Donnerstag, 21.09.2017

U13-Reform: Sammer liegt goldrichtig

Der DFB reformiert in Person von Matthias Sammer zur Saison 2011/12 erneut den Nachwuchsfußball in der D-Jugend. Nachdem man schon 2005/06 Feld- und Torgröße für die D-Junioren (U13) geändert hatte, beschloss man nun, erneut die Feldgröße und Spielerzahl zu verringern. In der neuen Saison spielen nun in fast allen Bundesländern die D-Jugendmannschaften mit neun Spielern und in einem verkürzten und verengten Feld zwischen den Strafräumen. So wird der Bereich U12-U13 immer mehr dem Kinder- als dem Jugendfußball zugeordnet, was aufgrund der durchschnittlichen körperlichen Entwicklung und der besonderen Bedeutung dieser Altersklasse für die Entwicklung der fußballerischen Fähigkeiten nur logisch erscheint.

Stabilität statt Spielwitz

Man verspricht sich dadurch vor allem ein altersgerechteres Fußballspiel. Wer in den letzten Jahren die Entwicklung bei den U13-Junioren verfolgt hat, kam nicht umhin festzustellen, dass dem gezeigten Fußball sämtliche Facetten, die den Kinder- und Jugendfußball so interessant machen, fehlten.

Schon ein einziges Spiel genügte, um festzustellen, dass das große Feld bei noch nicht voll ausgebildeter Kraft vor allem den Frühentwicklern Vorteile verschaffte. So kam es, dass sich in den Spitzenmannschaften vor allem große, für ihr Alter ungewöhnlich starke Spieler versammelten und die körperlich etwas schwächeren, aber dafür technisch stärkeren, Spieler zu kurz kamen.

Doch nicht nur, dass die kleineren Spieler Nachteile hatten, auch die generelle Spielweise wurde von Experten wie neutralen Beobachtern äußerst kritisch gesehen. Es zeigte sich, dass die ambitionierten Teams beinahe komplett die Viererkette einübten und somit den Fokus zunächst auf die defensive Stabilität legten. Somit lesen sich die Ergebnisse in den ebenfalls relativ neuen Nachwuchsrunden (Bezirksligen) sehr ernüchternd: Selten fielen mehr als drei Tore pro Spiel, ein erschreckender Wert für ein Jugendspiel. Live zogen die Spiele die Zuschauer nicht annähernd so in ihren Bann wie noch in den jüngeren Altersstufen, wo durch kleinere Felder und geringere Spielerzahlen wesentlich mehr Tempo und Überraschung und auch insgesamt wesentlich mehr Torszenen zu sehen sind. Reinhard Klante, Cheftrainer des BFV sieht es genauso: „Aus sportlicher Sicht ist das neue Modell 9:9 sicherlich zu begrüßen. Die Spieler werden mehr Ballkontakte haben und damit ihre fußballerischen Fähigkeiten besser schulen können.“

Der gespielte Fußball orientierte sich verständlicherweise an den Logiken des Großfelds und damit an der Spielweise älterer Mannschaften. Wenn schon in so jungen Jahren bevorzugt Spielsysteme mit einem Stürmer gespielt werden und die erfolgsorientierten Trainer das Hauptaugenmerk auf die Defensive legen, kann sich ein kreatives und offensives Angriffsspiel nur sehr schwer entwickeln. So erscheint es nur logisch, dass der DFB unter Anleitung von Sportdirektor Sammer der äußerst unerfreulichen Entwicklung entgegenwirkte und den zukünftigen U13-Fußball viel stärker an der U11 orientiert als an der U15.

Reform als logische Folge

Die meisten Experten sind sich einig, dass die nun durchgeführte Reform sportlich der einzig richtige Weg ist. Verschiedene Vergleiche von U13-Spielen nach alten und nach neuen Regeln haben gezeigt, dass durch die geringere Spielerzahl die einzelnen Spieler wesentlich stärker am Spiel beteiligt sind. Auch passieren wesentlich mehr 1-gegen-1-Situationen und es fallen insgesamt auch deutlich mehr Tore. Dies mag zum Teil mit der Ungeübtheit der Spieler in den neuen Systemen zu begründen sein, doch auch insgesamt erscheinen die Spiele in 9er-Mannschaften viel intensiver, abwechslungsreicher und für die Kinder anspruchsvoller.

