Frauen-WM: Fazit der Gruppenphase

Die Vorrunde der Fußballfrauen-WM zeigte deutlich, dass die kleinen Fußballnationen in den letzten Jahren große Schritte gemacht haben. Die großen Favoritinnen stagnieren hingegen.

Das Niveau steigt

Die Vorrunde der Frauen-WM zeigte einige wichtige Entwicklungen im Frauenfußball der letzten Jahre auf. Die erste Auffälligkeit dieser WM ist das Fehlen von hohen Ergebnissen. Bei den letzten Weltmeisterschaften war es normal, dass einzelne Mannschaften mit bis zu zweistelligen Ergebnissen abgefertigt wurden. Noch vor vier Jahren verabschiedete sich Argentinien mit 0 Punkten und 1:19 Toren aus dem Turnier, darunter ein 0:11 gegen die deutsche Mannschaft. Solche Ergebnisse gibt es nicht mehr. Die höchsten Niederlagen waren zweimal 0:4. Allerdings waren die unterlegenen Mannschaften keine No-Names des Frauenfußballs, sondern mit Kanada und Mexiko zwei mit Außenseiterchancen gehandelte Teams.

Dass es keine Nationen bei dieser WM gab, die als „Füllmaterial“ gesehen werden müssen, liegt an der zunehmenden Professionalisierung des Frauenfußballs. Gerade im konditionellen Bereich hat sich bei den kleinen Nationen etwas getan. Noch vor zwei, drei Jahren konnte man fest davon ausgehen, dass Teams wie Neuseeland und Kolumbien nach rund 60 Minuten konditionell abbauen. Mittlerweile können selbst die Außenseiterinnen ein relativ hohes Tempo bis kurz vor Schluss mithalten. Als Beleg für diese These dient die Torquote in der letzten Viertelstunde: Während 2007 in der Vorrunde noch 25% der Tore in den Schlussminuten erzielt wurden, sind es nun nur noch rund 20%.

Auch gleichen sich die Voraussetzungen im Körperbau mehr und mehr an. Gerade die junge Generation an Spielerinnen beeindruckt mit einer hohen körperlichen Präsenz und einer sehr physischen Spielweise. Früher konnten die großen Nationen durch ihre Robustheit dem Gegner zusetzen. Gerade das Spiel Nigeria gegen Deutschland zeigte, dass mittlerweile auch die Außenseiterinnen eine körperbetonte Spielweise einsetzen – bis zum Rande der Unsportlichkeit.

Im technischen Bereich zeigen sich viele Nationen ebenfalls verbessert. Annahmefehler und grobe Fehlpässe sind immer noch zur Genüge vorhanden, allerdings zeigt auch hier die Tendenz nach oben. Dennoch wäre die Torquote definitiv geringer, wenn nicht andauernd Torfrauen oder Verteidigerinnen bei vergleichsweise einfachen Aktionen patzen würden – auch das ist Frauenfußball. Allerdings ist die Häme, die viele vorwiegend männliche Beobachter über die Kickerinnen schütten, größtenteils unbegründet.

Weniger Tore

Nicht nur im individuellen, sondern auch im gruppentaktischen Bereich gibt es klare Verbesserungen bei den kleinen Nationen, zumindest was das Defensivverhalten angeht. Moderne Verteidigungsprinzipien – Raumdeckung und Viererkette – wurden mittlerweile von fast allen Teams übernommen. Einzig Brasilien und Äquatorial-Guinea nutzten eine Formation mit Libero. Verschieben, Gegenspielerinnen übergeben, gestaffelt stehen – all diese Facetten des Spiels beherrschen die Teams.

Die bessere Defensive manifestiert sich in der Torquote der Vorrunde. 2007 fielen in der Vorrunde durchschnittlich 3,54 Tore. Selbst wenn man die Spiele der „Kanonenfutternationen“ Ghana und Argentinien aus dieser Statistik streicht (zusammengenommen ein Torverhältnis von 4:33), bleibt eine Torquote von 2,67. Dieses Turnier hat bisher eine Quote von 2,50.

Die wenigen Torerfolge haben allerdings noch einen weiteren Grund: Die meisten Nationen präsentieren sich nicht nur defensiv kompakt, sondern auch offensiv harmlos. Dass Teams wie Nigeria oder Mexiko ihr Heil in langen Bällen suchen, kann man ihnen aufgrund ihrer Rolle nicht übel nehmen.  Das Problem ist vielmehr die zu zaghafte Herangehensweise der Favoritinnen.

