Frauen-WM: Nordkorea – Schweden 0:1

Nach einer weiteren Niederlage ohne eigenes Tor fährt Geheimfavorit Nordkorea nach Hause, während die Schwedinnen das Viertelfinalticket bereits gebucht haben.

Beide Teams nahmen im Vergleich zu ihren ersten beiden Spielen keine personellen Veränderungen vor.

Taktische Ausrichtungen

Die Schwedinnen agierten in einem 4-4-1-1-System mit der Starspielerin Schelin als vorderster Spitze und hinter ihr Landström. Im zentralen Mittelfeld spielte halbrechts Dahlkvist, die aus ihrer leicht tieferen Rollen eher vertikal spielte, während ihre Partnerin Seger eine eher horizontale Rolle einnahm. Dennoch tauschten die beiden oft ihre Rollen.

Die Koreanerinnen wählten erneut ihre 4-4-2-Formation mit zwei beweglichen Stürmerinnen. Ebenso wie ihre Gegnerinnen bildeten sie in der Defensive eine zweite Viererreihe im Mittelfeld. Das Pärchen im Zentrum bestand aus Jon und Kapitänin Jo. Im Offensivspiel sicherte Erstere ab, während Jo öfters nach vorne ging und dort viel Bewegungsfreiheit hatte.

Weitestgehende Neutralisation

Zwar herrschte im Mittelfeldzentrum eine nominelle Gleichzahl und schematische Ausgeglichenheit, doch der Unterschied war, dass die Koreanerinnen beim Spielaufbau nicht so konsequent gestört wurden, während sie selbst ihre schwedischen Gegnerinnen gut aus dem Spiel nehmen konnten. Dabei nutzten sie hier die Tatsache, dass die beiden Formationen sich gegenseitig ausglichen und viele 1-1-Duelle kreierten.

Jo deckte meiste die ballnahe Schwedin ab, während Jon zwischen Decken und Absichern wechselte. Sie stand etwas tiefer, um den Raum zu sichern, aber verschob, sobald es nötig wurde, zur anderen schwedischen Mittelfeldspielerin. Seger und Dahlkvist waren außerdem noch von den beiden Spitzen Nordkoreas in einem Quadrat eingeengt und für das Aufbauspiel damit größtenteils neutralisiert – die schwedischen Verteidigerinnen fanden keine Anspielstationen. Die Folge waren weite Bälle oder Vertikalpässe auf die athletische Schelin.

Durch diesen Stil, der durch die körperlichen Voraussetzungen der Spieler noch unterstützt wurde, gab es nicht viele gefährliche Szenen. Da die nordkoreanische Abwehr nicht zu hoch stehen wollte, um für Bälle in den Rücken nicht zu anfällig sein, ergaben sich – unterstützt durch die Charakteristik des 4-4-2 – zwar Räume zwischen den Linien, Landström konnte diesen Platz  aber nicht nutzen, da sie häufig durch die langen Pässe überspielt wurde – für Gefahr sorgten sporadisch einzig die nachstoßenden und robusten Mittelfeldspielerinnen und die Klasse von Schelin.

Diese Eindimensionalität wurde dadurch verstärkt, dass Nordkorea die starke schwedische Seite gut im Griff hatte. Linksverteidigerin Thunebro wurde im Spielaufbau immer wieder gesucht, aber von Kim gut angelaufen und auch ohne die großen Anspielstationen, während Rekordnationalspielerin Sjögran durch die offensive Song nach hinten gedrängt und dort gebunden wurde.

Von Nordkorea sah man vor allem aufgrund ihrer  Anlagen, aber auch weil Jon und Jo mehr Raum und Zeit zum Aufbau hatten, vorwiegend Kurzpasspiel. Durch schnelle Ballstafetten konnte man den Ball nach vorne tragen und auch die beweglichen Stürmer sowie die äußeren Mittelfeldspieler kamen nach Vertikalzuspielen ein ums andere mal zwischen den Linien frei.

Wenn sie dann allerdings vorne waren, mangelte es an wirklicher Torgefahr. Es fehlten die endgültigen Vorstöße aus tieferen Zonen, die aus den Bewegungen der Stürmer Nutzen  hätten ziehen können. Zudem versuchte man es zu oft über außen und mit Flanken – die zum Scheitern verurteilt waren.

Nordkorea hatte ein wenig mehr vom Spiel, die Schwedinnen die besseren Torchancen, aber kein Team konnte wirklich die Kontrolle übernehmen – und so war ein chancenarmes 0:0 zur Halbzeit keine große Überraschung.