Zwar haben die Frühentwickler weiterhin natürliche Vorteile, doch dürften die technisch starken Spieler in Zukunft wesentlich besser zur Geltung kommen. Es gilt inzwischen als sicher, dass bei 9er-Mannschaften wesentlich mehr Torchancen herausgespielt werden. Das fördert genauso wie der geringere Gegnerdruck die Entwicklung der fußballerisch stärkeren Spieler, sodass diese mit Eintritt in die Pubertät geringere Nachteile in der Fußballausbildung hinzunehmen haben dürften, da sie voraussichtlich eine größere Beachtung in den leistungsstarken Mannschaften erhalten werden.

Erleichterung des Übergangs

Über die oben genannten Vorteile hinaus gibt es einen weiteren wesentlichen Vorteil: Die aus der U11 aufrückenden Spieler werden es in Zukunft wesentlich leichter haben, sich in der neuen Altersklasse zurecht zu finden und in den ersten Mannschaften zum Einsatz zu kommen, da körperliche Vorteile voraussichtlich an Einfluss verlieren werden. Auch Experte Klante sieht den Übergang durch die Reform erleichtert: „Mit dem 9:9-Modell wird eine Etappe auf dem Weg zum Großspielfeld eingebaut, um die Jugendlichen nicht zu überfordern.“ Außerdem kann die vom DFB „goldenes Lernzeitalter“ genannte Altersstufe in der D-Jugend darauf verwandt werden, die zuvor erlernten Grundtechniken zu verfeinern. Dafür sollte laut DFB diese Altersklasse schwerpunktmäßig genutzt werden, doch in der Vergangenheit standen leider häufig – wie bereits erwähnt – erfolgsorientierte Inhalte im Mittelpunkt.

So dürfte die Reform hoffentlich bewirken, dass die Spieler, die aus der U13 kommen, technisch reifer und wesentlich offensiver geprägt sind als ihre Vorgänger. Diese haben nämlich in den meisten Fällen gelernt, dass zuerst die Defensive stabil stehen muss und ein Tor für drei Punkte reicht, was aber natürlich nicht die Philosophie einer Jugendmannschaft sein sollte.

Eine realitätsferne Reform?

Bei so klaren Vorteilen erstaunt es, wie heftig die Kritik an den Änderungen ausfällt: Sammer wird eine „nicht umsetzbare“ und „realitätsferne“ Reform vorgeworfen. Hauptkritikpunkt ist, dass die Vereine nicht über die nötigen Mittel zur Umsetzung verfügen. Dies betrifft die durch die steigenden Mannschaftszahlen bedingte Trainerknappheit genauso wie die häufig genannten organisatorischen Schwierigkeiten durch den Auf und Abbau des speziellen Spielfeldes.

Nun erstaunt es den neutralen Beobachter in diesem Zusammenhang, dass mögliche organisatorische Probleme hochrangige Vertreter dazu bringen, die Reform als solche für nicht umsetzbar und unnötig zu erklären. Im Kinder- und Jugendfußball geht es natürlich in erster Linie um die Kinder und Jugendlichen. Und wenn diese im Mittelpunkt stehen, sollten organisatorische Aspekte zwar berücksichtigt werden, jedoch nicht sportlich sinnvolle Reformen verhindern.

Zwar dürfte es in den ersten Jahren etwas schwierig werden, Trainer für die zusätzlichen Mannschaften zu finden, aber schließlich klappt es auch in den U11-Mannschaften mit sieben Spielern, sodass sich eigentlich nur die generelle Wahrnehmung, wonach die meisten Vatertrainer zur D-Jugend aufhören, ändern müsste. Hier sind die Vereinsvertreter gefordert, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Ebenso wie den engagierten Vätern muss auch den Jugendspielern aus den höheren Altersstufen, die als Trainer in den unteren Altersstufen tätig sind, Vertrauen entgegen gebracht werden. Diese jungenTrainer eignen sich nämlich nicht nur für das Kindertraining, sondern auch hervorragend für den Jugendfußball bis zur U15, vorausgesetzt natürlich, die Trainer sind in ihrer Persönlichkeit so reif, um mit den zunehmenden und ernsteren Konflikten sowie den in der Pubertät schwierigen Jugendlichen zurecht zu kommen.

Fazit

 

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die bevorstehende Reform des U13-Fußballs sportlich die absolut richtige und notwendige Entscheidung ist. Das auch durch die letzte Reform vor sechs Jahren noch immer nicht altersgerechte Spiel in der D-Jugend wird durch die Verringerung der Spielerzahl und die nochmalige Verkleinerung des Spielfeldes hoffentlich endgültig den körperlichen Voraussetzungen der meisten Kinder gerecht werden.