Alle Top-Teams können moderne Formationen und Positionen umsetzen. Die Formationen 4-2-3-1 und 4-4-2, von fast allen Teams des Turniers angewandt, sind auf der Höhe der Zeit. Jedoch werden diese recht konservativ interpretiert. Aufrückende Außenverteidigerinnen sind eine ähnliche Seltenheit wie spielgestaltende defensive Mittelfeldspielerinnen. Noch immer sitzen die Spielmacherinnen auf der 10er-Position, wo sie allerdings einer hohen Bewachung durch meist zwei zentrale Mittelfeldspieler ausgesetzt sind.

Kritiker können einwerfen, dass diese Spielweisen selbst im Männerfußball noch sehr neu sind und die Frauen deshalb noch Zeit bräuchten, um diese zu implementieren. Demnach gäbe es noch keine Spielerinnentypen, die diesen Anforderungen entsprächen. Aber auch das stimmt nur zum Teil. Denn der Vereinsfußball der Frauen beweist, dass es solche Akteurinnen gibt, nur werden sie in der Nationalelf nicht oder nur auf anderen Positionen eingesetzt.

Prominentes Beispiel für diesen Positionstausch im Nationaldress ist Alexandra Popp, die im Verein eine Art „stürmender Außenverteidigerin“ gibt. In der Nationalelf wählt Silvia Neid jedoch die konservative Variante und stellt sie im Sturm auf. Diese Positionswechsel sind nicht unüblich, aber schade, da sie zumeist die sichere Variante der kreativeren vorziehen. Auch andere Spielerinnen erleiden dieses Schicksal.

Viele Tore nach Standardsituationen

Dieser Konservatismus zieht sich durch große Teile des Turniers. Er ist auch ein Hauptgrund dafür, dass die Frauen aus dem Spiel heraus so wenig Tore erzielen. Wenn die Verteidigungen immer besser werden, braucht man im Angriff taktische Überraschungen und kreative Aktionen. Diese fehlten nicht bei allen, aber bei vielen Spielen.

Das taktische Mittel für Teams, die aus dem Spiel heraus nicht punkten können, ist die Einübung von Standardsituationen. Die Japaner beispielsweise sind technisch beschlagene Spielerinnen in einer nicht spektakulär interpretierten Formation. Zum WM-Favoriten avancierten sie jedoch nicht durch ihr Kurzpassspiel, das bisher auch zu wenig Erfolg führte, sondern durch ihren 4:0-Sieg gegen Mexiko, bei dem die meisten Tore nach (durchaus ansehnlichen) Standards fielen.

Auch das Torfestival Deutschland gegen Frankreich war eher etwas für Freunde guter Standardvarianten als für Fans von Flachpasskombinationen: Zwei Treffer fielen nach Eckbällen, einer nach einem Einwurf, einer nach einem Freistoß und ein weiterer durch einen Elfmeter. Wenn eines vor der WM trainiert wurde, dann waren das Freistoß- und Eckballvarianten.

Ausblick

Trotz der eher defensiven Ausrichtung und der mangelnden spielerischen und taktischen Innovationen muss man dieses WM-Turnier bisher als Erfolg ansehen. Es war wohl nie schwerer als bei diesem Turnier, die Gruppenphase zu überstehen. Dass es keine eindeutigen Ergebnisse gibt, nützt dem Frauenfußball, denn so wird das Klischee bekämpft, dass die Hälfte der Teams bei solch einem Turnier bessere Betriebsauswahlen seien. Die abfallende Torquote ist im Fußball auch immer ein Beleg für das steigende, allgemeine Niveau.

Auch strafte die Vorrunde diejenigen Lügen, die Frauen- und Männerfußball als zwei verschiedene Sportarten ansehen. Körperliche Robustheit, moderne Formationen, technisch (teilweise) anspruchsvolle Spiele: Alle diese Facetten bot dieses WM-Turnier. Natürlich kann man beides nicht gleichsetzen, muss man aber auch nicht. Die Grundidee des Spiels und auch die Taktiken sind bei Männern und Frauen gleich.