Zweite Halbzeit

Im zweiten Abschnitt änderte sich zunächst wenig an diesem Bild, aber die Schwedinnen kamen mehr und mehr zu Torchancen. Voraussetzung hierfür war aber, dass Nordkorea nun doch mit einer höheren Abwehr spielte. Da die schwedischen Verteidigerinnen nicht unter Druck gesetzt wurden, spielten sie nun die langen Bälle schneller nach vorne, doch vor allem Schelin vergab viel zu viele Chancen.

Ebenfalls fiel auf, dass die Schwedinnen nun deutlich mehr Rochaden in ihr Spiel aufgenommen hatten, um die taktisch disziplinierten Koreaner aufzubrechen. Weil die Formationen sich gegenseitig anglichen, waren diese Rochaden besonders wirkungsvoll.

Nach 65 Minuten fiel dann das sich abzeichnende Tor für Schweden. Dieses Tor zeigte exemplarisch auf, was die Schwedinnen in der zweiten Halbzeit verbessert hatten: Konsequenteres Flügelspiel gegen die eng spielenden Asiatinnen, schnelle Rochaden und gute Bewegung sowie Seitenwechsel und Spielverlagerungen, mit denen man das taktisch disziplinierte Verschieben der Koreanerinnen ausnutzen konnte.

Dass die Torschützin Lisa Dahlkvist hieß, die bereits zu Beginn des zweiten Abschnittes eine große Chance gehabt hatte, war ebenfalls symbolisch: Mit ihren energischen Vorstößen gab sie den Schweden das, was den Koreanerinnen fehlte.

Diese versuchten zwar, nach dem Rückstand wieder mehr Initiative zu übernehmen, aber kamen nicht mehr richtig nach vorne. Schweden hatte das Mittelfeld Nordkoreas in der zweiten Halbzeit ohnehin schon verstärkt unter Druck gesetzt und intensivierte dies nun, was die Koreanerinnen auch psychologisch belastete.

Die Schwedinnen hatten erkannt, dass sie mit vielen Spielerinnen aufrücken konnten, um im Mittelfeld zu attackieren. Die hinterlassenen Lücken konnten sie in Kauf nehmen. Zum einen kamen ohnehin nur wenig Bälle zu den Stürmerinnern durch und zum anderen war das Risiko relativ gering, solange die Innenverteidigerinnen die nordkoreanischen Angreiferinnen am Aufdrehen hinderten – schließlich fehlten Nordkorea Abnehmer für die abgelegten Bälle und Ausnutzer von geschaffenem Raum.

Die Maßnahmen von Nordkoreas Trainer schienen auch seltsam. Yun, die gegen die USA noch in vorderster Front gespielt hatte, spielte nun tiefer, war aber in der zweiten Hälfte fast ausschließlich darauf bedacht, Gegnerinnen wegzulocken und Räume zu schaffen – die allerdings ja niemand füllte. Jo wechselte auf die Außenbahn, womit sie noch weniger Bälle bekam, die Zentrale noch weiter geschwächt wurde und die fehlende Anbindung zwischen dem zentralen Mittelfeld und Sturm wieder so erschreckend gering gegeben war, wie in einigen Teilen des ersten Gruppenspieles.

Während die Schwedinnen den Ball hielten und den nordkoreanischen Aufbau behinderten, führten deren weitere Auswechslungen nur zu weiteren Umpositionierungen im Mittelfeld, die das Spiel noch mehr stocken ließen. Um die 80. Minute schien man das Mittelfeld aufgeben und durch viele Spieler im Strafraum Flanken verwerten zu wollen. Als man sich umgehend bei einem Konter durch die eingewechselte schnelle Öqvist beinahe das 0:2 gefangen hätte, gab man die Strategie wieder auf – die planlosen und halbherzigen langen Befreiungsschläge der Schlussminuten zeigten die eigene Resignation und die schwedische Überlegenheit.

Fazit

Ein verdienter Sieg für Schweden. Nach einer ausgeglichenen und chancenarmen ersten Halbzeit zogen sie die richtigen Schlüsse und korrigierten das, was im ersten Durchgang gefehlt hatte – anders als die Nordkoreanerinnen, für die nun das Turnier zu Ende ist und denen Durchschlagskraft, Inspiration und gezielte und konsequente Anpassungen fehlten.

Nach dieser Leistungssteigerung können die Schwedinnen sich Mut machen, das Spiel gegen die USA wird schon zeigen können, wie weit es bei diesem Turnier noch gehen kann.

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