Frauen-WM: Japan – Schweden 3:1

Nach einer starken Vorstellung gegen Schweden steht Japan im Finale der Frauenfußballweltmeisterschaft. Ihr Sieg war nur in der Anfangsviertelstunde ernsthaft gefährdet.

Schwedische Effizienz gegen japanische Kurzpasseleganz: Die beiden Kontrahenten des zweiten Halbfinales hätten von der Spielanlage unterschiedlicher kaum sein können. Wie schon im ersten Spiel des Abends traf eine spielerisch starke  Mannschaft auf ein taktisch und körperlich geschultes Team.

Schweden steht tief

Die Schwedinnen mussten sich etwas einfallen lassen, um die japanische Kurzpassstärke zu kontern. Man wählte einen anderen Ansatz als England und auch das gescheiterte Deutschland: Im Gegensatz zu diesen beiden Teams attackierten sie nicht weit in der gegnerischen Hälfte, sondern ließen sich mit ihrem 4-4-1-1 weit zurückfallen.

Die Japanerinnen durften ihr Kurzpassspiel in der eigenen Hälfte ausleben, ohne ernsthaft attackiert zu werden. Vielmehr achteten ihre Gegnerinnen darauf, dass das Mittelfeld der Japanerinnen nicht ins Spiel finden konnte: In der Zentrale wurden Sawa und Sakaguchi angegriffen, sobald sie angespielt wurden. Sjorgun war in dieser Rolle besonders aktiv und lief viel, um die japanischen Spielgestalterinnen aus dem Spiel zu nehmen.

Besonderen Respekt hatten die Schwedinnen auch vor den gegnerischen Außenverteidigerinnen, die im Turnier durch ihre tollen Flügelläufe für Furore gesorgt hatten. Forsberg und Oqvist blieben auf Außen sehr defensiv. Die schwedische Mannschaft fiel in diesem Turnier nicht durch konstruktives Spiel über die Flanken auf, und so war es eine gute Wahl, die Spielerinnen weiter hinten die gegnerischen Außenverteidigerinnen aufnehmen zu lassen anstatt zu versuchen, sie über Außenläufe defensiv zu binden.

Schwedens abwartende Taktik war unerwartet. Japans ungewohnte Unsicherheit zu Beginn des Spiels vermag sie jedoch nicht zu erklären. Ohne starke Gegenwehr fabrizierten sie Fehlpässe und Annahmefehler, die man von ihnen nicht gewohnt war. Die hohe Fehlerquote ist höchstens durch Nervosität zu erklären.

Die effizienten Schwedinnen nutzen das früh aus: Einen Fehlpass von Sawa in der eigenen Hälfte verwertete Oqvist mit einem schönen Schuss in den Winkel (10.). Keine andere Mannschaft in diesem Turnier bestrafe individuelle Fehler des Gegners so gnadenlos wie die Schwedinnen.

Japan gewinnt an Passsicherheit

Nach diesem Gegentreffer wachten die Japanerinnen auf und gewannen ihre gewohnte Passstärke zurück. Sie kontrollierten nun Ball und Geschehen. Die Schwedinnen standen weiterhin zurückgezogen und versuchten, das Spiel der Japanerinnen in der eigenen Hälfte zu durchkreuzen. Dies gelang ihnen in der ersten Halbzeit recht gut, denn Chancen gab es für die Japanerinnen kaum.

Eine einzige Chance erspielten diese sich, und diese nutzten sie direkt zum Ausgleichstreffer. Ohno zog in der Mitte drei Spielerinnen klug auf sich und passte daraufhin nach Außen auf die freie Miyama. Deren Flanke verwertete Kawasumi (19.). Es war ein schön herausgespieltes Tor, weil es durch die japanischen Stärken, nicht durch gegnerische Fehler oder Schwächen entstand – im Frauenfußball ist das noch immer keine Selbstverständlichkeit.

Auffällig war in der ersten und auch in der zweiten Halbzeit, dass die Schwedinnen zwar gut verteidigten, nach vorne allerdings ideenlos agierten. Ihr Plan war es, durch schnelle Konter zum Erfolg zu kommen. Die einzelnen Mannschaftsteile agierten allerdings zu separiert voneinander, als dass schnelle Angriffe möglich gewesen wären. Zwischen Mittelfeld und Angriff gab es keine Verbindung, und so landeten viele Bälle direkt wieder bei den Japanerinnen. Diese hatten nach der ersten Halbzeit zwar kaum Torchancen, dafür aber die spielerische Hoheit mit über 60 Prozent Ballbesitz.

Der schwedische Ansatz hätte funktionieren können, wenn sie mit ihren Kontern kleine Nadelstiche gesetzt hätten. So ließ ihre defensive Spielweise die Japanerinnen in einen spielerischen Rhythmus kommen, dem die Schwedinnen nicht gewachsen waren.

Als sie zum Ende der ersten und zum Beginn der zweiten Halbzeit nun ein etwas offensiveres Pressing versuchten, merkte man direkt, dass dies den Japanerinnen in die Karten spielte. Diese hatten ihre Passsicherheit gefunden und konnten das Pressing umgehen. Zwischen gegnerischer Abwehr und Mittelfeld entstanden nun Lücken, in die Kawasumi sich fallen ließ.

Die Japanerinnen hatten nun nicht mehr nur die spielerische Überlegenheit, sie kreierten auch ein klares Chancenplus. Nachdem Ohno aus der Ferne nur die Latte getroffen hatte (46.), gelang ihnen wenige Zeit später ein Tor durch Sawa (60.). Als Schweden jetzt endgültig die defensive Spielweise ad acta legte, spielte das den Japanerinnen nur noch mehr in die Karten. Der Raum für sie wurde größer, und so traf nur wenige Minuten später Kawasumi sehenswert aus der Ferne (64.).

Damit setzten sie den Deckel auf das Spiel. Die Schwedinnen waren offensiv zu ideen- und harmlos, um gegen die zwei gut organisierten Viererketten der Japanerinnen bestehen zu können. Nach 90 Minuten hatten sie nur drei Torschüsse abgegeben. Dies unterstreicht die japanische Überlegenheit.

Fazit

Die spielerisch stärkere Mannschaft setzte sich verdient durch. Nach den seltsamen Aussetzern in der Anfangsviertelstunde fanden die Japanerinnen zu ihrem Kurzpassspiel und ließen Ball und Gegner laufen. Schweden wirkte zu keiner Zeit wirklich gefährlich. Ihre Idee, defensiv zu stehen, war zunächst ganz interessant – mit ihren schwachen Kontern spielten sie ihren Gegnerinnen jedoch in die Karten.

Japan trifft nun im Finale auf die USA. Diese haben bereits mehrfach bewiesen, dass sie gegen spielerisch vermeintlich stärkere Mannschaften ein taktisches Mittel finden. Wir dürfen also gespannt sein, ob sie den Höhenflug der japanischen Frauenfußballnationalmannschaft stoppen können. Schweden konnte es ebenso wenig wie Deutschland.

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