Das Viertelfinale muss nun die bleibenden Fragen beantworten: Welches Niveau werden die Spiele haben, wenn zwei Top-Teams aufeinandertreffen? Können die klassischen Frauenfußballnationen ähnlich solide verteidigen wie Nigeria & Co.? Und welche Spielerin avanciert zum Topstar des Turniers? Es gibt also viele Gründe, dem Frauenfußball weiter treu zu bleiben.

Laura 3. Oktober 2011 um 22:13

Wahnsinnig interessant, Eure Seite. Schade, dass ich sie erst so spät am Abend entdeckt habe und morgen um 6 Uhr morgens aus dem Bett muss! Die Artikel, die ich bis jetzt verschlungen habe, haben mich (als Laien der Fußballtaktik) schwer beeindruckt. Es ist interessant ein Spiel aus einer anderen Sichtweise wahrzunehmen. Eigentlich wollte ich nur sagen: Danke für die Beiträge 🙂

Antworten

Aussiedler 9. Juli 2011 um 11:25

Ich habe diesen Blog gerade erst entdeckt (und mich sehr gefreut), aber noch nicht alles durchgelesen. Es kann sein, dass es einigen auch schon aufgefallen sein wird, einige Dinge sind meiner Meinung nach bei den Frauen SEHR auffallend:

1) kaum ein Team (Deutschland manchmal in Ansätzen) hat einen richtig durchdachten Spielaufbau. Viele Mannschaften versuchen gar nicht erst, den Ball hinten in den eigenen Reihen zu halten und zu den 6ern zu bringen, stattdessen schießen sie den Ball einfach so weit wie möglich weg (siehe z.B. auch Brasilien). Dadurch wird vieles vom Zufall bestimmt.

2) Dieses Ball-nach-vorne-hauen funktioniert sogar – weil viele Verteidigerinnen immer noch eine relativ hohe Fehlerquote haben, die lauernde Stürmerinnen dann ausnutzen. (ich weiß, dass viele der Frauen nur 3 – 4 mal die Woche trainieren, soll jetzt kein Diss sein). Das erklärt wohl auch die vielen Tore nach Standards.

Diese zwei Dinge, vor allem das zufällige Aufbauspiel, nervt mich gewaltig bei dieser WM…

Antworten

BenHasna 9. Juli 2011 um 13:47

Das hat meines Erachtens seine Gründe (siehe mein Beitrag weiter oben). Dass es nervt, na ja, kann ich einerseits teilweise verstehen, anderseits aber auch nicht, weil gewisse Aspekte des Frauenfussballs nun mal anders funktionieren, und trotzdem Fussball auf allerhöchstem Niveau ermöglichen. Zum Beispiel sind auf dem letzten Drittel technisch und (individual-)taktisch herausragende Aktionen zu sehen und wird recht wenig vom Zufall bestimmt. In diesem Zusammenhang darf man Zufall auch nicht verwechseln mit Fehlern, zu denen Verteidigerinnen und Torhüterinnen gezwungen werden durch starke Offensivaktionen.

Zum Teil scheint mir eher problematisch, dass zu viel, bzw. in falschen Momenten aufzubauen versucht wird. Oft gehts nicht, weil der vertikale Pass ins Zentrum zu riskant ist, zu früh nach aussen gepasst wird, dann eh alles dicht ist und doch der lange Ball geschlagen werden muss. Inzwischen hatte sich das Team aber so verschoben, dass man vielleicht geschickt aufbauen kann und folglich fehlt vorne die Unterstützung, um den langen Ball festzumachen. Wenn man gezielter lange Bälle spielen würde, wäre da der Support viel grösser und oft zumindest ein Einwurf in der gegnerischen Hälfte rauszuholen, was dann wiederum schnell zu Gefahr führen kann.
Auch ist es meines Erachtens eine schlechte Idee, allzu häufig das Spiel zu beruhigen versuchen durch Ballzirkulation. Weil die Pässe einen Tick langsamer und weniger präzis gespielt werden, aber viel gelaufen und verschoben wird, ist spätestens nach drei, vier Pässen der Druck des Gegners da. Und sich dann spielerisch zu lösen, fällt schwer. Resultat ist wiederum ein langer Ball ohne Abnehmer und ohne Spielberuhigung oder ein Ballverlust in der eigenen Platzhälfte, was dem Gegner natürlich stark in die Karten spielt, da er nicht selbst die schwierige Aufgabe übernehmen muss, von hinten aufzubauen. Würde relativ rasch der weite Ball gesucht, wäre letztlich weniger Hektik im Spiel, man könnte gezielte weite Bälle schlagen, versuchen diese festzumachen, allenfalls einen Einwurf rauszuholen oder im Notfall hat halt der Gegner in dessen eigener Platzhälfte den Ball und muss erst mal selbst aufbauen, was ja wie wir wissen keine einfache Sache ist…

Antworten

Aussiedler 9. Juli 2011 um 18:55

ok, unter deinen oben angeführten Gesichtspunkten macht das Sinn (Habe es mittlerweile auch gelesen).