Darüber hinaus wird der Übergang von Klein- und Großfeld erheblich erleichtert. Die Spieler können die erlernten Fähigkeiten in den zwei Jahren D-Jugend auf das größere Feld übertragen und im „goldenen Lernalter“ den Fokus auf die Vertiefung der Grundtechniken sowie beginnende Individual- und Gruppentaktik legen. Die in den momentanen U13-Mannschaften vorherrschende Defensivtaktik verliert durch die Reform an Relevanz, dadurch kann man insgesamt auf mehr Offensivaktionen, Torgefahr und Kreativität hoffen sowie weniger Defensivtaktik, was im Kinder- und Jugendfußball allgemein wünschenswert wäre.

Organisatorisch sehen viele Vereinsvertreter durch die Reform nur zusätzliche Probleme. Doch diese Schwierigkeiten werden sich nach einer normalen Umstellungszeit wohl klären lassen, so ist es zum Beispiel diskutabel, ob man das Feld in der Breite wirklich um jeweils fünf Meter verkürzen muss oder ob man nicht lieber auf normale Platzbreite spielen lassen kann, da dies den Spielern zusätzlichen Freiraum bietet und organisatorisch für Entlastung sorgt.

Roosli 4. November 2011 um 10:37

Dies ist eine Klasse Homepage. Habe sie gestern gefunden und komme nicht mehr los.

Bezüglich dem D-Junioren Fussball kann ich folgendes sagen:
In der Schweiz spielen wir seit einigen Jahren (ca. 7 Jahren) mit diesem System. Bei der U9 wird 5er-Fussball gespielt, bei der U11 7:7 (quer zum normalen Platz, je nach Platzgrösse in der Breite reduziert) und in der U13 wird eben 9 gegen 9 gespielt.

Wir sind aber aus der anderen Richtung gekommen. Vor rund 25 Jahren wurde bei der U13 der 7er Fussball eingeführt. Dies wurde nun abgeändert auf 9:9, was ich klasse finde. Die Junioren kommen Schritt für Schritt zum 11er Fussball. Der vorletzte Schritt ist das längsspielen auf einem normalen Platz, aber halt in einer angepassten Form (kleiner Tore, kleiners Feld, weniger Spieler). Danach kommt der Schritt auf das grosse Feld und die grossen Tore.

Die Regeln sind alle genau gleich wie bei den Erwachsenen (also inkl. Abseits von der Mittelline an). Allerdings wird auf 5-Meter-Tore gespielt. Ich glaube mit diesem Ansatz hat man der körperlichen wie auch geistigen Entwicklung der Kinder Rechnung getragen.

Bezüglich der Kritik der Vereine. Da habe ich Verständnis. Bei uns hatten wir einen speziellen Platz für die 7er-Mannschaften und konnten so den Hauptplatz etwas schohnen. Nun wird der Hauptplatz mit zwei weiteren Teams belastet. Das gab an Anfang etwas Unruhe, weil vor dem Strafraum (sprich beim Tor der D-Junioren) nun noch mehr belastet wurde. Etwas Überzeugungsarbeit und Änderungen im Verhalten sind vonnöten. In Deutschland wird es evtl. das eine oder andere Team mehr geben, aber das kann man in den meisten Fällen lösen. Aber es löst in einem kleinen Verein vielleicht Bedenken aus, ein oder zwei neue Trainer finden zu müssen.
Überzeugt sie vom 9:9 Fussball!

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tuskicker 18. Oktober 2011 um 12:56

Hallo,

der Bericht ist super. Am Samstag habe ich bei uns auf dem Platz das erste Mal diese neue Vorgabe gesehen und war begeistert!

Alle Spieler waren in Bewegung, keiner konnte sich ausruhen, das Spiel war schnell, Zweikämpfe, Dribblings, Passspiel, Torraumszenen hüben wie drüben – Fußballherz was willst Du mehr!!

Daher finde ich den Schritt genauso richtig und logisch. Die Kids lernen nur über spielen, spielen und noch mals spielen. Und das erreiche ich nur, wenn JEDER Spieler möglichst viele Ballkontakte und Zweikämpfe hat. Also verkleinere ich das Spielfeld und schaffe mehr Aktionen.

