner so viele Bälle schnell verloren, aber bei gegnerischem Ballbesitz Guerrero und Vargas Uruguay besonders in Person von Arévalo, der immer viel Zeit am Ball hatte, zwischen sich selbst und dem eigenen Mittelfeld spielen ließ, dominierte und kontrollierte Uruguay das Match.

Auf der linken Seite beackerte Álvaro Pereira mit Dynamik und Ausdauer die ganze Seite, weshalb er nach vorne nicht ganz so effektiv war,  aber dafür war gegenüber Maxi Pereira sehr offensiv und schuf viel Breite – so konnte Gonzalez einrücken und das Zentrum zusätzlich stärken, manchmal wechselten die beiden auch miteinander.

Zur Mittelfeld-Kontrolle leistete auch der passsichere Gargano seinen Beitrag. Er bewegte sich auf der halblinken Seite im Raum zwischen Caceres und Àlvaro Pereira und lieferte einige gute diagonal einschneidende Pässe durch die Schnittstellen oder in Xavi-Manier um die Abwehr herum auf die andere Seite – hier kam es (abgesehen von den gefährlichen Standards) zu den besten Möglichkeiten, wenn Maxi Pereira in den Ball schnitt und dann (allerdings oft zu ungenau) querlegen konnte.

Während Suárez wieder sehr beweglich war, die Schnittstellen und auch die Flügel bearbeitete, blieb Forlán erneut recht blass, er fand zu selten seine Räume zwischen den beiden peruanischen Viererketten und ging dann deshalb in höhere oder tiefere Positionen.

Peru hatte nur eine ernsthafte Möglichkeit, als Vargas auf der personell dreifach besetzten linken Seite nach einem Pereira-Vorstoß einmal Raum fand, aber seine Flanke haarscharf verpasst wurde.

Obwohl die Urus dominant waren und immer gefährlich wirkten, fehlten die letzte Konsequenz und die klaren Torchancen, weshalb es zur Pause torlos blieb.

Zweite Halbzeit

Es schien so, als wollten die Peruaner den zweiten Abschnitt etwas forscher beginnen, doch dann erzielte Suárez früh das 0:1 – allerdings ermöglich überhaupt erst durch einen Torwarfehler. Keine fünf Minuten später ließ Peru sich auskontern – Álvaro Pereira stürmte nach einem Ballgewinn aus seiner Wing-Back-Position nach vorne und servierte für Suárez, der die hohe Abwehr entblößte und den Doppelpack schnüren konnte.

Markárian reagierte mit der Einwechslung von Lobatón für Advincula, zuvor hatte bereits Chiroque Yotún ersetzt. Lobatón stärkte als dritter Akteur dort das Mittelfeld, während Chiroque und der nun offensiver werdende Carmona über die rechte Seite attackieren sollten. Auf dieser Flanke lag nun erhöhte Konzentration, während die andere Flanke vernachlässigt wurde.

Zwar tendierte Guerrero nun mehr nach links, um dort die Schnittstellen zwischen Coates und Maxi Pereira zu verwunden, doch Vargas spielte nun zentraler als hängende Spitze. Damit hatte man praktisch keinen Spieler mehr auf links – doch Uruguay hatte die Außenbahn praktisch auch nur einmal besetzt.

Die Maßnahmen schienen zu wirken – Uruguay beschränkte sich auch freiwillig auf das Verteidigen, spielte sehr reaktiv. Peru hatte zwar die Kontrolle, aber konnte sich keine Torchancen erspielen, viele Pässe musste man gegen die vielbeinige uruguayische Defensive mit dem Rücken zum Tor annehmen.

Als Vargas in einer solchen Szene gefoult wurde, verlor er die Nerven und kassierte folgerichtig für seinen Ellbogenschlag den Platzverweis – Peru spielte weiter wie zuvor, nur fiel einfach Vargas´ Position  weg. Ohne einen Spieler im Zentrum fehlte dort jegliche Präsenz und Gefahr, so dass man noch harmloser wirkte.

Fazit

Am Ende war der Sieg nie mehr gefährdet und auch verdient. Uruguay brauchte gegen ein harmloses Peru keine exzellente, sondern nur eine solide Leistung für den Finaleinzug.

Die Peruaner verteidigten sicherlich nicht schlecht, durch die Mitte kam Uruguay selten zu Chancen, aber sie wurden nicht nur dominiert und fanden über weite Strecken nach vorne nicht statt, sondern verloren das Spiel letztlich auf der Außenbahn. Dass man so weit gekommen ist, ist sehr beachtlich – man zeigte einige gute Leistungen und konnte Lernerfahrungen satt sammeln.

Tabarez hat einmal mehr gezeigt, dass er taktisch immer wieder gute Ideen hat und sie auch umsetzten kann. Seine modifizierte Formation passte zur Situation und brachte Vorteile gegenüber dem Gegner. Man schaltete die gegnerischen Gefahren gut aus und schaffte es dann mit einer ruhigen und sachlichen Leistung auf Basis dieser soliden Defensive die Kontrolle und letztlich das Spiel zu gewinnen. Daneben hatten die Uruguayer in den besseren Spielern und der Breite (vor allem auf rechts) zwei weitere wichtige entscheidende Faktoren.

Im Finale wird man wieder Favorit sein, aber darauf ist man nun auch vorbereitet.

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