Donnerstag, 24.08.2017

Internacional – Figueirense 4:1

Am sechsten Spieltag der brasilianischen Liga musste Internacional unbedingt gewinnen, um den Anschluss an die oberen Plätze nicht zu verlieren. Zu Gast war ausgerechnet Überraschungsteam Figueirense, bislang nur gegen Spitzenreiter Sao Paulo verloren. Eine weitere Niederlage für den Copa-Libertadores-Gewinner von 2011 schien vorprogrammiert, doch taktische Fehler des Figueirense-Trainers Jorginho sorgten für einen souveränen Sieg.

Konsequenzen der jeweiligen Taktiken und Ursachen für den Sieg

GrundformationenInternacional spielte wieder mit ihrem fluiden System, welches man als Hybrid aus 4-2-3-1 und 4-2-2-2 bezeichnen könnte. Oscar kehrte in die Mannschaft zurück und zeigte eine starke Leistung.

Figueirense agierte wie in den letzten beiden Spielen mit einer Raute, wobei die Halbpositionen sehr viele Freiheiten genossen und von eigentlichen Außenbahnspielern besetzt waren.

Der Schachzug Coutinho und Lenny zu bringen, was für ein dynamisches Umschalten und ein Abblocken der gegnerischen Außenverteidiger hätte sorgen sollen, ging daneben. Die beiden Spieler lieferten taktisch eine schwache Partie ab und standen sich mit Maicón im Zentrum auf den Füßen. Tinga und Guiñazú hatten einen einfachen Tag und die Abwehr Internacionals ließ bis zur 82. Minute keinen einzigen Torschuss zu.

Kléber und Nei rückten auf, wobei sich der linke Außenverteidiger Kléber eher auf Halbfeldflanken beschränkte, die jedoch oft gefährlich vors Tor kamen. Zé Roberto und D’Alessandro agierten als verkappte Spielmacher auf dem Flügel, zusammen mit Oscar schufen sie sich selbst Raum und drei der vier Tore fielen durch solche Rochaden und Vollstreckeraktionen Oscars, der am meisten von diesem Raum profitierte. Sehr sehenswert ist das 2:0, die Vorarbeit D’Alessandros auf den im Loch wartenden Oscar zeigten die technische Brillanz des ehemaligen Regisseurs des VfL Wolfsburg.

Den Ehrentreffer erzielte Figeuirense kurz vor Schluss, als die Spieler Internacionals Gnade vor Recht ergehen ließen.

Neben Oscar zeigte sich auch Mittelstürmer Leandro äußerst effektiv und bewies, wieso er als teuerster Spieler seines Vereins gilt.

Fazit

Eine schöne Partie, die man durchaus als typisch brasilianisch bezeichnen könnte, viele Kurzpässe und Soli sorgten für ein ansehnliches Spiel mit vielen Toren.

Doch trotz aller Schönheit und allem Talent, welches dargeboten wurde, stellt sich die Frage, wie man dem jeweiligen Gegenspieler so viel Raum gewähren konnte und es verwundert nicht, dass die brasilianische Liga nicht mit den europäischen Ligen mithalten kann – denn an der Schwäche der jeweiligen Individualisten liegt es nicht.

Letztendlich setzte sich die Mannschaft durch, deren Taktik den Fähigkeiten ihrer Spieler zu Gute kam und gleichzeitig für mehr defensive Organisation sorgte.

44² 28. Juni 2011 um 03:03

Wo war denn Figueirense offensiv? Es war ja wohl recht nah an einem 4-1-3-2 mit den offensiven Dreierreihen im Rücken voneinander, das sollte doch beidseitig sehr komfortable Offensivsituationen erzeugen. Im Video ist vor dem 4:0 aber von den Gästen ja garnichts zu sehen. Im Offensivpressing hängen geblieben? Individuell zu schwach? Auf den Halbpositionen einfach faul gewesen und somit weder Offensiv- noch Defensivspiel wirklich zuarbeiten können?

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RM 28. Juni 2011 um 08:52

Dieses Spiel fand ich persönlich taktisch extrem interessant, denn Figueirense hat ein grundlegend eher defensives System sehr offensiv besetzt, was absolut gescheitert ist – sämtliche Offensivbewegungen verliefen im Sand, da sich die drei Spieler vor dem Sechser auf den Füßen standen und keine vertikalen Anspielstationen hatten – die Außenverteidiger sorgten ebensowenig für Breite.

Tinga und Guiñazú agierten bei Internacional defensiv hervorragend und ließen (bis zur 80.) absolut nichts durch, sicherten ab und spielten eine rein defensive Doppelsechs mit zwei Zerstörern – hat sehr gut funktioniert und Figueirense total ausgehebelt.

Die vier Tore für Internacional entstanden somit primär dadurch, dass Figueirense offensiv spielen wollte, aber nicht die Möglichkeit und Mittel dazu hatte.
Dadurch wurden Löcher zwischen der offensiven Dreierreihe und dem Defensivverbund gerissen, die Internacional recht einfach ausnutzen konnte.

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