Antworten

BenHasna 9. Juli 2011 um 11:05

…was ich zu Popp noch anfügen wollte: Abgesehen davon, dass ich sie auf Grund ihrer Spielintelligenz sowie Abschlussstärke für eine reine Stürmerin halte, würde es meiner Meinung nach eben aus beschriebenen Gründen nichts bringen, eine Offensivspielerin auf die Aussenverteidigerposition zu setzen. Sie kann da verhältnismässig wenig ausrichten, solange sich die Gewichte nicht verschieben, die eigenen Abstände verkleinern, der Gegner auseinander gezogen und insgesamt also beispielsweise nicht dank verstärktem Aufbau durchs Zentrum (via spielstärkere Innenverteidigerinnen, technisch bessere 6er) mehr Räume geschafft werden.

Antworten

BenHasna 9. Juli 2011 um 10:44

Ich bin mit vielen einzelnen Punkten sehr einverstanden, habe diese aber etwas anders sortiert. Grundsätzlich meine ich auch, dass Frauen- und Männerfussball bezüglich Grundidee des Spiels gleich sind und Vergleiche deshalb doof. Um jedoch zu verstehen, wieso die Aussenverteidigerinnen beispielsweise so agieren wie sie eben agieren, muss einem klar sein, wie Frauenfussball funktioniert. Also, wenn Frauenfussball neutral bewertet werden soll, muss er übergeordnet vom Männerfussball abgegrenzt werden.

Entscheidend ist, dass die Gewichte der Spielsituationen anders verteilt sind – kollektive Defensive, individuelle Defensive, kollektive Offensive und individuelle Offensive verhalten sich im Frauenfussball anders zueinander als im Männerfussball. Einiges klang in einzelnen Beispielen hier an, so ist die kollektive Defensive auf hohem Niveau, es ist durch die ausgeprägte Laufstärke problemlos möglich, gut zu verschieben, gut zu doppeln, usw. Dagegen fällt die individuelle Defensive etwas ab, sichtbar besonders bei den Torhüterinnen, aber auch auf dem Feld durch Fehleinschätzungen aller Art. In der Offensive erweist sich der individuelle Aspekt als eher weiter entwickelt. Einzelne Dribblings, Flanken, Kopfbälle, Laufwege, Steilpässe werden auf sehr hohem Niveau ausgeführt. Und da viele dieser Dinge in Kombination angewendet wird, stimmt so gesehen auch das mini-Kollektiv – wie zwei, drei Spielerinnen im Zusammenspiel Offensive kreieren, ist vielleicht gar das grösste Qualitätsmerkmal des Frauenfussballs. Das grosse Offensivkollektiv, im Sinne von Spielaufbau über zahlreiche Stationen, ist weniger ausgeprägt.

Das soll nun nicht heissen, es werde individuell schwach verteidigt oder Spielaufbau sei nicht vorhanden. Aber es gibt Wechselwirkungen, die dazu führen, dass gewisse Aspekte des Spiels anders interpretiert werden.

