Brasilien – Paraguay 2:2

Auch im zweiten Gruppenspiel der Copa America bleibt Rekordweltmeister Brasilien sieglos und muss sich mit einem glücklichen 2:2-Unentschieden zufrieden geben.

Überraschung bei der Aufstellung

Brasiliens Trainer Menezes überraschte mit der Aufstellung Jadsons, genauso wie Ganso ein Spielmacher. Wie von Szenekennern bereits im Vorhinein registriert, besaß Menezes zwei verschiedene Aufstellungsvarianten. In der ersten, angewandt im ersten Spiel gegen Venezuela, lässt er die Mannschaft in einem etwas abgewandelten 4-2-3-1 agieren. Bei der zweiten Variante handelt es sich ebenfalls um eine Abwandlung des 4-2-3-1, allerdings mit einem Spielmacher sowohl zentral offensiv als auch rechts und einem extrem offensiven Dani Alves, wodurch die Breite auf rechts bestehen bleibt und zudem eine Überzahl in der Zentrale erzeugt werden soll. Für diese Taktik entschied sich der Trainer nach dem enttäuschenden ersten Spiel nun gegen Paraguay.

Paraguay agierte aus einem der gegnerischen Taktik angepassten 4-4-2 heraus, bei dem ein Innenverteidiger stets vorschieben durfte um die Überzahl in der Zentrale auszugleichen. Sein Fehlen fiel durch die extrem enge Spielweise der Viererkette kaum ins Gewicht. Des weiteren spielten die Mittelfeldspieler nicht konstant auf einer Linie, sondern änderten immer wieder die Abstände in Tiefe und Breite zueinander, ohne dabei jemals die Kompaktheit zu verlieren. Auch ließ sich häufiger einer der Stürmer ins Mittelfeld fallen um für noch mehr Kompaktheit zu sorgen.

Aggressives Mittelfeldpressing

Der brasilianische Spielaufbau lebt von seinen Vertikalpässen auf die technisch versierten Offensivleute. Diese Bälle werden bevorzugt von den beiden defensiven Mittelfeldspielern gespielt, die gegen die meisten Gegner aufgrund der tiefstehenden Reihen wenig Gegenwehr haben. Doch Paraguay schaffte es, durch die beiden extrem engen Viererketten das Zentrum derart kompakt zu halten, dass der ballnahe Mittelfeldspieler gemeinsam mit einem Außenspieler aus dem Defensivverbund herausrücken konnte um die Sechser am Spielaufbau zu hindern, ohne dass die Stabilität darunter litt.

Dieses Vorschieben auf den Ballbesitzer erfolgte in den ersten 20 Minuten derart aggressiv, dass die Brasilianer keine Struktur in ihren Spielaufbau bringen konnten. So war es der Außenseiter Paraguay, der die erste Halbzeit bestimmte und den Rhythmus vorgab, auch wenn die zwingenden Aktionen fehlten.

Brasilien enttäuschte auf ganzer Linie, die vier Offensivakteure kamen überhaupt nicht ins Spiel und waren von den lauf- und zweikampfstärkeren Gegnern abgeschaltet. Etwas überraschend dann die Führung für den Favoriten, als Jadson die einzige echte Überzahlsituation der Brasilianer im Angriffsdrittel zur Führung durch einen trockenen Schuss aus 18 Metern nutzte.

Wenig Spielfluss in Hälfte 2

In der zweiten Halbzeit spielte sich das Spielgeschehen weiterhin hauptsächlich im Mittelfeld ab. Paraguay spielte schon ab der 20. Minute nicht mehr ganz so aggressiv, verhinderte aber trotzdem weiterhin einen geordneten Spielaufbau des Rekordweltmeisters. Jedoch fehlte offensiv jeglicher Druck, sodass sich auch das 1:1 durch Roque Santa Cruz nicht vorher abgezeichnet hatte.

In der Folge schöpfte Paraguay neuen Mut, spielte seine häufigen Konter nach Ballgewinnen im Mittelfeld etwas konsequenter zu Ende. Die 2:1-Führung erkämpfte sich der Außenseiter durch einen Kraftakt im gegnerischen Strafraum, als man den Ball dort von den unaufmerksamen Brasilianern eroberte und ihn Nelson Valdez schließlich mit reichlich Glück im Tor unterbrachte.

In der Folge wurde Brasilien merklich hektischer, Menezes wechselte zweimal offensiv, doch auch weiterhin entwickelte der vorm KO-stehende Favorit kein strukturiertes Angriffsspiel. Einziges Mittel gegen den kompakt stehenden Gegner waren lange Bälle aus der Verteidigung auf den allein gelassenen Pato. Als alles schon nach einem sensationellen Sieg für Paraguay aussah, fand einer der vielen Bälle in den Strafraum in Fred einen Abnehmer. Dieser drehte sich mit dem Ball im Strafraum um zwei Gegenspieler herum und kam aus kurzer Distanz zum Abschluss.

Fazit

Brasilien präsentierte sich erschreckend ideenlos und ungefährlich. Die effektive Defensivstrategie Paraguays hielt die Brasilianer wirksam in Schach. Dadurch war der Außenseiter über weite Strecken der Partie die bessere, weil gefährlichere Mannschaft, und hätte nach dem 2:1 mehrmals den Sack zumachen können.

Doch mangelnde Effektivität und die individuelle Klasse Freds sorgten schließlich für ein alles in allem gerechtes Unentschieden, was in der schwierigen Gruppe B weiterhin alle Optionen offen lässt. Im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador muss sich der Favorit mächtig steigern, will man nicht frühzeitig die Heimreise antreten oder durch eine schlechte Platzierung schon im Viertelfinale auf einen Gruppensieger treffen.

Allein mit individueller Klasse ist im heutigen Fußball keine gute Leistung mehr zu erreichen. Dies haben auch die Brasilianer zu spüren bekommen, bei denen die Balance zwischen Defensive und Offensive nicht stimmt. Zudem ist man zu sehr abhängig von den Individualisten in der Offensive, deren Defensivarbeit im weiteren Verlauf noch problematisch werden dürfte. Nach der heute gezeigten Leistung rückt der Titelgewinn für die brasilianische Nationalmannschaft in weite Ferne.

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