Argentinien – Kolumbien 0:0

Auch in der zweiten Runde der Copa America konnte Topfavorit und Gastgeber Argentinien keinen Sieg feiern und musste sich mit einer Nullnummer gegen Kolumbien begnügen.

Der aktuelle Weltranglistenzehnte zeigte keine starke Leistung und Weltfußballer Lionel Messi blieb großteils blass, was einer der Hauptgründe für das Unentschieden war.

Abermals biss sich die Albiceleste trotz ihrer individuellen Stärke in der Offensive die Zähne an einer disziplinierten und tiefstehenden Abwehr aus, Coach Batista wird sich nun selbst hinterfragen müssen, wieso er mit seiner Mannschaft zweimal hintereinander keine Lösung gegen einen motivierten Underdog finden konnte.

Wechselwirkung der jeweiligen Taktiken

Kolumbien, welches somit zum fünften Mal in den letzten sechs Spielen zu Null blieb, agierte anders als Bolivien und Venezuela – statt einem 4-4-1-1 benutzten sie keine doppelte Viererkette, sondern agierten viel mehr in einer Art Tannenbaum, wobei das kolumbianische System etwas vom klassischen Tannenbaum abwich.

GrundformationenIn einem typischen 4-3-2-1 decken im Normalfall eher die äußeren zwei der zentralen Mittelfeldspieler die Breite des Spielfelds ab, defensiv wie offensiv, doch Hernán Goméz nutzte das zentrale Dreieck um Messi vom Zentrum und der Angriffsreihe zu trennen, die beiden offensiveren, Adrián Ramos von der Hertha und Dayro Moreno vom Club Tijuana, kümmerten sich in der Defensive vermehrt um die Außenverteidiger Argentiniens.

Sergio Batista ließ seine Mannschaft mit mehr oder weniger der gleichen Formation wie im ersten Spiel antreten und weigerte sich überraschend, Lavezzi für den Torschützen zum 1:1 gegen Bolivien, Sergio Agüero, auszutauschen.

Argentinischen Medien zufolge soll Batista sich hier nach Lionel Messi gerichtet haben, der diesen Tausch nicht gut geheißen hätte – Gerüchte hin oder her, es war wohl die falsche Entscheidung.

Obwohl Tévez und Lavezzi etwas zentraler agierten, um leichter auf die Schnittstellen der Abwehr zugreifen zu können (was beinahe in einem Tor Lavezzis nach schöner Vorlage Messis gemündet hätte), zeigten beide eine eher schwache Partie und auch die offensiven Außenverteidiger Zanetti und Zabaleta, der statt Rojo in die Mannschaft kam, konnten den beiden mit ihrem Hinterlaufen keine effektive Hilfe geben.

Eine weitere kleine Änderung Batistas war, dass Cambiasso nicht mehr schematisch in die Mittelstürmerposition rutschte, wenn Messi sich fallen ließ, sondern jener Raum vakant blieb, um die tiefstehende Abwehr der Kolumbianer hinaus zu locken – was grandios scheiterte, denn Yepes und Perea zeigten eine geduldige und disziplinierte Partie, im Wissen, dass Guarín, Sanchéz und Aguilar sich um Messi und den deeplying-playmaker Banega kümmern würden.

Ein weiteres Problem der Albiceleste war ihr Pressing, welches öfter in Fouls und Kontern endete, als in Ballgewinnen; zum Vergleich eine recht interessante Statistik: Lionel Messi wurde in 90 Minuten einmal gefoult, der verkappte Spielgestalter Kolumbiens, Guarín, fünfmal.

Letztendlich „gewann“ Argentinien die Foulstatistik mit 17:8 und obwohl man etwas mehr an Spielanteilen hatte, so hatte Kolumbien mehr Hochkaräter und hätte in der 26. Minute in Führung gehen müssen, doch Moreno verfehlte das leere Tor und der Schiedsrichter hatte zuvor die Vorteilsregel nach einem Foul Burdissos an Ramos im Strafraum falsch ausgelegt.

Die Chance selbst entstand nach einem flapsigen und schlechten Pass Militos und es sollte nicht der letzte gefährliche Fehlpass der argentinischen Verteidigung werden – Glück für den Topfavoriten, dass Falcao und Co. diese individuellen Fehler nicht zu einem Sieg gemünzt hatten.