Für mich ist es in diesem Zusammenhang natürlich, dass die Aussenverteidigerinnen nicht die gleiche Rolle übernehmen wie die männlichen Kollegen. Im Männerfussball ist deren Stellung prominent dank starkem Kollektivspiel in der Offensive. Dadurch dass viel flach von hinten durchs Zentrum aufgebaut wird, bleiben die eigenen Abstände gering und wird das Defensivkollektiv des Gegners auseinander gezogen. Beispielsweise ergeben sich so durch Zusammenspiel von Innenverteidiger-6er-einrückender Flügel für den Aussenverteidiger Zeit und Raum für einen Vorstoss. Ähnlich dank Seitenwechsel durchs zentrale Mittelfeld. Im Frauenfussball wird viel weniger oft flach durchs Zentrum aufgebaut, sondern gleich auf die Aussenverteidigerinnen gepasst (deshalb auch die vielen Ballkontakte). So ist aber für den Gegner viel leichter, das Kollektiv in der Defensive zusammenzuhalten, er kann gemeinsam in eine Richtung verschieben. Gleichzeitig führt es dazu, dass die eigenen Abstände eher grösser werden, speziell in der Breite. Aber da mehr lange Bälle eingestreut werden und die Stürmerinnen auf diese spekulieren (müssen) auch in der Länge. Wiederum hängt alles miteinander zusammen. Es müssen mehr weite Bälle gespielt werden, weil man sich durch Aufbau von hinten über die Seiten den Raum selbst verknappt, was eben dazu führt, dass man zusätzlich grössere Abstände hat, usw. Und dass verhältnismässig oft gleich auf die Seiten (oder lange Bälle) gespielt wird, hat auch damit zu tun, dass mehr Teams 4-4-2-ähnlich spielen und Pässe durchs Zentrum schwieriger anzubringen sind, zumal trotz guter technischer Ausbildung natürlich ein paar Prozente bei Passgenauigkeit und Ballmitnahme fehlen, im Gegenzug aber Fehler in diesen Räumen ähnlich gnadenlos bestraft werden wie bei den Männern.

Das sollen jetzt keine schwarz/weiss-Vergleiche sein, selbstverständlich gibts auch im Frauenfussball mal den Aufbau durchs Zentrum. Die Beispiele sollen nur illustrieren, was ich mit unterschiedlich verteilten Gewichten bezüglich Spielsituationen meine. Und, falls das unklar sein sollte, bin grosser Fan des Frauenfussballs und der Überzeugung, dass ausserordentlicher Sport geboten wird bei der WM.

Antworten

Uncle Jack 8. Juli 2011 um 02:12

Sehr interessanter Artikel – vielen Dank!

Eine Frage: Es wird die Anzahl der Ballkontakte pro Spiel von Spielerinnen wie z.B. Babett Peter genannt. Wo findet man solche statistischen Werte oder andere Daten wie Paßquoten, heat maps, usw.? Bei FIFA.com habe ich sie nicht ausfindig machen können (vielleicht bin ich aber auch nur mit Blindheit geschlagen).

Etwas anderes:

Eine Kritik, die man in den USA mitunter liest (und auch 2007 nach der 0:4 Niederlage des USWNT gegen Brasilien im Halbfinale zu lesen war), lautet wie der Kommentar von Tom aus Sequim, WA, heute ‚auf‘ dem GOAL Forum der New York Times:

„… the US women, like the US men, show a lack of technical ability (the poor first touch often forces a hurried second touch) and very little creativity. … Most US youth programs and certainly US college programs ignore the creative player in the midfield and so those players don’t exist at the professional and international levels. US women’s soccer will continue to lose its supremacy until it develops creative, smart and technical players. “

Man liest ja immer wieder, daß Pia Sundhage z.B. mehr auf ein Kurzpaßspiel setzen will. Aber sie muß ja mit den Spielerinnen auskommen, die ihr ‚das System ins Haus liefert.‘

Geschwindkeit und vielleicht noch Beschleunigung lassen sich ja auch immer einfacher messen als technische Fähigkeiten oder die Fähigkeit ein Spiel zu ‚lesen’…

Antworten

TE 8. Juli 2011 um 08:21

In der Tat, Fifa.com führt (anders als bei Männer-WMs) diese Statistiken nicht. Ich muss auf die Statistiken von ZDF.de zurückgreifen (zu finden im Liveticker), auch wenn ich – wie bereits in der ersten Analyse erwähnt – in manchen Fällen das Gefühl habe, dass sie nicht 100% akkurat sind. Eine bessere Lösung gibt es allerdings nicht. Ich glaube zudem nicht, dass es so große Verzerrungen gibt, als dass die Außenverteidigerinnenpräsenz in den Top 10 der meisten Ballkontakte falsch sind.

