Brasilien U17 – Ecuador U17 2:0

Das Achtelfinale des südamerikanischen Favoriten Brasilien sollte nicht das erwartete Spektakel sein, der Gegner aus Ecuador bereitete der U17 der Selecao Probleme.

In einem Spiel in sengender Hitze begann Brasilien stark, doch leichte taktische Änderungen sorgten in der zweiten Halbzeit für ein komplett anderes Spiel und die Brasilianer dürfen sich glücklich schätzen, ins Viertelfinale eingezogen zu sein.

Wechselwirkung der jeweiligen Taktiken

GrundformationenBrasilien begann mit anderen Spielern in einem identischen System wie beim 3:3 gegen die Elfenbeinküste und hatte zu Beginn das Ruder in der Hand.

Das stark asymmetrische 4-2-2-2 stellte Ecuador vor Probleme, Adryan ließ sich oft in die Mitte fallen und Wallace auf rechts nutzte den Raum.

Das Führungstor in der 16. Minute zeugte von brasilianischem Flair, Adryan empfing den Ball zentral und spielte ihn per Hacke auf Wallace weiter, welcher mit einem Querpass Ademilson assistierte.

Ademilson, nominell Mittelstürmer, zeigte einmal mehr seine Effektivität und spielte in der ersten Halbzeit sehr stark.

Immer wieder ließ  er sich fallen, nahm am Kombinationsspiel teil und vollendete dann, die Innenverteidigung Ecuadors ließ ihn zu oft gewähren und der zu offensive Cevallos konnte den Raum zu Ademilson nicht schließen.

Bei Ecuador begann etwas überraschend Valencia hinter der Sturmspitze Batioja in einem 4-4-1-1 und man kann konstatieren, dass er aufgrund seiner Dribbelstärke und Wendigkeit Mercado vorgezogen wurde, doch Valencia zeigte sich zu ballverliebt und verpasste den richtigen Moment für den Pass zu oft.

Brasilien geriet kaum in brenzlige Situationen, Batioja und Valencia boten sich zu selten zentral an und versuchten zu viel alleine auf dem Flügel, wo sie dem inversen Winger Uchuari und seinem Pendant Sornoza auf rechts wichtigen Raum wegnahmen.

Die Offensive Ecuadors nahm sich somit komplett aus dem Spiel, die Außenverteidiger konnten –ganz im Gegensatz zu Brasilien- keine Hilfe leisten.

Ramírez und Jaime hätten die zwei Stars Brasiliens aus dem Spiel nehmen sollen, doch Adryan entzog sich dieser Deckung durch seine Rochaden nach innen, während Nathan stark nach rechts verschob und zusammen mit Wallace auf Ramírez drückte.

Ein offensiverer Linksverteidiger hätte Ecuador gut getan um die Lücken, welche Adryan hinterließ, zu nutzen, wie man auf diesem Bild schön erkennen kann:

Auch das Pressing der jeweiligen Mannschaften war taktisch sehr interessant, Brasilien attackierte weit vorne, während Ecuador eher im Mittelfeld presste.

Im Laufe des Spiels gab es aufgrund Ermüdungserscheinungen immer weniger solcher Pressingaktionen und Brasilien baute das Spiel sehr langsam innerhalb der eigenen Viererkette auf.

Ein weiterer Grund für diesen langsamen Spielaufbau war das Abdecken Brasiliens Misael, so dass sich der Spielaufbau rein auf die halbrechte Zentrale oder gänzlich über Außen konzentrierte – Publikumsliebling Piazón kam kaum ins Spiel.

In Halbzeit eins hatte Brasilien einen viel höheren Ballbesitz und Ecuadors Pressing hatte aufgrund der schlechten Defensivorganisation zahlreiche Lücken, was das Pressing weitgehend ineffektiv machte – auch das Konterspiel Ecuadors war ausgehebelt, Brasilien bildete eine Dreierkette mit Doppelsechs davor, wenn die jeweiligen Außenverteidiger Brasiliens aufrückten.

Änderungen in der zweiten Halbzeit

In der zweiten Halbzeit ein komplett anderes Spiel, Ecuador agierte offensiver und Brasilien schien lethargisch.

Trotz der ecuadorianischen Überlegenheit ergaben sich lange Zeit keine Chancen, die erste hundertprozentige gab es in der 65. Minute.

Ursache dafür war die langsame Ballverarbeitung und die fehlende Besetzung der Zentrale im letzten Drittel, bezeichnend dafür die offensive Rolle Cevallos, der ohne Erfolg versuchte diesen Raum auszufüllen und so Raum für Konter Brasiliens gab, welche ab der 75. Minute öfter kamen.

Ein wichtiger Wechsel war Mercado in der Halbzeit für Batioja, er agierte tiefer und zentraler als sein Vorgänger. Zwar konnte auch er nicht für eine erhöhte Torgefahr sorgen, doch die Ballverluste vorne wurden geringer.

Ein taktischer Fehler war Adryans noch zentralere Rolle, was den Flügel vollends verwaisen ließ und Gruezo dazu bewegte, dass er offensiver agierte.

Leo, der für Nathan kam, agierte nicht so weit rechts und das Spiel Brasiliens verlagerte sich auf die linke Seite, wo der Raum geringer war und das Kombinationsspiel ins Stocken geriet, doch gegen Ende der Partie konnte Leo einen –abermals tollen- Freistoß Adryans ins kurze Eck verwandeln, wobei der eigentliche Ersatztorhüter Ecuadors Cuero abermals wackelig wirkte.

Fazit

Ein interessantes Spiel in der ersten Halbzeit, welches immer mehr verflachte.

Brasilien zeigte keine berauschende Vorstellung, doch Adryan deutete sein Talent an und sorgte so für die beiden Treffer.

Mann des Spiels für mich dennoch der Mittelstürmer Ademilson, der seine Mittelstürmerrolle sehr modern und effektiv ausübt und für mich einer der unterschätztesten Spieler dieses Turniers ist.

Im Viertelfinale trifft Brasilien am 3. Juli auf Japan, welche Neuseeland mit 6:0 besiegten.

44² 30. Juni 2011 um 13:55

Hab das Spiel nicht gesehen, aber wieder sehr schlüssig, kompakt und detailreich beschrieben. Gefallen mir bisher sehr, deine Analysen!

Könnte man das brasilianische Offensivspiel damit konzeptionell mit der Barca-Systematik vergleichen? Offenbar wurde die Viererkette von zwei recht weit außen agierenden Spielern nach hinten gedrückt, zu viert die Zentrale überladen und ein zurückgezogener Stürmer wurde dadurch im Sechserraum frei, ebenso wie es Barca macht. Scheint mir ähnlich; die IVs (der rechte insbesondere) von Ecuador hingen damit scheinbar auch so in der Luft wie es Messis Gegenspieler meist tun?
Die Systematik eben nur interessanterweise aus einem 4-2-3-1 heraus angenommen, statt einem 4-3-3. Scheint mir eine sehr taugliche Idee.

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RM 30. Juni 2011 um 15:09

Richtig, das ist das Grundprinzip, wenn natürlich auch mit leichten Variationen.

Problem hierbei ist natürlich, dass eine stärkere Mannschaft dieses bras. System theoretisch recht leicht aushebeln kann, was bei Barca nicht der Fall ist – im Prinzip aber eine ähnliche Überlegung, ja.

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