Frauen-WM: Frankreich – Schweden 1:2

Schweden sichert sich mit einem 2:1-Sieg über Frankreich den dritten Platz bei der Frauenfußballweltmeisterschaft. Frankreich verpasste es, gegen 10 Schwedinnen das Spiel zu entscheiden.

Obwohl das Spiel um Platz drei hauptsächlich ein Spiel um die Ehre war, traten beide Mannschaften noch einmal mit ihrer besten Aufstellung an. Trotz der geringen Bedeutung der Partie entwickelte sich eine intensive und umkämpfte Partie.

Halbfinals Reloaded

Frankreich war mit der bekannten 4-2-3-1 Formation unterwegs, während Schweden erneut eine Abwandlung eines 4-4-1-1 Systems spielte. Die Spielweise beider Mannschaften wird dem aufmerksamen Leser bestens bekannt sein: Während Frankreich eine der kreativsten und passsichersten Teams des Turniers ist, setzt Schweden auf direkte und im Zweifelsfall auch hoch gespielte Konter.

Solch unterschiedliche Spielphilosophien trafen bereits in den beiden Halbfinals aufeinander. So erinnerte auch diese Partie an die beiden Spiele vom letzten Mittwoch. Die Französinnen hatten beispielsweise mit ähnlichen Problem zu kämpfen: Solange ihre Innenverteidiger durch die gegnerischen Stürmerinnen gut attackiert werden, hat die Mannschaft große Probleme, ihr kreatives Offensivspiel in Gang zu bekommen. Den Ball in den eigenen Reihen zu verwalten vermögen nämlich nur die technisch starken Mittelfeldspielerinnen.

Schweden trat von Anfang aggressiv auf und attackierte die ballbesitzende Spielerin intensiv. Den Französinnen blieb oft nur der lange Ball. Die Schwedinnen hatten wiederum Probleme, wenn die französische Abwehrreihe tief stand. Ihr Spiel war darauf angelegt, die schnelle und wendige Schelin hinter der gegnerischen Abwehr anzuspielen. Dazu kam es in der ersten Viertelstunde allerdings nicht.

Es entwickelte sich daher zu Beginn ein nervöses und fahriges Spiel. Beide Mannschaften konterten die Stärken des Gegners durch ihre geschickte Defensivarbeit und provozierten so viele Fehlpässe. Die einzige Akteurin, die zu dieser Zeit dem Spiel ein wenig ihren Stempel aufdrücken konnte, war Schelin: Sie ließ sich aus dem Sturmzentrum oft zurückfallen und wirkte dadurch omnipräsent.

Ihre Stärke, den freien Raum hinter der Abwehr zu sehen und auszunutzen, verhalf Schweden zur ersten großen Möglichkeit des Spiels: Die französische Innenverteidigung war nach einem langen Ball eine Sekunde unachtsam. Sie nutzte dieses Malheur direkt zum Führungstreffer. Das Tor war noch aus einem anderen Grund ein Desaster für die Französinnen: Es verletzten sich dabei sowohl Spielmacherin Necib (für sie kam Thomis) als auch Torhüterin Sapowicz (für sie kam Ersatztorhüterin Deville).

Weniger Pressing, bessere Französinnen

Trotz den beiden frühen Wechseln und des Rückstandes steckten die Französinnen nicht auf. Es wiederholte sich ein weiterer Aspekt der bisherigen französischen Spiele: Nach einem Rückstand fanden sie stets besser ins Spiel. Die Schwedinnen griffen nun nicht mehr so früh an, und prompt fanden die französischen Mittelfeldspielerinnen zu ihrem Spiel. Frankreich hatte nun durch die Mittelfelddominanz ein deutliches Ballbesitz- und Chancenplus.

Dass sie auch ohne ihre beste Spielerin Necib Gefahr ausstrahlen können, zeigten sie bereits im Viertelfinale gegen England, als Necib ebenfalls ausgewechselt werden musste. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit spielte sich die eingewechselte Thomis. Sie machte viel Wirbel auf der linken Angriffsseite. Zusammen mit der immer wieder aufrückenden Bompastor schlug sie viele Flanken in den Strafraum. In der Schlussviertelstunde der ersten und der Anfangsviertelstunde der zweiten Halbzeit war Frankreich das klar präsentere Team.

Die Schwedinnen hätten in dieser Phase ihr Pressing nicht aufgeben dürfen. Stattdessen mussten sie mitansehen, wie Thomis ein ums andere Mal auf Außen Svensson düpierte. Ihr Ausgleichstreffer in der 56. Minute war mehr als verdient.

Das Momentum wechselt erneut

Als wenige Minuten später Oqvist nach einer Tätlichkeit die rote Karte sah, war die Psychologie des Spiels komplett auf den Kopf gestellt. Gegen 10 Schwedinnen schien es nur eine Frage der Zeit, bis die Französinnen den Deckel auf das Spiel setzen können.

Das Spiel entwickelte sich allerdings in eine andere Richtung: Die unterlegen wirkende Mannschaft sollte in der Folge erneut ein Comeback feiern. Das wurde freundlich gesponsert von einer französischen Verteidigung, die ihren Namen nicht verdient hat.

Vielleicht war es das lange Turnier, vielleicht auch die Überheblichkeit. Festzuhalten bleibt: Ab der 70. Minute stimmte die Ordnung nicht mehr. Die Innenverteidigerinnen Renard und Georges hoben abwechselnd das Abseits auf und ließen so die immer gefährliche Schelin frei. Bompastor und Franco hielt es kaum mehr hinten, so dass Lücken für die schwedischen Gegenstöße entstanden.

In der Folge gab es mehrere Chancen für die frischer wirkenden Schwedinnen. Die eingewechselte Hammerström (62. Für Forsberg) entschied das Spiel letztendlich durch einen präzischen Schuss nach einer schwedischen Ecke.

Fazit

Das vorletzte Spiel der Frauenfußballweltmeisterschaft bot erneut solide Unterhaltung. Mehrfach wechselte das Momentum des Spiels. Nachdem Frankreich trotz doppelter Verletzung das Spiel an sich riss, war es am Ende ein Kraftakt der Schwedinnen, die sich gegen eine desaströse französische Abwehr den dritten Platz sicherten.

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