Zwei Punkte, die Kolumbien taktisch herausragend ausführte, möchte ich grafisch näher darlegen:

In diesem Bild kann man sowohl die richtigen Abstände der Viererkette, die defensive Arbeit der offensiven Spieler Kolumbiens (Ramos und Moreno, welche in Halbzeit zwei vermehrt die Seiten tauschten) als auch das Versperren der Passwege gut beobachten.

Ramos (hier der erste Kolumbianer von unten) und Moreno zogen sich zurück und sorgten für eine 4-5-Stellung in der Defensiven, dadurch waren die Außen abgedeckt, ohne dass die kolumbianischen Außenverteidiger die enge Viererkette auflösen mussten, was aufgrund der offensiven Außenverteidiger Argentiniens spielentscheidend war.

Fazit

Kolumbien hat sich diesen Punkt mehr als verdient und Argentinien kann von Glück sprechen, dass sie dieses Spiel nicht noch verloren haben – der Gruppensieg liegt jedoch nun in weiter Ferne.

Sergio Batista wird sich etwas überlegen müssen, wie er seine Mannschaft zum Laufen bringt und das Kollektiv den individuellen Stärken gleichsetzt.

Das Problem der Albiceleste ist ihre fehlende Verbindung von Sturm und Mittelfeld, was Messi -egal, wie gut er sein mag- nicht alleine übernehmen kann. Banega versucht zwar zu helfen, doch auch er tut sich aufgrund des schwachen Spielaufbaus der Abwehr sowie den mäßigen Leistungen Mascheranos und Cambiassos schwer, ins Spiel eingebunden zu werden.

Zwar bleibt Argentinien weiterhin der Favorit auf den Sieg, doch mit weiteren solchen Leistungen gegen die vermeintlich Kleinen könnte auch eine Überraschung bei dieser Copa möglich werden.

Jan-Henrik Gruszecki 7. Juli 2011 um 21:44

Hallo,
schöne Analyse. Batista ist wirklich nicht in der Lage zu erkennen, wenn er mit seinem System keine Chancen kreieren kann und es umstellen muss. Messi ist stärker, wenn er über außen kommt und mit Pastore hätte er einen genialen Partner, der sowohl die klassische, als auch die falsche 10 spielen kann. Di Maria, Pastore, Messi – davor eine Sturmspitze mit Higuaín oder auch Milito – das wäre meiner Ansicht nach ein gutes Offensivquartett. Zumal Di Maria und Pastore auch gegen den Ball sehr Diszipliniert agieren können – zumindest im Vergleich mit den Zeiten von di Maria bei Rosario Central oder Pastore bei Huracán. Batista ist wirklich ein Desaster und spricht schon Bände, dass Maradonas Selección taktisch klüger und effektiver agiert hat, als die vom Checho. Zuletzt noch: Was ich zudem nicht verstehen kann: Messi (Jahrgang 1987), Tevez (Jahrgang 1984) und Agüero (Jahrgang 1988) sind drei Ausnahmefußballer die nahezu einer Generation entsprechen bzw. schon lange zusammen Spielen. Man hat aber stets das Gefühl, dass sie noch nie zusammen gespielt haben. Ein Grundproblem in Argentinien, da in den Testspielen zumeist die „Selección Local“ spielt, also die Auswahl der Spieler die (noch) in der Argentinischen Liga spielen. Die „Europäer“ spielen also nur bei WM-Qualispielen und Turnieren zusammen, weshalb aufgrund des hohen Druckes vor allem keine Zeit für Experimente ist. Ich höre lieber mal auf, sonst wird das zu lang. Zum Ende noch: schön, dass ihr auch die Spiele der Copa anslysiert. Würde mich sehr freuen, wenn ihr öfter mal nach Südamerika schaun würdet.

Liebe Grüße aus Argentinien
Jan-Henrik

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RM 7. Juli 2011 um 23:17

Ich stimme dir großteils zu, doch Messis Idealposition lässt sich nicht so einfach feststellen – bei Barcelona agiert er ja als false Nine herausragend.

Ansonsten kann ich dir wie gesagt nur zustimmen, mit einer anderen Nominierungspolitik und besseren taktischen Anpassungen könnte diese Mannschaft ihr extremes Potenzial sicherlich nutzen.

Danke für dein Lob und wir werden versuchen, weiterhin die Copa abzudecken und auch ein paar Ligaspiele zu machen (River und ein Spiel der brasilianischen Liga, von Internacional, haben wir zB schon).

Gruß,
RM

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