Antworten

96Friese 7. Juli 2011 um 14:09

„Welches Niveau werden die Spiele haben, wenn zwei Top-Teams aufeinandertreffen?“

Da freu ich mich jetzt schon auf USA-Brasilien. Zwei Top-Favoriten begegnen sich im Viertelfinale *freu*

Antworten

heinzkamke 7. Juli 2011 um 12:07

Silvia Neids Äußerungen zum defebnsiven Mittelfeld hatte ich nicht mitbekommen. Interessant, wo sie doch, zumindest nach meiner Wahrnehmung, an der Stelle im Vergleich zu anderen mit der offensiv bemerkenswerten Laudehr und vielleicht auch Kulig in einer vergleichsweise komfortablen Position ist.

Antworten

heinzkamke 7. Juli 2011 um 11:01

Aufrückende Außenverteidigerinnen sind eine ähnliche Seltenheit wie spielgestaltende defensive Mittelfeldspielerinnen. Noch immer sitzen die Spielmacherinnen auf der 10er-Position, wo sie allerdings einer hohen Bewachung durch meist zwei zentrale Mittelfeldspieler ausgesetzt sind.

Ich bin nicht uneingeschränkt Deiner Meinung, auch wenn ich vermutlich nicht so viele Spiele gesehen habe wie Du, also nur auf punktuelle Eindrücke zurückgreifen kann. Sehr offensive Außenverteidigerinnen habe ich auch nicht viele gesehen. Jong-Sun Song aus Nordkorea würde ich aber durchaus nennen wollen, im teilweise guten Zusammenspiel mit der offensiven Su-Gyong Kim. Babett Peter trifft man zwar auch selten an der gegnerischen Grundlinie an; sie hat gleichwohl sehr viele Ballkontakte (wenn sie auch zu viele lange Bälle spielt), und erinnert insofern an die Bedeutung der AußenverteidigerInnen, wie wir sie von den Männern kennen. Sonia Bompastor sehe ich in dieser Hinsicht ebenfalls als Positivbeispiel.

Sind die Spielmacherinnen so häufig auf der 10? Bei der deutschen Mannschaft gibt es diese Position ja eher nicht, bzw. sie ist im Grunde von einer Stürmerin besetzt, während die Sechserinnen, wenn sie nicht ausschließlich mit dem Stopfen von Löchern befasst sind, durchaus den Takt vorgeben. Bei den Französinnen habe ich Necib in den ersten beiden Spielen eher so wahrgenommen, dass sie von außen kommt, oder aber auf der Özil-Position, bei der man darüber streiten kann, ob sie eine 10 ist. Zudem wird Soubeyrards Einfluss auf das Spiel der Mannschaft mE etwas unterschätzt, ohne dass ich sie wirklich als Spielmacherin bezeichnen würde. Nordkorea und die USA empfinde ich als so kompakt und -auch wenn’s bei PRK nicht richtig geklappt hat- variabel, dass ich auch nicht von einer klassischen 10 reden würde. Was nicht per se kreativ oder unkreativ ist.

Einzelbeispiele, über die man streiten kann.

Und insgesamt teile ich Deinen Eindruck, dass die Innovation im Offensivspiel nicht mit der Professionalisierung in der Defensive Schritt zu halten scheint.

Antworten

TE 7. Juli 2011 um 11:31

Erstmal danke für die Antwort. Natürlich gibt es sowohl Außenverteidigerinnen als auch Spielmacherinnen, die dem oben dargestellten Trend widersprechen. Das ist immer die Achillesferse solcher Artikel: Hier werden 16 Mannschaften über einen Kamm geschert, wenn man es negativ sagen möchte. Worauf ich hinaus wollte und wo du ja auch zustimmst: Die Defensive hat sich stark verbessert, die Offensive kaum.

Zu den Außenverteidigerinnen möchte ich noch hinzufügen, dass ich nicht über ihre Einbindung ins Spiel rede. Viele Spielerinnen in den Top 10 der meisten Ballkontakte sind sogar auf Außen zu finden. Es ging hauptsächlich um das Einbinden in Angriffe, auch in der Nähe des gegnerischen Strafraums. Das findet man sehr selten. Es geht mir hier um die Interpretation der Rolle, nicht um die Einbindung ins Aufbauspiel.

Bei den Spielmacherinnen hast du sicher Recht. Auch hier ginge es mir aber wieder darum, dass (noch) die Spielmacherinnen im defensiven Mittelfeld fehlen. Eine Meinung, die ich nicht exklusiv gepachtet habe: Schon vor der WM hat Silvia Neid immer wieder betont, dass sich hier im Frauenfußball allgemein und in der deutschen Mannschaft speziell etwas tun müsse.

Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*