Deutschland U17 – Mexiko U17 2:3

Im zweiten Halbfinale traf der zweite große Favorit Deutschland auf den Gastgeber Mexiko und es sollte sich eine ähnliche Überraschung wie im ersten Halbfinale ereignen.

Das bislang so dominante deutsche Team kam mit den hochmotivierten Mexikanern und deren starkem Pressing kaum zurecht, die Hitze mit 34°C im Schatten tat ihr übriges.

In einem spannenden und schnellen Spiel verlor die deutsche Elf letztlich in den Schlussminuten nach einem tollen Treffer der Mexikaner knapp mit 3:2.

Wechselwirkung der jeweiligen Taktiken

GrundformationenDeutschland begann in seinem üblichen 4-2-3-1 mit Yesil als Mittelstürmer und einer offensiven Dreierreihe, bestehend aus dem Zehner Aycicek, dem klassischen Flügelstürmer Weiser auf rechts und dem inversen Winger Aydin auf links.

Bis auf Korzowski, der Koray Günther vertrat, spielte somit die gesamte Stammelf.

Mexiko hingegen begann in einem 4-4-2 mit flacher Vier im Mittelfeld, wie sie es bereits großteils in diesem Turnier taten.

Das Spiel begann fulminant, als der Rechtsaußen Gómez per Kopf zum 1:0 für den Gastgeber traf, doch nur wenige Minuten später glich Yesil aus.

Auch der weitere Verlauf der Partie war von zwei gleichstarken und bemüht offensiven Mannschaften geprägt, doch Mexikos defensivstarke Außenmittelfeldspieler und die enge Viererkette dahinter brachten das Flügelspiel Deutschlands zum Erliegen.

Aydin, der vor seiner Rotsperre herausragend agierte und immer Torgefahr versprühen konnte, blieb vergleichsweise unauffällig.

Die Mittelstürmer Mexikos halfen im Zentrum mit, um die numerische Überlegenheit der DFB-Elf bei fremden Ballbesitz auszugleichen und hatte letztendlich mehr vom Spiel und auch mehr Chancen, bei der Mannschaft Deutschlands konnte nur Yesil für Gefahr sorgen.

Cans Vorstöße brachten zwar auch Unordnung in die Reihen der Lateinamerikaner, doch waren sie viel zu selten und konnten somit nur vereinzelte Nadelstiche setzen – ebenso bei Levent Aycicek, der sich viel zu sehr fallen ließ und zu oft vom Spielgeschehen isoliert war.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit agierten die Außenverteidiger Mexikos etwas offensiver und die deutsche Elf verlor noch mehr an Raum, insbesondere eben in der eigenen Hälfte.

Zeitweise konnte die mexikanische Elf über 65% Ballbesitz für sich beanspruchen.

Ein Befreiungsschlag bzw. viel mehr ein Befreiungslauf von Emre Can sorgte dann für das 2:1 für Deutschlands U17.

Der Kapitän, der bereits in der ersten Hälfte aufgrund des offensiven Zentrums Mexikos und seiner körperlichen Überlegenheit zu mehr Offensivmut aufgemuntert hätte werden sollen, erzielte mit einem tollen Solo den Führungstreffer und gab seiner Mannschaft Selbstvertrauen.

Mexikos Trainer Gutiérrez versuchte mit dem von Hoffenheim umworbenen Casillas auf links neue Impulse zu setzen, doch Steffen Freund reagierte umgehend mit dem defensiven Mende für Spielmacher Aycicek darauf.

Gracia und Tostado für Bueno und Escamilla sorgten für die letzten zwei Einwechslungen bei Mexiko, abermals reagierte Freund nur kurze Zeit danach, diesmal musste der erschöpfte Can für Khedira weichen.

Der Ausgleichstreffer fiel jedoch auf eine sehr unorthodoxe und taktikferne Weise, als Espericueta einen Eckball direkt verwandelte – im Kampf um den Ball prallten allerdings Yesil und Gómez zusammen, letzterer musste sich eine fünfminutige Auszeit nehmen.

Deutschland wurde nun immer  stärker und in den Schlussminuten durfte auch Marvin Duksch sein Glück versuchen, doch das Tor fiel auf der anderen Seite, als Gómez trotz Bandage nach einer Ecke zu einem Fallrückzieher ansetzte und  einen traumhaften Siegtreffer erzielte.

Fazit

In einem hochklassigen Spiel zeigten beide Teams eine gute Leistung, doch der Sieg für Mexiko war dennoch verdient.

Lange Zeit konnte sich die DFB-Jungelf nicht aus der eigenen Hälfte befreien, die Außenverteidiger Mexikos agierten ebenso wie die Mittelfeldzentrale taktisch herausragend und konnten dank der Unterstützung ihrer Mitspieler ein starkes Pressing spielen.

Die deutsche Mannschaft beschränkte sich verstärkt auf das Kontern und das Halten des Ergebnisses, wie die Einwechslungen Freunds zeigten. Zwar konnte man am Spielende 15mal abschließen, davon immerhin vier Mal aufs Tor, doch 38% Ballbesitz sind viel zu wenig für einen Titelaspiranten – dazu kam das amateurhafte Verhalten bei Standardsituationen und ein überraschend unsicherer Keeper, der bei allen drei Toren zumindest etwas besser hätte reagieren können.

Alles in allem ein tolles Spiel mit einem verdienten Sieger. Der Gastgeber trifft nun im Finale auf Uruguay, während das vermeintliche Finale im Spiel um Platz 3 ausgefochten wird.

EinBayernFan 4. Juli 2012 um 17:19

Als Bayernfan hätte ich da ein paar Fragen über Can.

Und zwar:
Was für Laufwege geht er (mehr Vertikal oder Horizontal)?
Agierte er mehr als Staubsauger oder als Ballverteiler (Spielmacher)?
Ist er eher ein dynamischer oder ein statischer Spieler?
Wo liegen allgemein seine stärken schwächen?

Sorry dafür das ich eine so Uralte Analyse ausgrabe aber ich hoffe trotzdem das ihr meine Fragen beantwortet 🙂

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RM 4. Juli 2012 um 20:43

Soweit ich mich erinnern kann, ist er imstande, beides zu spielen. Eine jüngere Version von Khedira, vielleicht weniger torgefährlich und dynamisch, aber technisch etwas besser. Im Grunde ein sehr interessanter Spieler, aber natürlich schwer zu bewerten – dazu hätte man nicht nur jedes Spiel sehen müssen, sondern müsste wissen, wie er trainiert, sich körperlich und mental entwickelt, etc., um den Schritt in den Profifußball zu schaffen.

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EinBayernFan 6. Juli 2012 um 16:31

Danke dir sehr hilfreich

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