Auf dem alten Feld wurden mehr Athleten für 100 m-Sprints ausgebildet. Und hier hatten natürlich die körperlich Größen eindeutlich ihre Vorteile.

Abseits gehört hier auf jeden Fall auch hin!! So ist jeder Spieler noch mehr gefordert mit zu denken.

Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis die Kritiker verstummen. Die Kids haben ihren Spaß – und der Zuschauer auch 😉

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uschicke 15. Oktober 2011 um 21:57

die Seite ist echt interessant. Was mir aufgefallen ist bei den Kommentaren, dass ihr geshcrieben habt im bei der U13 wird ebenso wie bei der U11 mit Abseits gespielt. Das ist mir völlig neu.

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B. Hologa 9. Juli 2011 um 13:19

Hallo,

ich möchte Herrn Dillgen ergänzen:

Wie er beschreibt, wird in Berliner Jugendfußball bei den D-Junioren mit 7+1 Spielern gespielt. Das ändert sich vorerst nicht.
D.h., ihr Äußerung im Artikel …“der neuen Saison spielen nun bundesweit alle D-Jugendmannschaften mit neun Spielern…“ stimmt so nicht.

Ansonsten auch von meiner Seite kompliment zur Seite!

Grüße,

Hologa

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MB 9. Juli 2011 um 19:48

Dann waren in dem Punkt meine Quellen falsch, danke für den Hinweis!

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Dillgen 7. Juli 2011 um 21:11

Hallo Fußballfreunde, tolle Reform der U13, im Berliner Fussballverband spielen die D-Junioren schon seit Jahren auf dem halben Platz mit einer Mannschaftsstärke
von 1 Torwart und sieben Feldspieler. Es gibt auch kein Abseits.
Ziel war viele 1:1 Situationen, viele Ballkontakte.
Hat sich in Berlin super bewährt. Gut das Herr Sammer das für Deutschland
umsetzen will.

Mit sportlichen Grüßen

Wilfried Dillgen

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Maxl83 4. Juli 2011 um 18:07

An dieser Stelle erstmal Kompliment für die Website. Schön zu sehen das sich in Deutschland immer mehr in Richtung Tacktik im Netz tut. Das bisher gesehene gefällt sehr gut. Schön auch das es auch Artikel gibt die nicht ausschließlich mit Taktik zu tun haben, sondern auch in andere Nieschen vordringt.

Zum Artikel folgende Fragen:
1. Gibt es Abseits?
2. Auf welche Tore wird gespielt?

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MB 4. Juli 2011 um 21:53

Erstmal danke für deinen Kommentar und dein Lob, freut uns natürlich immer so etwas zu hören!

1. Natürlich wird mit Abseits gespielt, wie in der U11 auch schon.

2. Es wird wie bisher auf Jugendtore gespielt, zur Saison 2005/06 wurde von Senioren-auf Jugendtore umgestellt, das wird nun selbstverständich beibehalten.

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Panzergrenadier 6. Juli 2011 um 12:23

Mit den Toren hast du Unrecht. Die Torgröße war meines Erachtens von der Teamgröße bzw. der Jugend abhängig. Bei den D-Jugendspielen 11 gegen 11 wurde immer mit großen Toren gespielt. Evtl. gab es hier aber je nach Verband andere Bestimmungen.

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MB 6. Juli 2011 um 12:33

Da habe ich wohl etwas unbedacht geantwortet, die Torgröße und auch die vorherige Spielerzahl bezogen sich vor allem auf NRW. In anderen Bundesländern wurde zuvor teilweise auf große Tore gespielt und in manchen Bundesländern auch zuvor schon im 9 gegen 9, jedoch ist diese Reform nun verbindlich für alle Bundesländer, sodass der D-Jugendfußball wieder einheitlich gestaltet ist und damit alle Kinder dieselben Entwicklungschancen bekommen.

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datschge 6. Juli 2011 um 21:18

In diesem Zusammenhang wäre sicher ein Übersichtartikel zum Thema angebracht, da der momentane Status und die historische Entwicklung der Regeln für Jugendfußball sicher nicht allen Lesern geläufig sein dürfte.

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MB 7. Juli 2011 um 06:50

http://www.bfv.de/cms/docs/news/Merkblatt_9gegen9_final_18042011.pdf

Auf der verlinkten Seite kann man sämtliche Regeln für die neue Saison in der D-Jugend nachlesen. Sollte jemand Probleme haben, die Artikel zu verstehen, kann und soll er sich über das Kontaktformular an uns wenden.

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